Na ja, etwas “teilen” lässt mich im Kontext auf etwas “haben” schließen, dies wiederum auf Besitz. Bei der Frage nach der “Sache” gibst du “Liebe” an, womit sie für mich zunächst gegenständlich wird. Ich verstehe das Denken dahinter aber nicht und war mir eben auch keineswegs sicher, ob es von ...

Man kann Erfahrungen, Gefühle, Erlebnisse und schöne Eindrücke miteinander teilen, man kann auch Unsicherheiten teilen und einiges andere mehr auf der Gefühls-, Erfahrungs- und Empfindungsebene - „teilen“ im Zusammenhang mit dem Höchsten („die eine Sache“) verlässt für mich auf jeden Fall die Gegenständlichkeit, die man auch besitzen kann. Und dennoch wird im klassischen Liebesdiskurs, den man Land auf, Land ab antrifft, immer so getan, als wäre es etwas ganz Besonderes und besonders Wichtiges, dass man in der Liebe den anderen Menschen nicht vergegenständlichen und wie einen Besitz behandeln sollte. Aber vielleicht will man auch die Aufmerksamkeit des anderen mit niemandem teilen, man möchte vielleicht mal in den Augenblicken der Begegnung, der Zuneigung und des Zusammenseins als einziger wahrgenommen werden, ohne dass der andere an etwas anderes, an andere Verpflichtungen oder Menschen denkt. Ist dieser Wunsch ein Hinweis darauf, dass man den anderen „besitzen“ möchte wie einen Gegenstand? Ich wollte die Diskussion in diesem Zusammenhang auf einige Aspekte der Liebe lenken, aber mir ist der Zusammenhang zwischen lieben und nicht besitzen und loslassen und nicht festhalten usw. zu banal. Das sind schöne Selbstverständlichkeiten, die eigentlich nichts über Liebe und ihre Komplexität aussagen. Nur weil ich Menschen nicht wie Gegenstände betrachte und ihre Freiheit respektiere, liebe ich nicht. Außerdem ist das Verb „haben“ nicht allein auf das „besitzen“ zu reduzieren. Wenn man Geschwister hat, „besitzt“ diese Menschen auch nicht. Es ist ein Wortspiel, wenn man sagt: „ich habe ein Haus, ein Pferd und einen geliebten Menschen“. Und wenn man das nicht als Wortspiel begreift, hat man längst vor der Liebe nichts von menschlichen Verhältnissen begriffen, denn die Sklaverei ist schon seit einigen Jahrhunderten abgeschafft. Menschen dürfen andere Menschen nicht besitzen und wie Besitz behandeln, was im alten Rom anders war: Sklaven gehörten zum Hausstand wie Haustiere oder Möbel. Aber dass wir im Kontext der Liebe nicht von Sklaverei sprechen müssen, ist für mich selbstverständlich, also geht es mir auch nicht um Eigentums- und Besitzverhältnisse. Du hast doch auch Familie, so viel ich weiß: siehst du denn deine Familie als einen Teil deines Besitzes an?

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+3 answers in: “Was ist die eine Sache, die du mit niemandem teilen möchtest?”