Bleiben wir doch bei der 4. Dimension und schieben die nächste Folge SOKRATES nach. Nur so kommt man weiter, wenn es denn ein „weiter“ in der 4. Dimension gibt. SOKRATES Folge 383:

Uri Bülbül
Das war für sie immer ein sehr ermunterndes und fröhliches Lebenszeichen. Und manchmal fühlte sie sich wie der Löwenzahn: sie würde ganz sicher nicht unter der schwarzen Decke, die auf ihr lastete, ersticken. Sie war auch eine hartnäckige Pflanze. Ja, mehr als das. Sie atmete tief durch, betrachtete die Bäume, das Farn, die Büsche, die Brennnesseln. Sie konnte sich bewegen, gehen, rennen, springen, tanzen. Sie begann zu laufen und zu springen. Es jubelte in ihr: das Leben war schön, ein schönes, ein wunderbares Geschenkt. Das wusste sie sehr zu schätzen, zumal sie die Schattenseiten kannte, die Finsternis, den Abgrund, die Tiefe des Todes. Das Vergessen, das Erlahmen, das langsam aus sich Heraustreten, als gehörte einem der eigene Körper nicht mehr. Im Moment aber waren Körper und Seele eins: sie atmete die frische Waldluft, spürte den leichten lauwarmen Wind, sie sprang hoch und schwang die Arme, sie spürte ihren Herzschlag, die ganze Schönheit des Lebens pulsierte in ihr. Aus der Ferne hinter ihr kamen klapprige blecherne Geräusche, das rhythmische Streifen von Eisen an Blech. Die Geräusche kamen näher, aber das interessierte Nadia nicht so sehr. Sie hörte einen Radfahrer auf einem klapprigen Fahrrad sich nähern. Gewiss würde er sie gleich überholen.
Der Schwester dauerte dieses Verhör oder Befragung oder wie man den Unsinn noch nennen wollte, schon viel zu lange. Länger wollte sie ihren Patienten, ja IHREN Patienten, denn als solchen betrachtete sie diesen etwas verwirrten Theaterphilosophen, nicht diesem Hilfskommissar und seinen wichtigtuerischen Allüren aussetzen. Schließlich hatte sie als Krankenschwester und diensthabende Pflegeleiterin eine Fürsorgepflicht. Und genau diesem kam sie nach – sehr gerne kam sie diesem sogar nach. Exakt in der Erfüllung ihrer Pflichten schickte sie schon den brutalen Bullen dahin, wo der Pfeffer wächst. Und sie überlegte, ob sie an den Medikamentenschrank gehen und eine ordentliche Dosis Betäubungsmittel in ihre Spritze aufziehen sollte. Der Hilfskommissar konnte der nächste Reisekandidat sein. Dabei störte es sie herzlich wenig, dass es draußen im Garten von Polizisten nur so wimmelte. Sie alle störten Schwester Maja nicht. Sie konnten draußen ihre Spuren sichern, so viel sie wollten, aber sich an ihren Patienten vergreifen, durften sie nicht. Und zweifellos war dieses Verhör von einem aufgeblasenen Assistenten durchgeführt einfach nur übergriffig. Dem galt es nun Einhalt zu gebieten.
Julius Hoffmann hatte sich höflich und bestimmt von Anita Garibaldi verabschiedet. Er wollte keinesfalls desinteressiert und gleichgültig wirken. «Ich werde mich um Maria kümmern», versprach er ihr. «Ich kenne Hardenberg und werde ihn aufsuchen und herausbekommen, was Maria und er miteinander zu tun haben. Nun aber werde ich zum Einsatz gerufen und ich verbinde diesen damit, mich um Maria zu kümmern.» Er legte seine Hand beruhigend auf ihren Unterarm. «Verlassen Sie sich auf mich. Ich melde mich bei Ihnen.»

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