Im Jahre des Herrn 2018 anno domini am 1. Juni ereignete sich in SOKRATES, dem kafkASKen Fortsetzungsroman Folgendes - Folge 370:

Uri Bülbül
Der Kommissar hatte eine zutiefst besorgte Mutter vor sich. Er sah sie hilfsbereit und aufmerksam an. «Wer ist dieser Mann, mit dem Maria gegangen ist? Was macht er und in was wird meine Maria hineingezogen?» «Ich verstehe Ihre Sorge, Anita», erwiderte Hoffmann. «Warum Maria mit Hardenberg mitgegangen ist, kann ich Ihnen auch nicht sagen. Aber wenn es Sie wenigstens etwas beruhigt: Hardenberg gehört nicht zum Rotlichtmilieu und hat auch nichts mit Drogen zu tun.» Nein, er konnte genau sehen, dass Anita Garibaldi davon nicht im Geringsten beruhigt war. Ganz im Gegenteil schienen die Worte des Kommissars Schmerz und Sorge zu vergrößern. Hoffmann kannte auch den Grund: «Haben Sie von Emilia nichts mehr gehört?» erkundigte er sich nach der drei Jahre älteren Tochter der Garibaldis. Es war nun fünf Jahre her, dass Emilia von zuhause abgehauen war. Sie hatte nur einen kurzen Brief hinterlassen, der nur an ihre Mutter gerichtet war: «Liebe Mama, mach dir bitte keine Sorgen um mich. Ich muss hier raus! Ich muss mal etwas anderes von der Welt sehen. Werde mich bald wieder melden. Bitte suche mich nicht. Grüße auch Papa, er soll sich bitte nicht ärgern. Und umarme für mich Maria. Emilia.» Der Brief war polizeilich aktenkundig geworden. Und nun machte sie die zweite Tochter womöglich auf und davon. Aber in der Tat war die Frage auch für Julius Hoffmann nicht ganz uninteressant: warum ausgerechnet mit Niklas Hardenberg? «Kennen Sie diesen Mann, Herr Kommissar?», fragte Anita Garibaldi. Vielleicht konnte dieses Mal seine Antwort die besorgte Mutter etwas beruhigen: «Ja, ein wenig. Er arbeitet für einen Anwalt, mit dem ich ab und an beruflich auch zu tun habe.» Aber die Wirkung war mitnichten die erhoffte: «Oh Gott! Oh Gott!» rief Anita Garibaldi und schlug die Hände über dem Kopf zusammen, was in seinen Augen einwenig zu theatralisch wirkte. In diesem Moment klingelte sein Handy: «Entschuldigen Sie, ist dienstlich», erklärte er sich, bevor er den Anruf seines Assistenten annahm: «Chef, es ist sehr dringend. Leichenfund in der Villa des Doctor Parranoia. Bitte kommen Sie schnellstens dorthin. Sie werden es nicht glauben können!» Hoffmann wollte das Gespräch kurz halten: «Ja, gut. Ich komme. Sind Sie schon vor Ort, Oberländer?»
«Wo ist eigentlich Arthur? Ist er noch immer nicht wieder aufgetaucht? Immer wenn man ihn dringend braucht, ist er nicht da!» Katja Hardenberg fiel es sehr schwer, sich zu beherrschen. Der Referatsleiter der Internen Angelegenheiten der Polizei schwieg. Er war nur der Überbringer der schlechten Nachricht und wollte dafür nicht den Kopf mehr als nötig hinhalten. «Und der Minister hat sofort entschieden?» fragte Katja Hardenberg, als könnte sie nun endlich wieder eine andere und weitaus angenehmere Antwort erwarten. Ihr Gegenüber nickte kurz. «Warum wurde ich nicht zuerst informiert? Und warum wurde ich nicht in die Entscheidung einbezogen?» Diese Fragen mochten ihre Berechtigung haben, aber sie gingen in diesem Moment an den Falschen.

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Else's (っ◕‿◕)っ@Erwachsenenstammtisch