De Helden sind auf Reisen geschickt, Luisa mit Adonis, Kommissar Alfred Ross in der Blackbox in ein ungewisses Schicksal und Betti würde am liebsten die Psycho-Villa verlassen, aber ihre Tochter Lara ist auf Traumreisen... SOKRATES Folge 354:

Uri Bülbül
Während Lara tief in der Psycho-Villa schlummerte und Betti ihre Tochter nicht wecken wollte, obwohl sie gerne so schnell wie möglich nach Hause abgereist wäre, saß Luisa im Airbus mit Marcellus Adonis Narrat und schmökerte auf ihrem Smartphone im Internet. Das neue Smartphone, was ihr väterlicher Liebhaber ihr geschenkt hatte, war schnell, fühlte sich gut an und hatte eine gute Kamera. Luisa hörte Musik über Kopfhörer, warf ab und an einen warmen Blick auf Adonis und machte Selfies. Adonis saß in einem bequemen Sessel, sah Luisa zu, genoss ihren Anblick bei einem Gläschen Whisky. Der Airbus war im Landeanflug, in einigen Minuten würde das Fahrwerk ausgefahren. In seinem Bauch im Gepäckraum die Blackbox mit Hauptkommissar Alfred Ross, der immer mehr zu sich kam, auch wenn er in der absoluten Finsternis und ahnungslos, was mit ihm geschah und weiter geschehen würde, saß. «Alter Ross, hier wird nicht aufgegeben», sagte er sich. Seine Frau und seine Tochter waren gestorben. Ein Verkehrsunfall, wobei das Wort „Unfall“ den Tatsachen nur Hohn sprach. Illegale Wettrennen auf dem Parkgelände des Einkaufszentrums und ein rasender möchtegern Rennfahrer, waren die Ursache des Unglücks. Und da sollte man von einem Unfall sprechen? Diese Bitternis und die lächerlichen zwei Jahre auf Bewährung gegen den Fahrer, der noch unter das Jugendstrafrecht fiel, hatte Ross nicht verwunden, niemals würde er oder könnte er diesen Geschmack von seiner Zunge bekommen. Da konnte die sehr nette und verständnisvolle Polizeipsychologin Philomena tun was sie wollte. Er wurde den Geschmack auf seiner Zunge, in seinem Mund, in seinem ganzen Leben niemals wieder los. Es ging nicht anders, ihn packte immer wieder rasende Wut. Aber Philomena sah keinen Sinn darin, ihn dienstuntauglich zu schreiben und «aus dem Verkehr zu ziehen», wie es der Polizeipräsident eigentlich wollte. «Damit ist niemandem geholfen, Herr Doktor Albermann», hatte Philomena gesagt und hinzugefügt: «Sie sollten meinem Urteil und meinen Fach- und Menschenkenntnissen vertrauen, sonst ist eine Zusammenarbeit doch gar nicht möglich.» Der Polizeipräsident gab nach, aber ob er wirklich vertraute, konnte bezweifelt werden. Dieselbe Philomena war nun auf anderem Gebiet, in anderen Feldern unterwegs. Sie bekam Spezialaufträge aus dem Innenministerium. Sie wurde direkt einer Staatssekretärin unterstellt und aus Albermanns Präsidium abgezogen, ohne dass er darum ersucht hätte. Nein, diese Entscheidung, Alfred Ross im Dienst zu belassen, schmeckte dem Präsidenten nicht, aber deswegen die Fachfrau von ihrer Arbeit abziehen? Nein, so war Doktor Albermann nicht. Er hatte seine eigene Geschichte, eine Familiengeschichte mit einem sehr seltsamen Touch, auch darin spielte Philomena eine gewisse Rolle, aber ganz am Rande und als entfernte Beobachterin. Als Psychologin sollte ihr nichts Menschliches fremd sein.

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