Reden wir einwenig über Philomena. Aber reden wir wirklich über Philomena? SOKRATES Folge 362:

Uri Bülbül
Philomena war eine außergewöhnliche Psychologin. Sie hatte dieses Fach nicht nur studiert, um universitäres, akademisches oder wie man es noch imposanter und einschüchternder nannte: „wissenschaftliches“ Wissen in sich anzuhäufen; sie suchte immer schon den ganz praktischen und fühlbaren Bezug zu Menschen; ihre Sensibilität, ihre Empathie waren mehr als alles, was man an Universitäten an wissenschaftlichem Psychologiewissen sich anhäufen konnte. Ihr eigentlicher und wahrer Schatz war also ihr Mitgefühl, womit sie sich auch in andere einfühlen konnte. Und bei alldem fehlte es ihr nicht an Lust auf Utopie, auf Perspektive, auf Neuerungen und Verbesserungen, an die andere in ihrer Alltagsroutine gar nicht dachten. Als Summertimefeeling schrieb sie von einem schimmernden Fisch, der sich angeregt von Gesprächen der Menschen im Garten, die sich über Literatur, Philosophie und Politik unterhielten, dann aber auch über alles andere Mögliche und Unmögliche, über Gott und die Welt sozusagen, auf den Weg machte, um die Menschen an anderen Orten zu erkunden. Erst lebte der Fisch im Gartenteich und dann ging er auf die Reise wie Menschen die unmöglichsten Räume zu erkunden suchen, wie zum Beispiel als Astronauten das Universum. Ja, die Menschen, mit ihren irrsinnig vielfältigen Ansichten und Meinungen, Verhaltensweisen und Denkformen – niemals passten sie alle durch das Nadelöhr der Vernunft und der Aufklärung und auch nicht durch das Nadelöhr der psychologischen Wissenschaft. Man konnte zwar Muster erkennen, so dass nicht jeder Mensch eine ganz und gar individuelle Einstellung hatte, niemand dachte und fühlte absolut einzigartig, aber die Menge der Meinungen, der Weltanschauungen, der Glaubenssätze und Glaubensmuster war schier unzählig. Und Philomena fühlte sich manchmal wie der Schimmerfisch aus dem Garten. Sie war losgezogen, um die Menschen zu erkunden, zog im staatlichen Auftrag durch die Welt und suchte im Grunde für sich Verständnis in vielerlei Hinsicht. Ganz ganz tief in ihr aber saß auch ein Schmerz, der an ihr nagte. Nur durch Frohsinn und Lebensfreude ließ er sich halbwegs bändigen und in die Finsternis der Seelentiefe bannen. Aber ob er dort keinen Schaden anrichtete, war ungewiss. Philomena aber hatte davor keine Furcht. Sie hatte die Leichtigkeit eines Menschen, der das Schlimmste überlebt hatte und wusste, dass Furcht und Leiden nicht halfen – Wehleidigkeit erst nicht. Sie wusste jeden Augenblick ihres Lebens zu genießen und den nächsten mutig auf sich zukommen zu lassen. Dieser Mut prägte ihr Wesen. Aber auch Alice war eine sehr mutige Frau, wenngleich sie durchaus auch einen Schutzmantel aus Vorsicht und Wachsamkeit um sich bevorzugte und ihren Schutzschild nie ganz sinken ließ. Philomenas Neigung, die Welt zu erkunden wie ein Fisch, der seinen Teich verlässt und sich einem Papagei anvertraut, der mit einer Gießkanne seine Kiemen feucht hält, befremdete @Gehirn_Zelle eher.

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