Kannst du dir vorstellen mit Niklas die Plätze zu tauschen? Könntest du dich dadurch des Schicksals der Sheherezade besser annehmen?

Oh bei dieser Frage juckt es den Fiktionstheoretiker in mir in den Fingern *-* Eine fiktive Figur will in die Welt des Autors und bemächtigt sich hierfür seiner. Dieses Plotmotiv ist nicht neu und auch nicht originell. Mittlerweile ist es sogar schon aus der Mode, kann man sagen. Da ich mich aber weder um Originalität noch um Mode schere, liegt der gewisse Reiz darin, dass ich mir als Autor Spielräume eröffne. Der fiktive Hardenberg hat alle mir erdenklichen Freiräume. Das ist aus der faktischen Werkstattwelt des Autors geplaudert. Gehen wir aber in die Geschichte hinein, in der es einen Niklas Hardenberg gibt, der in Kommunikation mit seinem Autor steht, bewegen wir uns in der Fiktion. Der eine Platz ist also der des Faktischen oder der Wirklichkeit und der andere Platz ist der der Fiktion. Zwischen diesen Polen kann sich ein Reigen der Gedanken entfalten. Wenn wir die Gedanken etwas verschachteln, können wir auch sagen, dass meine Fiktion Niklas Hardenberg im Vorhandensein der Geschichten und Bücher faktisch geworden ist. Wir können faktisch fragen: wer ist Niklas Hardenberg? Und wir können faktisch darauf antworten: Eine literarische Figur des Uri Bülbül. Das sind rationalistische Gedankenspielereien. Ein literarisches Gedankenspiel dagegen ist die Frage: was wäre, wenn Niklas Hardenberg aus der einen Entität in die andere wechseln wollte! Man kann metaphorisch auch sagen: die Plätze tauschen. Es geht aber in meiner Leitidee für das Hardenberg-Projekt überhaupt nicht um einen Tausch. Es geht um eine mehrschichtige Metaphorik. Niklas Hardenberg ist ein zum Zynismus neigender Großstadtintellektueller mit Metaphysikverlust. Ein Mann mit Sonnenallergie, wenn man es im platonischen Gleichnis ausdrücken will. Oder mit anderen Worten: ein Philip Marlowe der Philosophie. Er betreibt ein Büro für philosophische Recherchen: die Hardenberg-Investigationen. Ein befreundeter Anwalt unterstützt ihn finanziell, indem er Niklas für sich hier und da recherchieren lässt. Er schätzt seine Assoziationsfähigkeiten. Damit tauchen wir ein in die Fiktion im SOKRATES-Roman. Was aber ist mir am Hardenberg-Projekt wichtig? Ich möchte durch ein Prisma in die bunte Welt der freien Kulturszene schauen. Eine Lehensfigur aus der schwarzen Serie wird zu meinem Begleiter und Herausforderer. Dabei ist die spannende Frage: wieviel mehr Möglichkeiten, die Dinge zu sehen und zu deuten entstehen durch diesen Kunstgriff? Die gleiche Frage kann ich auch umgekehrt stellen: wieviel Möglichkeiten mehr entstehen, wenn ich Niklas begleitend den Fall 1002-Nacht zu lösen versuche. Wenn ich allein unterwegs wäre, egal in welcher Welt, ob faktual oder fiktional, ich wäre ich. Aber mit einer von mir ausgedachten Figur bin ich plötzlich nicht mehr allein – hier wie dort. Die Welt ist um eine Sichtweise reicher. Im Grunde muss das Hardenberg-Projekt unbedingt Sheherezades Schicksal klären. Gewiss könnte ich es allein nicht so gut wie mit Niklas Hardenberg.