Lassen wir doch Nadia und den Radfahrer aus der Vergangenheit alleine, kümmern wir uns mal nicht um Philomena und Alice in Casablanca und auch nicht um den brutalen Kommissar Ross im Hospital in Libreville - er ist gerettet. Das reicht. SOKRATES Folge 402: Der Geodäter

Uri Bülbül
Ein Mann in einer Arbeitslatzhose und einem Bauhelm auf dem Kopf kam aus dem Gebüsch, trug ein nicht mehr ganz sauberes und weißes, durchgeschwitztes Hemd und hatte ein dickes Holzstativ mit einem optischen Messgerät darauf geschultert. Er wirkte nicht unfreundlich, seine grünen Augen funkelten lebhaft und neugierig. Und neugierig war Basti nun auch. Sein erster Schreck legte sich schnell. Von dem Fremdling, der aus dem Gebüsch kam, den er noch nie zuvor hier oder sonstwo gesehen hatte, ging nichts Bedrohliches und Beängstigendes aus. Dafür aber ein seltsamer Geruch, eine Mischung aus Eisenstaub und Schweiß. Basti mochte diesen Geruch, der gar nicht in den Wald passte, nicht sehr. Der Mann schleppte eine Aura und eine Duftwolke von einer industriellen Baustelle, einer Fabrik oder einer Werkstatt mit sich. Zu seinem Duft, „Gestank“ wollte Basti es nicht nennen, das wäre zu unfreundlich dem Mann gegenüber und er hatte diese Unfreundlichkeit gewiss nicht verdient, passte aber seine Kleidung. Er trug auch schwarze Arbeitsschuhe mit Stahlkappen, um die Zehen zu schützen. Aber auch die Schuhe wirkten abgetragen und hatten Flecken. «Ich heiße Nuri, und du?», fragte er. Basti war noch halb in Gedanken, versuchte zu verstehen, woher dieser Mann kam und was er wohl im Hattinger Wald verloren hatte. Er hätte eigentlich schwören können, dass er alle kannte, die in den Hattinger Wald kamen und hier verweilten. Aber diesen Mann in der blassblauen Latzhose hatte er nie zuvor irgendwo gesehen. «Ich hätte ja mal in seinem Traum erscheinen können», ging es ihm durch den Kopf. Der Mann bemerkte Bastis Zögern und stellte das Stativ, ohne es aufzuklappen, mit der Spitze in die Erde rammend senkrecht auf den Boden, wobei er laut und demonstrativ stöhnte. «So, jetzt sag doch mal! Wer bist du denn?» «Ich bin Basti @Maulwurfkuchen», antwortete Basti schnell und deutete sofort auf das Gerät, was der Mann am Stativ festhielt. «Was ist das denn für ein Gerät? Was macht man damit?» «Was? Was ist @Maulwurfkuchen?», fragte der Mann laut und fand das wohl witzig, weil er sofort selber über seine Frage oder über den Namen, den er nicht richtig verstanden hatte, lachte. Aber dieses Lachen war nicht feindselig, hatte nichts Hämisches, Spöttisches, weshalb sich Basti nicht darüber ärgerte. «Maulwurfkuchen ist mein Lieblingskuchen, aber auch Blaubeerkuchen mag ich!» «Lecker, lecker! Kuchen ist immer gut!», sagte der Mann laut und schmatzend, wobei er auch mit der Zunge am Gaumen schnalzte. Aber er hatte über seine Schmatzerei Bastis Frage vergessen. Basti wartete kurz auf eine Antwort. Es kam nichts. Also hakte er noch einmal nach: «Was ist das?», indem er wieder auf das Holzstativ mit dem grau-beigen Gerät wies. Eine Filmkamera oder ein Fernrohr, um die Sterne zu beobachten, war das sicher nicht. «Das ist Theo», sagte der Mann. «Theo?» fragte Basti ratlos. Das Gerät hatte einen menschlichen Namen? Der Mann mit dem gelben Helm auf dem Kopf lachte.

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