Was bereust du?

Reue ist ein sehr schwieriges Thema und hat ethisch verschiedene Dimensionen: bereue ich etwas, weil ich die negativen Konsequenzen für mich nicht mag oder bereue ich etwas, womit ich anderen Leid zugefügt oder ihnen sonstwie geschadet habe?
Wenn das Bereuen allzu egoistisch ist, mag ich das nicht. Und wenn Reue nur aus Schuldgefühlen gegenüber anderen besteht, ist sie auch fragwürdig.
Reue müsste sich in Taten, Erkenntnissen und Korrekturen niederschlagen. Tätige Reue wäre wahre Reue.
Ich selbst bereue im Moment nichts und alles. Im Nachhinein bin ich schlauer und könnte so manches anders machen, aber eine tief empfundene Reue ist das nicht.
Ich werde in nächster Zeit an meinem Fortsetzungsroman SOKRATES weiterschreiben. Und ich sage hier nun ganz ohne Reue: an MEINEM, denn die Idee, eine Literaturproduktion als sozialen und kommunikativen Akt anzusehen und zu hoffen, dass man dadurch auch zu kollaborativen Synergien kommen kann, hat sich nicht wirklich bestätitgt.
Nach über 370 Folgen und einer fünfmonatigen Schaffenspause, die ich auch nicht bereue, komme ich an den Punkt, dass ich meiner Literatur selbst besser habhaft werden möchte und mich von den ask-Figuren mehr und mehr löse.
Vielleicht ist aber gerade das ein dialektischer Prozess, und vielleicht kommen dann gerade mehr auf mich zu. Und wenn nicht, ist es auch egal; denn mein Schreiben ist und bleibt in erster Linie für mich selbst relevant. Ich würde es sehr bereuen für andere zu schreiben.
Man muss ja mit den Dingen, die man tut oder lässt, erst einmal selbst zufrieden sein. Darauf muss ich mich besinnen.

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