Hi, wie geht’s?

Sei auch du mir gegrüßt, unbekanntes, anonymes Wesen ;)
Ich habe in letzter Zeit eine Menge sehr schöner Fragen bekommen, auf die ich sehr gerne eingehen möchte. Unter anderem ist da eine Frage nach einem alten chinesischen Fluch: "Mögest du in interessanten Zeiten leben!" Auf meinen Fall bezogen könnte er auch lauten: Mögest du interessante Fragen bekommen! Und warum ist das ein Fluch? Wahrscheinlich, weil jeder Segen auch ein Fluch ist, weil alle Dinge von mindestens zwei Seiten betrachtet werden können, wie das Glas Wasser, von dem man nicht genau sagen kann, ob es halb voll oder halb leer ist. Wahnsinnig interessante Fragen verdeutlichen mir, dass ich vielzu wenig Zeit mir nehme, um ordentlich zu philosophieren und den Dingen auf den Grund zu gehen - ja, der Versuch, das Bestreben, ist schon da, aber die Realisation lässt zu wünschen übrig.
Apropos Realisation - meine heutige Realität sieht so aus, dass ich aufräume, entstaube, sortiere und aussortiere. Das ist für mich auch ein Fluch und Segen zugleich. Was sich alles auf meinem Schreibtisch findet und irgendwie in meine Gedankenwelt dringen wollte, ist eben alles, was aus der Welt kommt und mich beschäftigt hat oder beschäftigen wollte und dann als Staubfänger auf meinem Schreibtisch liegen geblieben ist. Das macht mich traurig und sentimental und ich frage mich, genüge ich mit meiner Art meinem Anspruch, dieser Welt zu genügen, die mir immer wieder Atome ihrer Katastrophen und Themen zuschickt. Diese Atome kommen nicht zufällig zu mir: sie haben etwas mit mir zu tun, ich ziehe sie an, teilweise rufe ich sie sogar zu mir. Ein Schreiben aus dem Jahr 2017 von den Stadtwerken macht mich darauf aufmerksam, bis wann ich mich für die Bewerbung um eine Unterstützung mit einer Projektbeschreibung melden muss. Was mir gedanklich weh tut: ich habe mich mit meinem Projekt nicht beworben. Da kamen andere Gedanken, Ereignisse, Ideen und Projekte zustande. Noch viel älter ist ein Oktavheft im Staub: Der Titel "Bordelina & Bordelino" - eine Fortsetzungsroman-Idee von vor 30 Jahren - warum liegt es nach meinen Umzügen immer noch in der Nähe meines Schreibtisches? Den Roman selbst gibt es gar nicht, aber verwandelt in SOKRATES ist ja doch ein Fortsetzungsroman entstanden, und ich frage mich, ob die inhaltlichen Ideen von damals nicht auch in den SOKRATES-Roman passen könnten; zwei Karteikarten sind noch aufgetaucht - der Titel "Freiheit"; sie liegen neben zwei ausgebauten internen Festplatten, die ich per USB-Kabel noch an meinen Rechner anschließen kann; da sind alte Ausdrucke mit der Überschrift "Helmut Schäfer" - und darin u.a. die Bemerkung, er sei mehr als nur ein Dramaturg. Diese Feststellung stammt nicht von mir, was habe ich mir aber dabei nur gedacht? Warum habe ich das festgehalten? Und dann finde ich noch etwas ganz Tragisches zwischen den Zetteln: ein Gedicht über Bosnien: Bihač - Bosanski Petrovac - tja, wie solls mir schon gehen? Etwas staubig ist mir zumute.