Ich habe dich wohl falsch verstanden. Dir geht es nicht darum, nicht immatrikuliert zu sein, sondern sich zwar in den Zwang der Immatrikulation zu begeben, aber dann aus dessen Anforderungen (Studienverlaufsplan, Regelstudienzeit, Langzeitstudiengebühren, Zwangsexmatrikulation,...) auszubrechen, die

Mel Whatever
Mir ist es nicht wichtig, ob man immatrikuliert ist oder nicht, wenn es um eine kreative Annäherung an die Philosophie geht. Wir dürfen die Ausgangsfragestellung nicht aus den Augen verlieren: «Wie kann man sich fruchtbar der Philosophie nähern?» Ich habe nun «fruchtbar» mit «kreativ» umschrieben, ich denke, das ist noch ganz im Rahmen der Verstehensmöglichkeit. Die Fruchtbarkeit der Annäherung erfolgt eben weder doxographisch, wie ich ja auch @suessezitrone nach der Aufklärung des Mißverständnisses zwischen ihr und mir verstanden habe, noch geht es an der Einhaltung der Studien- und Prüfungsordnung. Man muss sich, um sich fruchtbar/kreativ der Philosophie anzunähern, sich von Denkzwängen und Denkhindernissen frei machen: einfach wie Columbus das Ei nehmen, auf den Tisch knallen und sagen: es steht! Nur so ist eine wirklich fruchtbare Annäherung an die Philosophie möglich - alles andere bleibt steril im Doxographischen und Historischen stecken. Für das kreative Philosophieren gilt, dass du nach deinen Neigungen, Interessen und in deinem Tempo studieren musst. Vielleicht bleibst du erst einmal Monate lang an Hegels «Phänomenologie des Geistes» hängen oder du entdeckst sofort etwas ganz anderes, was ähnlich klingt, aber sehr anders ist: Husserls Phänomenologie in seinen «Cartesianischen Meditationen» oder bist Feuer und Flamme für tausend andere Möglichkeiten, die ich gar nicht alle aufzählen kann. Du kannst immatrikuliert sein, bis dir Studiengebühren oder Zwangsexmatrikulation ins Haus winkt - das alles hat mit Philosophie nichts zu tun! Du kannst aber auch einfach von mir aus ohne Abitur an die Uni gehen und dich in Philosophievorlesungen setzen, dir Notizen machen und das für dich mitnehmen, was dich irgendwann brennend interessiert und du dich immer mehr und immer weiter mit der Materie beschäftigst. Du exzerpierst, machst Randbemerkungen, entwickelst Gedanken dazu und liest Sekundärliteratur oder andere Primärtexte, vertiefst dich in einzelne Kapitel oder Sätze oder verschlingst ganze Werke - das hat etwas mit Philosophie zu tun und ist zumindest erst einmal für dich fruchtbar, weil du dich ja dafür begeisterst. Studien- und Prüfungsordnungen sind nur wichtig, wenn du formale Qualifikationen erwerben willst, die dich im (bürgerlichen) Berufsleben weiterbringen. Das aber hat wiederum nichts mit fruchtbarer Annäherung an die Philosophie zu tun. Denk an das Ei des Columbus und durchbrich scheinbare Notwendigkeiten in Formalismen, die dich gefangen halten. Was steht am Eingangstor zum delphischen Orakel? Erkenne dich selbst! Ich paraphrasiere das etwas frei in einer Umdeutung: Entwickle ein Selbstbewusstsein, dass dich gegen Normen widerstandsfähig macht, dann trägt die Philosophie Früchte in dir und du hast dich ihr fruchtbar genähert.
Aber Dein Argument mit der Lebenshaltung, um die man sich ja auch zu kümmern hat, ist ja nicht einfach vom Tisch zu wischen. Welchen Weg du findest, kann eine philosophisch fruchtbare Entscheidung sein ;)