Nun verschließen wir uns nicht in der Gedankenkammer, sondern öffnen wir uns genau jener Welt, die die Analysis als Funktion der gebrochen rationalen Art beschreibt. Schauen wir mutig in jenen Bereich, den sie mathematisch "die Unendlichkeitsstelle" nennt - SOKRATES Folge 412:

Uri Bülbül
Dieser Schritt war dann reine Formsache; in der Bezirksregierung landeten hunderte von solchen Fällen und wurden pauschal mit einer Genehmigung abgefertigt und damit die Schicksale vieler Jugendlichen vorerst einmal besiegelt. So war auch Ben @Gedankenkammer kurz davor in den Mühlen der Bürokratie zermahlen zu werden, da erregte Bens Fall das Interesse der Frau vom Amt. Lassen wir sie namenlos, lassen wir sie ohne Gesicht und Biographie, eine Frau vom Amt eben aber nicht eine Frau von Amts Wegen. Viele andere hatten Disziplinarprobleme, schwänzten die Schule, weigerten sich manchmal sogar gänzlich, die Schule zu besuchen, waren schon mehrmals straffällig geworden, die häufigsten Delikte waren Diebstahl, Körperverletzung, Hehlerei, Drogenbesitz oder Drogenhandel im kleineren Rahmen auf Schulhöfen. Dieser Fall aber lag gänzlich anders. Er hatte nichts mit Drogen, Banden- und Jugendkriminalität, Schulschwänzerei oder Schulverweigerung zu tun, da galt ein Schüler als psychisch gestört und war auffällig geworden durch mehrfache üble Nachrede und die Behauptung, er habe Visionen und könne mit Geistern verstorbener Menschen kommunizieren. Die meisten Beamten hätten gedacht, dass in diesem Fall die Psychiatrie der zutreffendste Ort für diese Person sei. Ganz zweifelsfrei. Ob ein krimineller Schulverweigerer in die Klapse gehörte, konnte man bezweifeln, ein selbsternannter Geisterseher mit Visionen gehörte ganz ohne Zweifel in die Klapse - so dachten die meisten Beamten im Jugendamt und in der Schulbehörde, so aber nicht diese unsere Frau vom Amt, der wir Gesicht und Biographie verweigern. Warum eigentlich? Diese Sachbearbeiterin aber, der Bens Akte vorlag, griff zum Telefon, nachdem sie alles sorgfältig gelesen hatte: «Maja, ich glaube, ich habe da etwas für euer Sanatorium.»
Der Wind trug die Gesänge oder besser gesagt das Gegröle der Seeräuber auf dem Schiff bis zu Basti und dem Landvermesser. Die beiden standen am Ufer und sahen auf den See hinaus. «Kennst du dich hier gut aus?», fragte der Landvermesser. Basti musste etwas lachen. «Vielleicht, weiß nicht genau», sagte er. Der Landvermesser polterte ein bisschen, ohne aber seine Freundlichkeit dabei zu verlieren. Man konnte ihm seine polterige und etwas laute Art zu reden, überhaupt nicht übel nehmen. Vielmehr wirkte das eher belustigend. «Was? Was? Vielleicht, nix genau? Weiß nicht? Was ist das?» Basti fand etwas Kindliches in der Art des Landvermessers. «Ja, genau: nix genau!», antwortete er, um den Landvermesser etwas zu necken, fügte dann hinzu: «ich weiß nicht, was du unter gut auskennen verstehst! Suchst du etwas Bestimmtes im Wald? Dann kann ich dir wahrscheinlich nicht helfen, denn hier gibt es nichts Bestimmtes. Schau auf deine Uhr, wenn du mir nicht glaubst. Mal geht sie vorwärts, mal rückwärts und dann wieder vorwärts.» Der Landvermesser sah auf seine Uhr und da war wieder sein Allah, Allah. "Hier im Wald nix Moschee!", scherzte Basti.