EIn junges Mädchen im Alleingang und die Mutter ebenfalls und vom sinnlosen Gebrüll eines wütenden Vaters: SOKRATES Folge 366:

Uri Bülbül
Sie tobte jedenfalls nicht in der Küche ihres Restaurants herum und stieß Flüche und leere Morddrohungen aus, sondern war voller Fragezeichen. Was hatte sie übersehen als Mutter? Was hatte sie falsch gemacht? Was bewegte Maria zu diesem seltsamen Schritt? Wer war dieser Mann, an den sie sich so unvermittelt hing und mit ihm davonzog? Hier lag der Fall doch deutlich anders als bei Emilia, das war Marias Mutter Ana Maria (Anita) Garibaldi, der Frau des Restaurantbesitzers Antonio Garibaldi im Gegensatz zu ihrem Mann klar. Sie wusste auch, wen sie um Hilfe bitten wollte. Sie musste jetzt einen klaren Gedanken fassen. «Tonio! Halt endlich die Klappe!» schrie sie ihren tobenden Mann an. «Ich muss kurz nachdenken! Von deinem Gebrüll bekomme ich nur Kopfschmerzen, sonst gar nichts!» Oh, oh, oh! Das Gebrüll blieb dem tobenden Mann im Halse stecken. Das war offensichtlich nicht sein Tag heute! Die Weiber rebellierten alle. Es konnte am Mond liegen oder an sonst etwas! Aber das war jetzt nicht wichtig. Mit weit aufgerissenen Augen und aufgeblasenen Backen starrte er fassungslos seine Frau an. «Also Maria, ich weiß gar nicht, was Sie von mir wollen!» «Nicht so frömlich, Nick! Lass uns doch einfach beim Du bleiben. Wie zwei Freunde und Kollegen auf Augenhöhe.» Er sah ihr in die Augen: «Genau. Sie haben das Problem ausgesprochen: es liegt in dem Wörtchen „wie“. Wir können so tun „wie“ Freunde oder Kollegen, sind es aber nicht! Und ich weiß nicht, was Sie von mir wollen.» «Ich sagte es bereits, ich will ein Praktikum bei dir machen und will von dir lernen!» erwiderte sie, ohne von ihrer Anrede abzurücken. Niklas stöhnte auf. «Ich nehme keine Praktikanten. Bei mir kann niemand ein Praktikum machen, und es gibt auch nichts zu lernen!» Sie hielt seinem Blick nicht nur stand, ihre Augen strahlten Wärme aus, die ihn zu erweichen drohten. Umso härter aber blieb ihr Standpunkt: «Lass, das lieber ruhig mal meine Sorge sein. Ich weiß, dass ich bei dir etwas lernen kann und werde dies auch in Anspruch nehmen. Wovor hast du eigentlich so panische Angst? Fürchtest du dich, in mich zu verlieben?» Er schüttelte Wut schnaubend den Kopf. «Kannst du ruhig. Ich bin schon groß und erwachsen, volljährig, also mach dir mal keine Sorgen. Außerdem weiß ich mich meiner Haut schon zu erwehren, wenn ich will.» Sie hatte das warm und unaufgeregt gesprochen, nicht kalt, nicht abweisend, nicht aggressiv, ohne jede Sorge. Sie strich ihm mit der Spitze ihres Zeigefingers über die Nase: «Aber vielleicht wehre ich mich auch gar nicht!» Aber so schnell war Niklas auch nicht in Verlegenheit zu bringen. «Wenn du bei mir ein Praktikum machen willst, brauche ich eine Kopie deines Lichtbildausweises, deine Daten und Adresse schriftlich. Ebenso brauche ich deinen Wunsch nach einem Praktikumsplatz schriftlich und was du dir von diesem Praktikum versprichst.» Sie lächelte. Und er bemerkte, dass er verloren hatte. Diese Runde ging an Maria.

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Rúna Zindler@runalisasteff
Simon Arvid Jönsson@simonjnson