Ein Blick auf https://www.onmeda.de/sexualitaet/nekrophilie-rechtliche-aspekte-2223-2.html musste genügen: «Jegliche Form der Leichenschändung, und somit auch die Nekrophilie, ist in Deutschland als Störung der Totenruhe nach § 168 des Strafgesetzbuchs (StGB) strafbar... SOKRATES Folge 405:

Uri Bülbül
Weit konnte der Entlaufene doch nicht sein, auch wenn weit und breit nichts und niemand zu sehen war. Die Landstraße und das Waldstück der Umgebung wirkten sehr vereinsamt. Oberländer biss sich angesichts der unheimlichen Stille um ihn herum auf die Unterlippe. Allein schon um ihr auszuweichen, musste er zu seinem Handy greifen und seinen Chef verständigen. Spürhunde mussten eingesetzt werden. Aber wie konnte er überhaupt aus dem Polizeibus entkommen? Hatten vielleicht doch die Kollegen ihre Finger mit im Spiel und hatten kurzerhand den perversen Lustmörder seiner gerechten Strafe selbst zugeführt - einer Strafe, die sowieso nicht juristisch möglich und existent war? Natürlich hatte der Kerl den Tod verdient, was denn sonst? Diensttreue als Polizist hin oder her, aber Rufus hatte eine junge Rechtsanwältin gekillt und sich tagelang sexuell an der Leiche vergangen! Man konnte doch ganz schnell im Internet die Rechtslage ergoogeln und sich die juristischen Aspekte der Angelegenheit anschauen. Ein Blick auf www.onmeda.de/sexualitaet/nekrophilie... musste genügen: «Jegliche Form der Leichenschändung, und somit auch die Nekrophilie, ist in Deutschland als Störung der Totenruhe nach § 168 des Strafgesetzbuchs (StGB) strafbar und kann mit Geldstrafen sowie mit Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren geahndet werden.»
Das reichte aber noch lange nicht. Denn es handelte sich ja in diesem Fall nicht nur darum, dass sich jemand an einer Leiche verging – Rufus war ja schließlich kein Friedhofsgärtner ! Sondern ein Lustmörder: er hatte einer schönen jungen Frau das Leben ausgelöscht, um sich sexuell ihrer zu bemächtigen! Natürlich hatte auch die Justiz dies auf dem Schirm: «Tötet jemand einen Menschen, um sich nach der Tat an der Leiche sexuell zu befriedigen, so kann die Tat gemäß § 211 StGB als Mord zur Befriedigung des Geschlechtstriebs mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft werden.»
Pah! Lebenslange Freiheitsstrafe – selbst wenn es einen anschließenden Sicherheitsgewahrsam gab! Ein Perverser sollte ausgelöscht werden – das dachte Oberländer. Und so wie er dachten noch viele Kolleginnen und Kollegen im Präsidum. Und manche dachten eben nicht nur, sie handelten auch! Sollte Oberländer es ihnen verübeln, dass sie mutiger waren als er, entschlossener und aktiver? Immer wieder blickte er in den Rückspiegel und schaute aus den Seitenfenstern, ob sich irgendetwas Verdächtiges im Wald bewegte. Unwillkürlich zuckte er zusammen, als sein Handy klingelte. Er stieß sogar einen leichten Schreckensschrei aus, wofür er sich vor sich selbst etwas schämte. Mit zittriger Hand nahm er den Anruf entgegen. «Oberländer, wo sind Sie?» Es war Kommissar Hoffmann. «Ich… ich bin hier, Herr Kommissar… also an der Kreuzung zur Landstraße, verlasse gerade den Hattinger Waldweg.» «Haben Sie dort etwas Verdächtiges bemerkt? Was sind Sie denn so komisch? Sie haben doch was, Oberländer?» Hoffmann zögerte nicht lange – sofort zur Sache und genau ins Schwarze der Seele – das war seine Art!