Das neue Jahr ist kaum eine Stunde alt; die Vorsätze längst gefasst, die dritte Dekade des 21. Jahrhunderts kann beginnen. Waum nicht mit SOKRATES Folge 398:

Uri Bülbül
Kruse und Winkelmann machten sich auf den Weg. Der Auftrag war so klar wie undurchsichtig. «Auch wenn der Mann pervers sein mag und auch der Tat verdächtig, ... möchte ich, dass er ein sicheres Geleit ins Präsidium hat. Ich vertraue nicht allen Kollegen und möchte, dass ihr beiden mit im Polizeibus sitzt.» Was war das denn? Didi hatte es auf den Punkt gebracht: «Sie bezichtigen die Kollegen der Selbstjustiz, Herr Hauptkommissar?» Natürlich ließ das Robert auch keine Ruhe. Wusste der Hauptkommissar etwas, was die beiden Streifenpolizisten nicht wussten, aber doch besser wissen sollten? Oder vielleicht doch besser nicht wissen sollten? Auf dem Weg zum Parkplatz hinter der Villa blieben sie stehen - der eine wie der andere - völlig unabgesprochen und spontan, gleichzeitig, nicht weil der eine vor dem anderen stehen blieb. Didi sprach zuerst: «Hä?» Nun ja, eine rhetorische Glanzleistung mochte anders aussehen, aber besser hätte er das Staunen nicht zum Ausdrucken bringen können. «Das heißt nicht „hä“! Und „bezichtigen“ ist in diesem Fall auch nicht richtig. Es ist ein Unterschied, ob man jemanden einer Sache „bezichtigt“ oder verdächtigt!» Dietmar Winkelmann konnte sich das Grinsen über seinen Freund nicht ganz verkneifen. «Schlau daher geredet. Aber eine dicke Ahnung hast du auch nicht. „bezichtigen“, „verdächtigen“ - was soll der Quatsch? Wir kommen jetzt beim Bus an und der Typ ist verschwunden oder der Bus mit dem Verdächtigen im wahrsten Sinne des Wortes abgefahren. Und an wem bleibt das hängen? An UNS! Wir hätten besser aufpassen müssen und schnell am Bus sein usw.» «Wenn jemand aus dem Fenster springt und verschwindet, kann ja auch ein Polizeibus mit einem Verdächtigen darin verschwinden, meinst du?» fragte Robert. «Ja, und du schreibst wieder den Bericht und schreibst: der Polizeibus war einfach verschwunden, als wir auf den Parkplatz kamen! Bei dir verschwinden die Sachen und Menschen einfach. Was soll man machen?» Robert dachte laut nach: «Aber noch mal ganz im Ernst: „Was für einen Streich?“ das wäre meine Frage gewesen. Was aber antwortete dieser Hardenberg? „sind wir nicht aus dem Alter raus?“ Etwas stimmt mit diesem Typen nicht! Und dämmert's? Hardenberg war nicht überrascht, die Polizei an seiner Tür zu haben. Er mimte zwar den Unwissenden, aber er war nicht überrascht. Ich werde zu diesem Hardenberg mal den Hauptkommissar Hoffmann befragen», nahm sich Robert Kruse vor. Didi lachte laut auf: «Hättest du gerade machen können. Herr Kommissar, die Sache mit dem Transport geht klar, aber ich habe da noch eine Frage...» Didi konnte nicht mehr aufhören zu lachen. «Sag mal, bist du völlig Irre! Hör auf zu lachen!» schimpfte Robert. «Ja, ja, schon gut!» prustete Winkelmann und konnte es doch nicht lassen. «Eigentlich ist ein ermittelnder Kriminalkommissar an dir verloren gegangen.» «Ja», sagte Robert, «ja, ganz genau, und du bist mein Oberländer!» Das Lachen verschwand aus Didis Gesicht. Dafür musste nun Robert umso mehr lachen.