Auf dem Spaziergang in die 4. Dimension taucht vor Nadia die Frage auf: Wer oder was ist Leviathan? SOKRATES Folge 384:

Uri Bülbül
Kommissar Hoffmann ahnte nicht, wie rechtzeitig er am Tatort eintraf und sofort zwei Fragen hatte: 1. Wo ist Oberländer? Und 2. Ist der Fundort auch tatsächlich der Tatort? Er stand am Rand des Gartens, hinter ihm der Parkplatz an der Villa und vor ihm der Garten, und er streckte die Nase schnuppernd wie ein Hund in die Luft. Er konnte Ayleens Verwesungsgeruch bis hierher riechen – gute zweihundert Meter. Oberländer hatte angeordnet, dass der mutmaßliche Täter nicht abgeführt werden durfte, bis der Hauptkommissar ihn gesehen hatte und den Transport ins Präsidium selbst anordnete. Hoffmann fragte nicht nach dem Grund, das würde sich ihm sehr bald offenbaren. Ihn beunruhigte, dass er seinen Assistenten nicht sofort antraf. Also zückte er sein Handy und drückte die entsprechende Kurzwahltaste. «Woran leiden Sie? Los! Sagen Sie schon! Warum sind Sie hier?» Wie in Trance saß der Theaterphilosoph vor Markus Oberländer, der langsam seine Wut in Aggression steigern ließ. Er hatte den Drang, diesen Kerl zu packen und zu schütteln. Er ahnte nicht, dass Schwester Maja schon vor der Tür stand und lauschte. Wo steckte nur Dr. Zodiac? Auf Schwester Majas Nachrichten hatte er nicht reagiert. «Wenn man ihn mal dringend braucht, ist er nicht da», dachte sie. Sie war bereit, ihren Patienten zu verteidigen und auch diesen übergriffigen Hilfskommissar auf die Reise zu schicken. Sie hatte aus dem Medikamentenschrank eine Spritze herausgeholt, die sterile Verpackung aufgerissen, Nadel aufgesteckt und ein kleines Fläschchen mit dem Betäubungsmittel geköpft und aufgezogen. Sie überlegte noch kurz, worauf der Mann überhaupt hinaus wollte? Was suchte er? Wonach ermittelte er? Sie hatte den Eindruck, dass er blind im Dunkeln herumstocherte. Also war es schon höchste Zeit, ihn auch in diese Dunkelheit zu schicken, damit er seinen Zustand vielleicht begriff! Sie wollte ihn alsbald „versandfertig“ gemacht haben und nicht untätig zusehen, wie die Katastrophe ihren Lauf nahm. Zeit für den debilen Hilfskommissar zu gehen! Eine echte Chance für den Dummkopf, dachte Schwester Maja innerlich grinsend. Da hörte sie das Klingeln eines Handys im Zimmer. Der Kriminalassistent wurde angerufen.
Die Kette streifte am Schutzblech. Aber das war es nicht, was Nadia veranlasste, sich umzudrehen. Der Radfahrer hatte sein Tempo verändert. Ein freundlich lächelnder Mann um die Dreißig war auf einem alten Fahrrad bis auf wenige Meter hinter Nadia. Als ihre Blicke sich begegneten, blieb er stehen und stieg vom Rad. «Ist das eine Zeitmaschine, auf der Sie da radeln, mein Herr?» fragte Nadia schmunzelt den Mann, der in einem Anzug auf einem mindestens zweihundert Jahre alten Fahrrad fuhr. «Wünsche Ihnen eine schöne Reise, Madame», sagte der Mann. Der französische Akzent verwandelte seine Stimme in einen sanften Gesang. «Reise?» fragte Nadia nicht ohne Verwunderung. «Es ist doch eher ein Spaziergang», erwiderte sie. Da funkelten seine Augen vor Freude: «Oh wie schön, dass Sie das so sehen!»

The answer hasn’t got any rewards yet.