Obwohl ich @Maulwurfkuchen versprochen habe, dass er in der Folge 401 meinem Vater, dem Landvermesser Bülbül, begegnet muss es in der 401. Folge anders kommen. Zu seltsam sind die Dinge, die sich im Polizeitransporter ereignen. Traum und Wirklichkeit: SOKRATES Folge 401:

Uri Bülbül
Der Polizeibus hatte den Waldrand erreicht und blieb stehen. Kurz überzeugte sich der Fahrer, ob die Straße frei war, um dann links auf die Landstraße aufzufahren. In kaum einer Viertelstunde würden sie das Polizeipräsidium erreicht haben. Die Stimmung im Bus war entspannt; die beiden Wachtmeister, auf die Kruse und Winkelmann ein Auge haben sollten, dämmerten vor sich hin und drohten einzunicken. So sahen keine Männer aus, die Selbstjustiz verüben wollten, es sei denn, sie wollten ihre Kollegen in Schlaf lullen. Aber beide waren weit davon entfernt einzudämmern und trotzdem passierte etwas, was nicht nur ihr Blut in den Adern gefrieren, sondern sie sich auch ernsthaft fragen ließ, ob sie nicht doch träumten. Sie trauten ihren Augen nicht. Sie starrten den Häftling an, sie schauten einander dann an, ob sie sicher sein konnten, dass auch der andere dasselbe sah. Aber nein, leider konnten sie das nicht. Jeder sah den anderen schlummernd. Und jeder dachte, das ist ein Traum; aber genau das durfte, konnte nicht sein. Sie waren im Dienst, hatten einen Auftrag, wofür sie vom Hauptkommissar Hoffmann extra aus ihrer Freizeit in den Dienst beordert wurden. Und nun sahen sie einander an und jeder sah den anderen schlafen. Der Häftling aber schwebte fast eine Lineallänge über dem Sitz als gäbe es für ihn keine Schwerkraft. Winkelmann und Kruse warfen einen unsicheren Blick auf ihre beiden anderen Kollegen. Auch sie waren in Schlaf versunken. Winkelmann stieß mit dem Ellbogen seinen Partner: «Hey, Robert!» Robert schmatzte im Schlaf. Nur konnte man dasselbe auch von Robert Kruse erzählen, der fassungslos seinen Partner und Kollegen Dietmar Winkelmann vergebens in die Rippen stieß. Er beschloss den Häftling nicht aus den Augen zu lassen. Dieser schaute gleichgültig, als gäbe es nichts Besonderes, vor sich hin. Eine Gleichgültigkeit, die unfassbar war angesichts der Tat, bei der er in flagranti ertappt worden war! Friedhelm Förster hatte sie mit eigenen Augen gesehen. Was aber bedeutete es schon, etwas mit eigenen Augen zu sehen? Kruse sah im Moment auch etwas Unfassbares mit eigenen Augen, während seine Kollegen wie betäubt in Schlaf gefallen waren. Rufus schwebte fast 30 cm über seinem Sitz – seine Hände in Handschellen auf dem Schoß, er in Sitzhaltung, den scharfen und schier bösen Blick des Wachtmeisters Kruse ignorierend. Vielleicht bin ich ja derjenige, der eingeschlafen ist, dachte Kruse, und meine Kollegen passen auf den Häftling auf. Wie peinlich! Hatte sich der Hauptkommissar nicht gerade an Dietmar und ihn gewandt, weil sie als ein äußerst zuverlässiges und vertrauenswürdiges Team galten? Und nun war Robert während der Fahrt eingeschlafen und träumte, seine Kollegen würden schlafen und nicht sehen, was er an Unglaublichem zu sehen bekam: der Häftling schwebte schwerelos über seinem Sitz! Sein Sicherheitsgurt hatte sich gelöst. Er selbst konnte das in Handschellen nicht getan haben. Was für ein Traum! sagte sich Robert Kruse wie im Traum.