Der Kriminalassessor Oberländer begegnet auf der Rückfahrt in die Stadt Nadia und Gaston de Pawlowski, die in eine Unterhaltung vertieft sind, kurz nachdem er einen Anruf von seinem Chef erhalten hat. Das Autor-Ich freut sich indessen auf die Begegnung: Kommissar Julius Hoffmann und Uri Nachtigall:

SOKRATES-Folge 406:
Oberländer bewunderte das an seinem Chef auch ein wenig, aber der Hauptkommissar entsprach keineswegs seinem Ideal von einem guten Polizisten. Wenn Alfred Ross ihn nur nicht so verächtlich behandeln würde, hätte er es lieber vorgezogen mit Alfred Ross zu arbeiten; Ross aber war ein Einzelgänger geworden, ein einsamer Wolf nach seiner privaten Tragödie, was ihn wirklich aus der Bahn geworfen hatte. Es ging auch das Gerücht um, Ross sei vollkommen dienstuntauglich, aber er blieb im Dienst. Woher aber wusste so schnell Julius Hoffmann vom Verschwinden des Gefangenen? Das konnte er seinen Chef aber nicht fragen. Dieser war sowieso schon in Rage, auch wenn sein Ton sich ganz ruhig anhörte! «Wie schnell können Sie umdrehen und wieder bei mir sein, Oberländer?» fragte Hoffmann. «In zehn Minuten bin ich da, Chef. Ich bin noch nicht auf die Landstraße aufgefahren, weil ich über Funk diese verdammte Nachricht erhalten habe...» «Dann aber flugs! Drehen Sie um und kommen Sie zurück, aber halten Sie die Augen offen! Der Kerl muss doch noch dort irgendwo in der Gegend sein. Ich habe schon eine Suchstaffel mit Hunden angeordert. Der Tatverdächtige gilt als äußerst gefährlich! Beeilen Sie sich, Oberländer!» Stille. Der Kriminalassistent wendete den Wagen. Da fiel ihm aber im Rückspiegel etwas auf. Ein Mann mit einem Fahrrad und eine junge Frau kamen auf der Landstraße näher und hatten gerade den Waldweg erreicht. Oberländer bremste sofort, er war noch keine 200 m gefahren und setzte zurück. Als er aus dem Auto ausstieg, schauten sie ihn neugierig an. «Guten Tag, Kriminalpolizei. Ich hätte eine Frage an Sie bitte.» «Ach ja?» Nadia war über die Störung alles andere als begeistert. «Kriminalpolizei? Assessor Oberländer, die wandelnde Inkompetenz im ganzen Narrativ, und dann Fragen an uns? Oberländer, haben Sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank?» Eine junge Frau mit dunklen langen Haaren und einem so freundlichen Gesicht mit einem solchen angriffslustigen Ton? Das brachte den Hilfskommissar völlig aus dem Konzept. Da stand er vor den beiden wie vom Donner gerührt und vergaß sogar für einen Augenblick, Luft zu holen, was Nadia zum Nachsetzen reizte: «wir unterhalten uns hier über das Schweigen der Seele, über das Problem, künftige Erinnerungen zu Papier zu bringen, wenn einem die Worte fehlen, und da steigt der Assessor aus dem Auto, nur weil er uns im Rückspiegel gesehen hat, um uns dumme Fragen zu stellen. Unfassbar!» "unfassbar", ja, das konnte der richtige Ausdruck für diese Situation sein, in die sich Oberländer versetzt fühlte. Er mochte die junge Frau, sie war ihm äußerst sympathisch, er fand sie sogar sehr anziehend, was für ihn die Situation keineswegs erleichterte. Jetzt auf dem Absatz umdrehen, rein ins Auto und schnell zum Chef rasen, das wäre wahrscheinlich das Beste. Aber er stand da mit halb offenem Mund und konnte sich weder rühren noch einen Gedanken fassen. Aber jetzt musste gehandelt werden.