Veganismus, Gummibären, der Sinn des Lebens und ob das Stoffliche durch Form lebendig wird? SOKRATES Folge 360:

Uri Bülbül
Der kleine Delphin völlig geheimnisvoll in Nadias Badewanne gelandet und angeblich ganz ohne sein eigenes Zutun und Wollen, was sie ihm nicht so ganz abnehmen wollte, hatte über Veganismus und Gummibären spekuliert. Ob man denn nun auch aus veganem Stoff hergestellte Gummibären essen dürfe oder eher nicht, denn immerhin hätten die Bärchen ja eindeutig Tiergestalt. Aber so eindeutig war das für Nadia nicht, denn sowohl Teddy- als auch Gummibären waren Phantasieprodukte und keine tatsächlichen Lebewesen. Sie wollte die Diskussion mit dem Hinweis auf das Legokamel beenden, was Basti aus den Legosteinen machen wollte, die er bei Luisa in Bestellung gegeben hatte und die nun auf dem Schreibtisch der Schwester Maja in der Psycho-Villa unbeachtet und vergessen auf ihn warteten. «Du denkst, wenn du ein Legokamel baust, wird das ein Tier und du kannst es nie wieder auseinander nehmen und vielleicht etwas ganz anderes aus denselben Steinen basteln. Vielleicht eine Straßenlaterne oder ein kleines Häuschen. Oder ein Auto, also irgendetwas, was bestimmt kein Tier ist und keine Pflanze, gar kein lebendiges Wesen.» Was aber, wenn die Form allein schon genügte, um der Materie Leben einzuhauchen? Denn ohne Leben entstand doch keine Form! Was so natürlich nicht stimmte, denn Kristalle und überhaupt jede Materie nahm Form an und hatte Strukturen und wurde dadurch nicht lebendig. Allerdings gab es auch Religionen, die genau an diesem Punkt eine andere Position einnahmen und darauf bestanden, dass jede Form auch göttlichen Geist und damit auch Leben bedeutete. So konnte man auch als Stein wiedergeboren werden oder als Bergkristall. Wer konnte dem schon mit Gewissheit widersprechen? Nadia trug schmunzelnd über die telepathischen Fähigkeiten des kleinen Delphins den Wassereimer, in dem er herumschwamm und seine Gedanken formulierte, ohne laut mit Nadia zu diskutieren, aus dem Bad. Denn schließlich wollte sie sich jetzt ganz in Ruhe in der Wanne entspannen und später den Delphin in den Waldsee aussetzen, wie sie es ihm versprochen hatte. «Sei brav und mach hier keinen Unfug und komm ja nicht wieder auf die Idee, einfach nur zu verschwinden ohne Abschied. Ich möchte nicht, dass dir etwas zustößt», riet sie Basti @Maulwurfkuchen in Delphingestalt mütterlich. Er hatte etwas von einem kleinen frechen Bruder für sie und Nadia fand Basti niedlich. Da fiel die Realität durch einen synaptischen Spalt des Autors und spaltete sich. Der Autor, was ja von „auctoritas“, also Autorität, stammt, verlor womöglich die Kontrolle über sie, die zu gestalten und in eine epische Reihenfolge und Form zu bringen, ihm auferlegt war – allein schon dem Namen nach. Nadia trug den Wassereimer mit Basti als kleinem Delphin darin in ihr Zimmer, damit sonst in der Wohnung aus Versehen darüber stolperte und ein Unfall passierte, denn sie wollte Basti schützen und behüten, stellte ihn neben ihren Schreibtisch mit den Worten: «Hier wartest du und kannst von mir aus über den Sinn des Lebens nachdenken.»

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