Philomena in Casablanca, Basti im Eimer in Nadias Zimmer, die Piraten im Hattinger Wald, das Wölfchen in der Kiste zugenagelt und Ross im finsteren Würfel. Und Niklas fühlt sich in der Bredouille. SOKRATES Folge 365:

Uri Bülbül
«Was soll das alles?» Hardenberg war verwirrt, irritiert, rat- und ahnungslos. Einerseits hingen seine Gedanken noch an der schönen Richterin und dem dicken Kommissar. Die beiden ein Paar? Es fiel ihm schwer, das zu begreifen! Seine Phantasie malte sich Bettszenen aus – ganz ohne sein Zutun. Nichts passte zusammen und alles entglitt sofort ins Perverse. Oder in das, was Hardenberg in diesem Moment für pervers halten wollte. Sie konnten machen, was sie wollten und wie sie es wollten, das ging Hardenberg natürlich nichts an. Aber so tickte seine Phantasie nicht. Und dann dieses Mädchen an seinem Arm, die sich an ihn hängte. Er wollte sie losschütteln, aber sie hing daraufhin noch fester an ihm. Abrupt blieb Hardenberg stehen und noch einmal die Frage: «Was verdammt soll das?!» «Alles zu seiner Zeit», antwortete sie ruhig und sanft, genauso wie es ihre Augen und ihr Gesichtsausdruck von ihr erwarten ließen. Maria hatte ein ungeheuer sanftes Wesen. Die deutliche Rebellion von vor wenigen Augenblicken stand in krassem Widerspruch dazu und rückte schier ins Irreale. «Komm, wir gehen jetzt zu dir. Nachhause kann ich im Moment unmöglich», sagte sie. Hardenberg drehte sich noch einmal Richtung Antonios Restaurant um. Wollte er sich etwa vergewissern, dass sie nicht verfolgt wurden? «Ich bringe diesen Kerl um!» schrie Antonio in der Küche, er hatte den Sizilianer in sich entdeckt, den er gar nicht hatte. Er hatte in seiner Militärzeit vor drei Jahrzehnten eine Waffe in der Hand gehalten und diese war keine Pistole, sondern ein Gewehr. Und die Schießübungen verliefen mit mäßigem Erfolg. Aber darauf kam es den Ausbildern auch nicht wirklich an. Drill und Disziplin, alles andere war gleichgültig. Die Rekruten sollten einfach nur gehorchen. Mehr war zunächst nicht erforderlich. Und manch einem Ausbildungsfeldwebel machte es Spaß, die jungen unerfahrenen Männer in Bedrängnis zu sehen. Sie sollten „richtige Männer“ werden, was das auch sein sollte. Antonio jedenfalls war Antonio geworden, hatte seine Jugendliebe kurz nach der Militärzeit geheiratet und war Vater von zwei Töchtern. Wie einige seiner Freunde wollte er sein Glück für ein paar Jahre in Deutschland versuchen, vermisste dann aber seine Familie so sehr, dass er sie nachziehen ließ und mit seinem in der Fabrik verdienten und erparten Geld sich das Restaurant gönnte und damit einen kleinen Traum erfüllte. Er war aber dann zu der Meinung gelangt, dass Deutschland seinen Töchtern gar nicht gut bekam. All diese Freizügigkeit, die Medien, die Schule, die Filme, die Diskotheken. Diese alten Hippies, die nun Lehrer geworden waren! Seine Frau schüttelte über Antonios Ansichten häufiger mal den Kopf. Ihr Mann verschätzte sich um eine ganze Generation. Aber seine Ansichten bedurften keines fundierten Wissens. Er hatte seine Urteile, Ansichten und Meinungen und basta! Ana Maria (Anita) Garibaldi war nicht ohne Sorge um ihre Töchter, aber ihre Sorge drückte sich anders aus.

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