Nach der 400. Folge kann ich getrost feststellen, dass ein ganzer SOKRATES-Roman-Kosmos von Figuren und Charakteren entstanden ist. Und in der Konstellation Basti und der magische Hattinger Wald entsteht dort eine Freundschaft zwischen einem sehr ungleichen Paar. SOKRATES Folge 413:

Uri Bülbül
«Ja, ja, nix Moschee, nix Moschee», erwiderte der Landvermesser, «ich suche nix Moschee, nix beten, nix Moschee! Was ist das? Guck! Guck!» Er zeigte wieder auf seine Uhr. «Ja, sag‘ ich doch! Jetzt ist es fünfzehn Minuten früher als vorher. Aber verlass dich nicht darauf: wir werden hier nicht jünger!» «Wir werden nicht jünger?», fragte der Landvermesser und folgerte, ohne es ganz ernst zu meinen: «Dann werden wir nicht zu Babys?» «Nein, ich glaube nicht», sagte Basti im ruhigen Ton. Der Landvermesser grinste: «Hihi – du Glaube? Du Moschee? Oder Kirche? Oder Tempel? Oder Synagoge?» Basti überlegte, plötzlich fragte er sich, ob es nicht im Hattinger Wald nicht doch irgendwo ein religiöses Haus oder dessen Ruinen gab. Er kannte die Häuser an den Ecken des Bassins und Viktors schiefe Hütte, auf mehr war er bisher nicht gestoßen, aber das wollte nichts heißen. «Was du überlegen?», fragte der Landvermesser und Basti antwortete ehrlich und direkt: «Wir werden nicht zu Babys, aber ich werde manchmal zu einem rosa Delphin». «Oh! Rosa Delphin – so, so!» Basti konnte nicht ganz genau einschätzen, ob der Mann ihn veralberte und ihm keinen Glauben schenkte oder ob er tatsächlich ernsthaft überlegte, wie das gehen sollte und was Basti ihm damit sagen wollte. Jedenfalls fragte der Landvermesser: «Wann?» Und blieb dabei durchaus ernst. «Das geht nicht nach der Uhrzeit. Manchmal! Ich verwandle mich manchmal in einen rosa Delphin. Meine Mama heißt Ophelia und lebt dort draußen im Wasser, aber sie ist blau. Nur ich bin ein rosa Delphin und auch ein Mensch, wie du sehen kannst.» Der Landvermesser überlegte kurz und sagte: «Wenn du dich verwandelst, will ich es sehen. Verstehst du: gucke, gucke!» «Ja, wenn du müde bist und schläfst, kannst du mich in deinem Traum sehen. Ich bringe auch meine Mama mit.» «Gut, aber wenn ich schlafe träume ich nicht. Ich schlafe einfach und fertig. Und Kollegen sagen: ich schnarche! Kann sein, aber träume? Nein, nein!» «Woher wissen deine Kollegen, dass du schnarchst? Schläfst du bei der Arbeit?», fragte Basti interessiert. «Nein, nein, nicht bei der Arbeit. Ich mit Kollegen auf Montage wochenlang und dann immer teilen zwei, drei ein Zimmer, verstehst du?» Ja, das war nicht schwer zu verstehen. Basti nickte. In diesem Moment schlug das Gegröle der Seeräuber ihnen sehr deutlich entgegen, so dass sie ihre Worte deutlich verstehen konnten: «Wir wollen kein Unrecht erdulden dulden, keine Ungerechtigkeit, nicht der Bürokraten Selbstherrlichkeit, nicht der Krämer Geiz und Gier. Freie Menschen wollen wir sein und teilen gern unser Lohn und Brot mit anderen Menschen frei, die nicht der anderen Kraft und Zeit stehlen. Krämerei ist uns ein Graus, Habgier und Sklaverei. Freiheit ist für alle, niemand ist des anderen Untertan.» «Oh, oh, oh!», machte der Landvermesser, wog mit aufgeblasenen Backen den Kopf seitlich hin und her, als wäre er mächtig beeindruckt vom Gesang der Seeräuber. «Nix Untertan! Sehr gut!», sagte er, sein Messgerät abstellend.