Was hält die Welt im Innersten zusammen? Gibt es ein Band, das man Weltgeschichte nennen kann und das in Klein kopierend lauter schöne Geschichten und Romane schreiben? Die Charaktere selbst denken darüber einwenig nach, schließlich ist es ja ihre Welt. SOKRATES Folge 352

Uri Bülbül
«Ein Roman, in dem ich eine Rolle spiele. Nun ja, aber gepackt hat mich die Idee nicht wirklich. Und dann ist mir auch nicht klar, welche Rolle genau das sein soll. Maja Feenstaub hat es da einfacher. Aber auch sie wird nicht verstehen, was das alles bedeuten soll.» «Was soll das alles nur?» fragte Basti. «Verstehe das nicht. Ich mache gerne mit und habe eine Menge Ideen für Geschichten und möchte, dass sie alle im Roman ihren Platz finden. Aber wohin führt das? Was kommt am Ende heraus?» Nadia lachte: «Wahrscheinlich ein Roman, wenn du schon selber sagst, dass du deine Geschichten im Roman haben möchtest. Komm jetzt in den Eimer!» Sie hielt den Eimer in die Badewanne, so dass Basti mühelos hinein schwimmen konnte. «Und bleib schön hier drin! Ich bringe dich nachher zum Bassin. Von dort aus musst du deinen Weg selber finden.» Sie wusste, dass Basti sich wieder in den jungen Mann zurück verwandeln konnte, der er in der Villa war. Aber sie wusste nicht, wie das geschah und ob Basti es immer selbst willentlich steuern konnte. Ein wenig war ihr das auch egal wie der ganze Roman. Sie musste schließlich ihren eigenen Weg finden, ihre eigenen Fragen beantworten und Wünsche erfüllen. Und sie wusste nicht, wieviel sie davon wem anvertrauen sollte. Sie war eine junge Frau, etwas älter als Basti; aber sie fühlte sich als ein ganz anderes Kaliber, wenn sie mal nur genau wüsste, wie sie sich eigentlich fühlte. «Im Grunde sind wir doch alle in einer verdammten Black Box auf einer Reise mit unbekanntem und ungewissem Ziel! Wie dieser Alfred Ross! Aber ihm habe ich wenigstens versucht auf die Sprünge zu helfen. Aber wer versucht denn mir zu helfen?» Nadia wollte sich mit diesen Gedanken gerade ausziehen, als sie plötzlich stockte. Den hatte sie in diesem Moment ja ganz vergessen – den Delphin im Eimer! Er aber hatte sich gemeldet: «Hey, ich könnte dir doch helfen!» «Ach, dich habe ich hier schon ganz vergessen!» brummte sie und trug den Eimer aus dem Bad in ihr Zimmer. Sie wollte sich im Bad entspannen und nicht von einem quasselnden Delphin angesprochen und angestarrt werden. «kannst du mich dann wenigstens mit einem Fischstäbchen oder einem Stück Banane füttern, bevor du mich wieder zu dem See bringst? :3» «Auch noch Ansprüche!» empörte sie sich. «Fischstäbchen habe ich nicht in meinem Haushalt! Damit werde ich dich bestimmt nicht füttern! Ich bin Veganerin. Weißt du, was "vegan" bedeutet und wann jemand ein "Veganer" ist?» fragte Nadia und es klang ein wenig wie eine Oberlehrerin, aber wenn man ihr ins Gesicht und insbesondere in ihre dunklen Augen sah, wusste man, dass diese Frau niemals die Herzlosigkeit einer Oberlehrerin haben konnte. Etwas eingeschnappt tauchte der kleine Delphin im Eimer unter, drehte ein paar Kreise, während Nadia skeptisch zusah, was der Kleine zu treiben gedachte. Selbst für sie unerwartet tauchte er wieder auf, streckte den Kopf aus dem Wasser und richtete sich so auf, dass er über den Rand des Eimers schauen konnte und sprach:

View more