Warum mir die Germanistik am Herzen liegt und wie dennoch Fehler entstehen...

Uri Bülbül
Mir ist es sehr wichtig, mich in eigener Sache zu äußern. Fehler machen wir alle und Fehler gehören zum Schreiben und zum Sprechen dazu; manche geschehen aus Unkenntnis, andere aus Leichtsinn oder Unkonzentriertheit, es gibt auch die sog. freudschen Fehlleistungen, bei denen man Assoziationsketten und Verdrängtes verrät. Deshalb sollte man auch allgemein mit arrogantem Verhalten bei entdeckten Fehlern vorsichtig sein. Ich habe mir aber auch hier und da erlaubt, arrogant zu sein und das wird wohl auch in Zukunft bleiben.
Ich habe gestern auf meiner Seite hier bei der Rockmusikfrage einen Fehler entdeckt, den ich weder einfach stehen lassen noch korrigieren will, also kommentiere ich ihn hier, weil das auch eine Gelegenheit ist, sich kurz zur Germanistik zu äußern.
Irgendwann hat man in Deutschland Ende 90er bis zur Jahrtausendwende einen munteren Kahlschlag an deutschen Universitäten betrieben, die Geisteswissenschaften in einer Mischkalkulation von unverändert und verstümmelt einem Paradigmenwechsel unterzogen und die Studiengänge unter dem Vorwand der europäischen Vereinheitlichung der Abschlüsse technokratisch deformiert. Dazu gehörte es teilweise auch die Humboldtschen Bildungsideale zu diffamieren und als nicht zeitgemäß hinzustellen. Langzeitstudenten, die an den Universitäten neben ihrem Studium auch viel Kultur und Politik betrieben und sich an alternativen Lebensformen übten wurden langsam aber sicher verdrängt und der neue technoakratische Typus des zweckorientierten Studenten entstand und vermehrte sich unsäglich. Das Ergebnis: kritisches Potenzial in der Gesellschaft, was sich aus Leuten speiste, die an den Universitäten herumlümmelten und sich mit Azubis, Arbeitern, Handwerken, Ungelernten vermischten, wurde radikal reduziert. Eine geistige Verödung der Gesellschaft! Das hört und liest man nicht gerne, weil man ja auch selbst ein Teil dieser Verödung ist und womöglich sich so viel Mühe gegeben hat, seine Creditpoints zu sammeln und Bachelor oder Master zu werden. Aber genau da liegt der Hase im Pfeffer - kritisches Potenzial und gesellschaftlicher Status gehen nicht Hand in Hand. Das ist doch logisch! Warum sollte die Gesellschaft repräsentiert durch die Machthaber den subversiven Elementen in ihr auch noch Anerkennung zollen?
Die Germanistik jedenfalls gehörte als ein philologisches Fach zu den sprach- und grammatiksensibilisierenden und literaturfördernden Fächern in deutscher Sprache, die anderen Philologien betrieben das Geschäft in der jeweiligen Sprache ebenso. Zu einer kleinen Feinheit im Deutschen gehört u.a. die Unterscheidung zwischen "wieder" und "wider", während das erstere für erneut und nocheinmal steht, bedeutet das andere ohne Dehnungs-E: gegen! Widerstand leistet man ohne E und man wiederholt sich immer und immer wieder mit E! So widerlegt man auch ohne E, was ich in meiner Rock-Antwort falsch geschrieben habe - weiß nicht warum. Wer meine Artikel hier liest, sollte am besten zu den Widerständigen gehören ;)