Okay, der Zeitpunkt, um für immer jung zu bleiben, ist verpasst, wenn er je existiert hat. Aber das ist kein Grund, den SOKRATES-Roman sträflich zu vernachlässigen. Wo, bitte schön, geht es ins Paradies? Oder in die Paranoia? SOKRATES - Folge 373:

Uri Bülbül
Aber das war zu formalistisch und dahinter konnte er sich nicht wirklich und erst recht nicht lange verstecken. Katja Hardenberg ging in die Offensive: «Es war ja auch eine tolle Empfehlung. Kein Zweifel, ich stehe voll hinter dir und bin in der Sache bei dir.» Er wartete auf das Aber. «Der ganze Themenkomplex wuchert wie ein Krebsgeschwür», sagte sie statt dessen, «Es verschwinden Leute spurlos, die auf dem Weg ins Sanatorium waren. Sie verunglücken auf dem Weg dorthin in dem Wald und was dort in der Villa selbst geschieht, ist auch alles andere als durchsichtig. Doctor Parranoia in seiner eigenen Welt, auf seinem eigenen Profil: Er nennt sich den „Ergründer des Wahnsinns, ein vertrauenswürdiger Therapeut. Doctor Parranoia mein Name.“ Wenn ich seine Profilbeschreibung mal zitieren darf. Er hat mit unserem Sanatorium nichts zu tun haben wollen. Wir haben ihn sogar versucht zu provozieren. Unser V-Mann schrieb ihm: „Sie brauchen eher einen ordentlichen Widersacher, woran Sie sich schulen und wachsen können, wenn Sie mal dazu nur nicht zu feige wären ;) https://ask.fm/DoctorParranoia/answers/141497618497 Ich bin allerdings kein „Patient“ im wahrsten Sinne des Wortes, denn mir fehlt die Geduld für Ihren Unfug ^^“ Keine Reaktion darauf. Der Mann ist standhaft und verweigert jede Kollaboration.»* «Kooperation», korrigierte sie der Minister. Er war mindestens so gut informiert wie seine Staatssekretärin und das konnte er ihr beweisen: «Sein „deeskalierter Wahnsinn“ ist schon kein schlechter Ansatz, aber was in unserer Villa nun passiert ist, geht auf keine Kuhhaut. Da habe ich schnell gehandelt.» Katja Hardenberg nickte ernst und zustimmend: «Was für ein Schock; die Leiche der Rechtsanwältin Ayleen Heersold im Gartenhaus...» «Wenn das mal alles wäre!», unterbrach sie der Minister.
«Wie kann man eine Paranoia an sich selbst erkennen?», fragte sich der Theaterphilosoph, schaute gedankenverloren auf seine Notizen und dachte: «Wenn ich diese Notizen in Stichwörtern in ganze Sätze umformuliere, werde ich sie in diesem Paradiesologiebuch wiederfinden!» Die Gleichsetzung von Erkenntnis und Analyse und Analyse und Zweifel, transitiv gedacht also: von Erkenntnis und Zweifel war seiner Meinung nach das Gift des Apfelbaums. Und in diesem Gedankengang stand auch das Wort „Kritik“, dieses schier magische Zauberwort der Aufklärung. Nein, das alles wollte er nicht in ganzen Sätzen formulieren. Er bemerkte eine Unruhe. Seine Frage müsste nun sein, um eine Brücke zu schlagen: bilde ich mir das nur ein? Oder existiert diese Unruhe außer mir tatsächlich? Kant hatte für dieses Unterscheidungsvermögen ein Fachwort, irgendwas mit "Focus", aber es fiel ihm nicht ein. «Eine schwache Leistung für einen Philosophen», dachte er gehässig über sich selbst. Aber er war ja auch bloß ein Theaterphilosoph. Und nun suchte er das Kriterium zwischen Einbildung der regen Phantasie und Paranoia! Er hörte Schritte im Flur.
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Graf Otto von Achtkant, und@FriedbertvonHohenlohe