Sagen wir, wie es ist, SOKRATES ist zum Leben erwacht - zumindest der Fortsetzungsroman. Warum er den Namen des berühmten und maßgeblichen Philosophen aus dem antiken Athen trägt, kann man vielleicht erraten; nein, es ist kein Werbegag! SOKRATES - Folge 381:

Uri Bülbül
Er hätte ja dann immer noch in der Villa auf seinem Zimmer sein können; aber dieser Kripobeamte mit seiner Hiobsbotschaft wäre verschwunden; aus diesem Traum erwacht, würde er sofort Ayleen anrufen, als hätte er das nicht schon mehrmals vergebens versucht. Aber dieses Mal wäre zuhause oder mobil ihre Stimme live zu hören und nicht verewigt auf dem Anrufbeantworter – Ayleenchen höchstpersönlich und quicklebendig! Oberländers Drohung bohrte sich durch diese Vision wie ein scharfes Messer durch eine Filmleinwand: «Und wenn Sie auch nur das Geringste damit zu tun haben sollten, dann… dann…» Uri Nachtigall beendete den Satz mit einem flehentlichen Ruf: «Ja, bitte, dann werde ich endlich verurteilt!» «Psychologen sind Durchschauer der Leere und Schwindler der Tiefe», soll Karl Kraus, ein kritischer Geist, Intellektueller und Schriftsteller einst gesagt haben. Karl Kraus‘ Aphorismen begeisterten einst eine Studienkollegin und gute Freundin des Theaterphilosophen. Sie liebte die Kritik, die Schärfe und war eine leidenschaftliche Kämpferin der Revolution auf dem Campus, bis sie plötzlich wie aus heiterem Himmel beschloss, ihren Magisterstudiengang zu verlassen und auf Staatsexamen umzuwechseln. Sie hatte Staatsexamen bis zu diesem Moment zutiefst verachtet. Sie wollte für die Revolution und das Leben studiert haben und nicht für den Staat und seine Bildungskasernen. Und dann der unerklärliche Wechsel des Weges – natürlich bei gleichbleibender Gesinnung in der Selbstwahrnehmung. Der Theaterphilosoph hatte das nicht begreifen können. Warum nur musste er jetzt, ausgerechnet jetzt daran denken. War die Tiefe an sich schon ein Schwindel? «Sie werden den Rest Ihres Lebens in der staatlichen Hölle schmoren», drohte der Hilfskommissar und schob der Drohung sofort eine Frage nach – ob das wohl eine geschickte Befragungstechnik war? «Kennen Sie Doktor Zodiac? Ein Doktor, der schon so heißt wie ein Massenmörder!» Der Theaterphilosoph begriff offensichtlich nichts: «Zodiac? Ist das nicht so etwas wie ein Sternzeichen oder eine kosmische Bahn?» Eine kosmische Bahn? Wollte dieser schräge Vogel ihn auf den Arm nehmen? Oberländer wurde wütend: «Jetzt passen Sie mal gut auf! Dr. Zodiac ist als Ihr Therapeut angegeben, und da möchten Sie ihn nicht kennen? Woran leiden Sie überhaupt? An Amnesie?» Kurz war der Theaterphilosoph drauf und dran, die Wahrheit zu sagen, einfach alles, zu erzählen, was ihm in den Sinn kam: Nein, „Amnesie“ konnte man das nicht nennen, woran er litt. Eigentlich litt er an gar nichts außer, dass ihn sein Idealismus erschlug, indem sein erträumter Sternenhimmel ihm auf den Kopf niederprasselte. Er konnte ja auch sagen, dass ihm diese gebrochene Nase zu schaffen machte und diese angebliche Verhaftung. Nein, das Wort „angeblich“ würde den Polizisten nur unnötig provozieren! Ja, er hatte auch vor seiner Verhaftung eine Menge Probleme gehabt. Aber na und? Hatten nicht alle Menschen irgendwelche Probleme? Deswegen kam man doch nicht ins Irrenhaus.