Ist Kunst systemrelevant? Teil 3...

Man kann von dieser Frage auf das nahe Verhältnis von Kunst und Kitsch schließen, da “Kitsch” ursprünglich mit Müll gleichbedeutend ist. Es haben sich aber Bedeutungsverschiebungen ergeben, so dass Kitsch eine andere Art von “Müll” darstellt, als eine Fett-Filz-Ecke im Museum. Es gibt die Behauptung, dass das Wort “Kunst” von “können” käme und dadurch auch eine besonders akribisch entwickelte Fähigkeit darstelle. Dazu passend der Spruch “Das ist keine Kunst, das kann doch jeder!” Kunst wäre demnach eine besondere Fähigkeit des Handelns. Es gibt auch Auffassungen, wonach Kunst schön sein müsse und schön sei, was gefallen finde. Und wenn etwas niemandem oder nur wenigen Leuten gefalle, sei es keine Kunst. Wiederum möchte manch ein anderer in der Kunst die eigene Realitätswahrnehmung wiedererkennen. Und wenn Kunst in seinen Augen “unrealistisch” wird, sei es dann auch keine Kunst. Manche verbinden Kunst direkt mit der Fähigkeit, andere Menschen zu unterhalten und wenn sie langweile, sei sie keine Kunst. In einigen dieser Auffassungen erkennen wir direkt den Einfluss zweckrationalen Denkens. Mechanisches, kapitalistisch-utilitaristisches sprich monetäres Denken, Konsumismus, Kommerz bilden eine Melange von Ideologemen, worin Kunstverständnis und die Kunst selbst untergehen.
Wir können nicht unser Denken und Leben in kapitalistisch präformierten Denkstrukturen und sozialen Machteffekten lassen, Statussymbole von Wohlstand und Wohlergehen für unser eigenes Streben verinnerlichen, bürgerliche Bildungsideale und darauf basierende Hierarchien für wahr halten und zugleich ein freiheitliches Kunstverständnis haben. Entweder es ändert sich alles oder es ist alles im Falschen ohne ein Richtiges. Wir können auch im Falschen nicht richtig leben - und “richtig” meint hier gewiss nicht “korrekt”, “konventionell” und sozial unanstößig, sondern “lebendig”! Was an der kapitalistischen Gesellschaft als Existenz geboten und realisierbar ist, ist nichts anderes als ein Sein zum Tode im Ausgebeutet- und Ausgenommensein! Dem Leben und dem eigenen Sein entfremdet, vom Leben abgeschnitten darf der Mensch lediglich selbst das Sein führen, was er auch seinen sogenannten Nutz- und Haustieren beschert: Käfighaltung, eine Überversorgung mit Antibiotika und Verfettung. In dieser Welt und in diesem System, das eine enge Verzahnung von politischem, wirtschaftlichem, gesellschaftlichem und kulturellem System darstellt, kann man nicht in freiheitlichem und vitalistischem Sinne sinnvoll von und über Kunst sprechen. Was “systemrelevant” ist, könnte ja im systemstützenden oder systemstürzenden Sinne “relevant” sein. In Tat und Wahrheit aber ist Kunst im Kapitalismus der Versuch, das Richtige im Falschen zu etablieren und zu leben.
Dazu passend:
https://youtu.be/t7xopR0xixM
+1 answer in: “Ist Kunst systemrelevant?”