Wie ist das Verhältnis zwischen Aktion und Reproduktion im Hardenberg-Projekt?

Bei deiner Frage denke ich an das Verhältnis zwischen Dokumentation und Fiktion im Hardenberg-Projekt, in dem ja die freie Kulturszene der Ruhrregion erforscht werden soll. Wären diese Forschungsschritte für dich Aktion, da ja Kulturorte aufgesucht und Menschen, die an diesen Orten wirken, interviewt werden sollen? Und wäre es Reproduktion, wenn fiktive Geschichten erzählt werden? Was genau wird dann reproduziert? Gewiss reproduziere ich in meinen essayistischen Erzählungen auch die Gedanken und Ideen anderer Menschen. Aber diese Erzählungen sind keine Referate, die fremde Inhalte, so gut es geht, zusammenfassen. Ein solches Referat wäre eine Reproduktion, die fiktionale Erzählung aber nicht. Ich würde lieber vom Verhältnis zwischen Dokumentation und Fiktion sprechen. Da es um die freie Kulturszene im Ruhrgebiet geht, werden Initiativen und Kulturstätten vorgestellt, die nicht fiktiv sind. Das ist der faktische Anteil, der zur Dokumentation wird. Der fiktionale Anteil ist, dass Niklas Hardenberg immer dabei ist und sich die Orte unter dem Gesichtspunkt anschaut, ob er sich dort niederlassen möchte. Der Ausgangspunkt der Serie ist das Foyer des Katakomben-Theaters. Kuratiert von der Malerin Eirini Bratti sind dort bis Ende März Exponate aus der sogenannten Kowald-Sammlung zu sehen. Peter Kowald, ein Kontrabassist für frei improvisierte Musik und eine Jazz-Größe, hat bei vielen Vernissagen und Ausstellungen gespielt und oft statt eines Honorares Bilder erhalten, die er gesammelt hat. Mittlerweile sind einige dieser Künstlerinnen und Künstler recht bekannt oder gar berühmt geworden. Eirini Bratti, die eine Zeitlang seine Frau war, hat die Sammlung in ihrem Besitz und stellt nun Teile daraus im Katakomben-Foyer aus. Peter Kowalds Grundthema die Freiheit des Menschen und seiner Künste, war und bleibt ein Thema für alle Kunst- und Kulturschaffenden der sogenannten freien Kulturszene. Ein idealer Ort, an dem das Hardenberg-Projekt starten kann. Ein Kollege aus dem Theaterumfeld, der Videofilme produziert und auf der Düsseldorfer Kunstakademie Film studiert hat, war von der Idee des Hardenberg-Projektes so angetan, dass er sich gerne daran filmisch beteiligen würde. Der erste Film mit einem 6-Minuten Teaser entstand auf meinen Wunsch hin; nun haben wir aber in dem Teaser für uns ein Format entdeckt, das wir gerne projektbegleitend weiterführen würden. Es bleibt bei der Anzahl der 40 literarischen Folgen, aber so viele Kurzfilme werden wir natürlich nicht drehen können. Wir haben uns auf die magische Zahl von 12 Kurzfilmen und 40 literarischen Folgen geeinigt. Mit dem zweiten Film und der zweiten literarischen Folge rückt das Katakomben-Foyer in den Mittelpunkt, worin ich einen deutlichen dokumentarischen Anteil sehe. Wenn wir das Foyer in einer oder zwei Folgen behandelt haben, widme ich mich literarisch einer Theatermacherin mit ihrer Gruppe, die schon selber Videoankündigungen produziert hat, auf die ich lediglich zu verweisen brauche.