Zum 10. Todestag meines Vaters am 02. August habe ich beschlossen, ihm die 400. Folge des SOKRATES-Romans zu widmen und ihn in den Roman einzuführen. Leider bin ich noch von dieser Folge weit entfernt. SOKRATES Folge 390:

Uri Bülbül
Robert raste mit der Souveränität eines Rallyfahrers und hatte den schleudernden und schlenkernden Wagen unter Kontrolle, hatte aber nicht gesehen, was am Waldrand war. Didi Winkelmann drehte den Kopf um, aber sie waren zu schnell daran vorbei gefahren. «Was ist denn?» fragte sein Freund und Kollege. «Ach nichts.» «Dafür, dass es nichts war, hat es dich ganz schön interessiert! Seit wann interessierst du dich so sehr für das Nichts?» Dietmar Winkelmann war angenehm überrascht über Robert: «Hey, hast du auch recherchiert?» Robert wollte sich nicht mehr scherzhaft verstellen. Er nickte schweigend, ohne seinen Blick vom Schotterweg zu lassen. «Dieser Hardenberg hält komische Vorlesungen an der Uni», sprach Dietmar Winkelmann aus, was sie beide unabhängig voneinander und unabgesprochen in ihrer Freizeit herausbekommen hatten. «Wir beide werden diesen Hardenberg auf jeden Fall nicht aus den Augen lassen», sagte Kruse. Winkelmann musste grinsen: «Ja, ja, wir beiden Hobby- und Freizeitdetektive!» Der Streifenwagen erreichte die Villa; wurde langsamer. Kurz suchte der Fahrer Orientierung und dann wurde hinter der Villa geparkt. Kruse und Winkelmann konnten sehen, wie der Leichenwagen abfuhr. Wären sie etwas später gekommen, hätten sie ihm auf dem schmalen Schotterweg begegnen können. Bei der Geschwindigkeit, mit der sie fuhren… nicht auszumalen, was alles hätte passieren können. Aber die beiden Wachtmeister waren auch nicht die Typen, die sich großartig viel ausmalten, wovon ihnen dann Angst und Bange wurde. Ihre Mützen aufsetzend und ihre Waffengurte zurechtrückend schlenderten sie über den Parkplatz. Sie hielten sich von den anderen Kollegen etwas fern und taten so, als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt, dass sie mit von der Partie waren. Wer sollte denn schon so genau wissen, wer zum Einsatz gehörte und wer nicht? Sie waren alle Polizisten.
«Wir wissen nicht genau, ob der Nekrophile auch tatsächlich der Mörder ist. Wir müssen herausbekommen, ob die Rechtsanwältin in dem Gartenhäuschen umgebracht wurde oder anderswo.» Oberländer hörte seinem Chef aufmerksam zu und schnell zog er seine voreiligen Schlüsse: «Ihr Mandant Uri Nachtigall ist im Sanatorium. Ich habe ihn befragt, er mimt den Unwissenden. Wenn nicht der perverse Gärtner sie getötet hat, dann kommt er auch als Täter in Frage.» Sie saßen im Speisesaal des Sanatoriums; Fritzi starrte an die Decke, er hatte schon drei Gläschen Jägermeister intus. „Tatort“, „Fundort“, „Tatverdacht“, „Spusi“, „Haftbefehl“ - in seinem Kopf der keuchende und stöhnende Irre und als er ihn niedergeschlagen hatte und er von der Toten fiel, die leeren fürchterlichen Augenhöhlen und der aufgerissene Mund ohne Schrei, ohne Atem und doch stinkend. Wie er die Polizei angerufen hatte, wusste er schon nicht mehr. Er war in einem schlechten Film, in einem Alptraum mit Erinnerungslücken und Zeitsprüngen. «Sie überlassen Nachtigall mir!», befahl der Chef.

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