Im Hattinger Wald ein Landvermesser und sonderbare Phänomene. Aber auch im Polizeipräsidium geht nicht alles mit rechten Dingen zu. SOKRATES Folge 404:

Uri Bülbül
«Was ist nun mit „Allah-Allah“?» fragte Basti den braungebrannten Mann mit dem schmutzigen Hemd und komischen Geruch aus einer Mischung von Metallstaub, Maschinenöl und Schweiß. «Du muslimischer Landvermesser und vermessen Paradies? Guckl-Guckl-Paradies?» Der Landvermesser winkte ab: «Ach was!» Dann umarmte er das Theodolit mit dem Stativ, um es ganz sicher zu halten, mit dem Linken Arm und klopfte mit dem Zeigefinger der rechten Hand auf die Glasscheibe seiner Armbanduhr: «Die Uhr spinnt! Kaputt!» Obwohl der Geruch des Mannes Basti abschreckte, näherte er sich ihm, weil er neugierig war zu sehen, ob seine Ahnung, was mit der Uhr nicht stimmte, richtig war. Als der Landvermesser Bastis Neugier bemerkte, streckte er ihm freudig grinsend, seinen Arm hin, ohne dabei die Umarmung seines Theos zu lösen: «Guck!» Basti sah seine Ahnung bestätigt: die Uhr lief rückwärts.
Der Polizeibus fuhr auf den Hinterhof des Polizeipräsidiums ein. Der Hof war durch eine schmale Durchfahrt mit einem Stahltor davor gut gesichert. Kameras bewachten sowohl den Einfahrtsbereich als auch den Hof. Das Tor wurde von der Pforte aus elektrisch per Knopfdruck geöffnet und wieder hinter dem einfahrenden Fahrzeug geschlossen. Fahrer und Beifahrer stiegen aus dem geparkten Bus, um ihren Kollegen im hinteren Teil die Tür von außen zu öffnen. Das diente zur Sicherheit beim Gefangenentransport. Was sie zu sehen bekamen, verschlug ihnen die Sprache und war schlichtweg unfassbar. Die vier Begleitbeamten hinten schliefen wie narkotisiert und der Gefangene war weg – verschwunden – in Luft aufgelöst! Der Fahrer, der die Hecktür geöffnet hatte, fand zuerst seine Fassung wieder und stieg sofort zu seinen Kollegen ein, um ihren Gesundheitszustand zu überprüfen. Da kamen die Beamten auch so allmählich zu sich und wurden wach. «Kollegen, wie konnte das passieren?», stammelte der Fahrer. Kruse und Winkelmann fluchten laut. Der Beifahrer gab mit dem Funkgerät Alarm und löste eine Fahndung aus, was nur auf geringe Begeisterung bei den anderen stieß. Aber es war schon zu spät. Ehe sie reagieren konnten, verbreitete sich die Nachricht über Polizeifunk. Oberländer traute seinen Ohren nicht: der Häftling beim Transport vom Sanatorium ins Polizeipräsidium aus dem Polizeibus entkommen. Gerade erreichte Oberländer die Landstraße und stoppte. Eins war klar: der Chef würde toben. Aber bevor Oberländer die schlechte Nachricht weitergab, überlegte er sich aufmerksam umsehend, dass der Gärtnergehilfe ja nicht weit gekommen sein konnte. «Ich muss aufmerksam sein, ich könnte ihn hier irgendwo finden», sagte er sich. Er sah sich um und fühlte sich in seinem stehenden Dienstwagen etwas unwohl und betätigte die Zentralverriegelung gegen das beunruhigende Gefühl, jeden Moment könnte die Hecktür aufgerissen werden und der Entlaufene zu ihm in den Wagen steigen, um ihm ein Messer an die Halsschlagader zu drücken.

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