Ein Geodäter, Theo und Guckl-Guckl und Google-Maps und Google-Earth. Kann ein muslimischer Landvermesser das Paradies vermessen? SOKRATES. Folge 403:

Uri Bülbül
«Maulwurfkuchen und Theo – das ist lustig!» rief der Mann in der blassblauen Latzhose. Vorne zwischen den Hosenträgern am Latz war ein kleines gelbes Firmenschildchen aufgenäht, aber die Schrift konnte man nicht mehr lesen, sie war verwaschen. Das Gelb aber erinnerte Basti an seine Bestellung der Legosteine bei Luisa. Für den Mann sah Basti etwas beunruhigt aus. Deshalb sprach er weiter und erklärte Basti näher, was es mit dem Theo auf sich hatte. «Theo ist die Abkürzung für Theodolit! Das ist ein Messgerät zur Vermessung der Erde. Man kann Landschaften vermessen und Landkarten zeichnen – maßstabsgetreu. Dann weiß man, wo alles ist und wieweit die Dinge voneinander entfernt sind usw.» «Bist du ein Landvermesser?» fragte Basti. Der Mann sah sich um, als würde er etwas suchen. «Ja, Landvermesser. Ein Geodät!», sagte er lachend, als könnte er sich selbst nicht ganz ernst nehmen, aber dabei fand er das Wort „Geodät“ einfach sehr lustig. «Man kann auch Geometer sagen», fügte er hinzu. «Geometer oder Geodät – ich kann auch Fotogrammetrie.» «Und was ist das?», fragte Basti. «Haha, jaaaa, Fotogrammetrie: du machst Luftbilder aus dem Flugzeug und diese Fotos wertest du zu Landkarten aus. Am besten ist es, wenn du Fotos aus der Luft und Vermessungen der Erde miteinander kombinieren kannst.» «Ist denn die Erde nicht schon komplett vermessen? Es gibt doch Google-Maps und Google-Earth – da braucht man doch den Theo nicht mehr!», sagte Basti. «Guckl?», fragte der Mann, «Was ist das: Guckl?» Jetzt musste Basti lachen, weil der Landvermesser „Google“ so falsch aussprach. Aber während er lachte, spürte er ein leichtes Unbehagen, das ihm eine andere Frage zu bereiten anfing: Wie hieß der Mann in der Latzhose und dem gelben Helm auf dem Kopf noch einmal? - Nuri? Das erinnerte doch zu sehr an Uri @Klugdiarrhoe! War das etwa nur ein Zufall? Basti fiel nun die große silberne Armbanduhr mit dem Metallarmband am braungebrannten Arm des Landvermessers auf, der Bastis Blick bemerkte und kopfschüttelnd auf seine Uhr sah: «Allah, Allah!», sagte er und hielt seine Uhr demonstrativ an sein Ohr. «Allah – Allah?» wiederholte Basti fragend: «Bist du ein muslimischer Landvermesser und vermisst du das Paradies?» «Das Paradies?», wiederholte nun der Landvermesser und fügte hinzu: «Guckl-Paradies?» Wieder musste Basti lachen: «Das heißt nicht „Guckl“! Das heißt „Google“» korrigierte er. Mit halb offenem Mund hatte der Landvermesser zugehört: «Hä, jaaaa – Guckl-Guckl», sagte er. Basti wurde etwas ungeduldig: «Nix Guckl-Guckl! Google!», insistierte er auf der richtigen Aussprache. Aber der Dialog war ihm auch schon ein bißchen zu blöd geworden – fast war es ihm egal, ob der Landvermesser „Guckl-Guckl“ oder „Google“ sagte. Er schien ja sowieso nicht zu wissen, was Google-Earth und Google-Maps waren. Er schien noch nie etwas davon gehört zu haben. Aber es könnte ja sehr lustig werden, im Traum dieses Menschen als Delphin aufzutauchen, dachte er sich.

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