Ich könnte etwas über das Manifest der Postmoderne schreiben, über eine neuartige Logik, die den Arbor porphyrios ablöst und zu einem anderen Sinnbild kommt; aber ach was... Ich will lieber diese wundersame Geschichte erzählen: SOKRATES - Folge 422:

Uri Bülbül
Gaston wiederholte den anzüglich wirkenden Vorschlag auch nicht mehr. Er hätte Nadias Nähe sicher zärtlich genossen, aber wenn sie nicht wollte, akzeptierte er das mit Charme und Wohlwollen. Aber die Hoffnung, sie noch für sich einnehmen zu können, wollte er nicht aufgeben. Als er aber auf den Waldweg hinunter sah, war Nadia verschwunden. Mit dieser Erkenntnis wurde er plötzlich von der Schwerkraft erfasst, ließ sein Fahrrad los und stürzte im freien Fall, bis er mit einem Ruck und Zucken im Bett erwachte. «Verdammt!», schrie Ben @Gedankenkammer noch schlaftrunken auf. Er musste sich erst einmal kurz orientieren. Was war das für ein verrückter Traum? So intensiv hatte er noch nie geträumt. Er rieb sich seine Augen und Wangen. Sollte er diese Sache mit Dr. Zodiac besprechen oder doch lieber mit Schwester Maja? Oder sollte er es lieber einfach für sich behalten. In einpaar Minuten würde doch sowieso die Wirkung des Traums nachlassen und bald würde er Einzelheiten sowieso vergessen haben. «Was für ein Quatsch», sagte er sich. «Ich und Gaston de Pawlowski und dann mit dem Fahrrad auf der Reise ins Land der vierten Dimension.» Er schüttelte lachend den Kopf über seinen Traum. Er wollte erst einmal zehn Minuten abwarten, was von seinem Traum noch in seinem Kopf übrigblieb. Da klopfte es heftig an seine Tür. «Ben! Mach sofort die Tür auf, du Irrer!» Jetzt spülte ein Adrenalinstoß einen Teil des Traums in die Vergessenheit. Nur klebrige Reste hafteten noch am Bewusstsein. Wütend und empört sprang @Gedankenkammer aus dem Bett zur Tür. Norbert, der an seiner Tür tobte, sollte sich bloß nicht zu viel herausnehmen! Was für eine Unverschämtheit! «Was willst du?» Mit dieser Frage riss er die Tür so heftig auf, dass Frank Norbert Stein einen halben Schritt zurückwich. Aber er fand schnell wieder zu seiner Empörung zurück: «Was hast du getan, du Irrer?» «Was soll ich getan haben? Du bist selber ein Irrer, du Flickwerk eines Leichenschänders!» Das überhörte der Hausmeister. Für ein Beschimpfungsduell war keine Zeit. «Der Welpe ist weg! Du warst doch plötzlich in meiner Werkstatt – und nun ist der Welpe weg. Und hör auf zu grinsen!» Ben konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und irgendwie war er erleichtert und froh, dass der Welpe entkommen war, wenn es überhaupt stimmte, was der Hausmeister da von sich gab! «Ich habe ihn nicht!», sagte Ben gelassen. Norbert sah sich nach allen Seiten um und als er sich sicher war, dass niemand im Flur ihn gesehen hatte, schubste er Ben @Gedankenkammer ins Zimmer zurück, trat ein und schloss die Tür hinter sich zu. Ben war überrascht, aber nicht ängstlich, auch wenn er noch nicht wusste, was der Hausmeister in seiner Verzweiflung von ihm wollte. «Hey, du kannst doch diesen Geisterseherscheiß!» Die Stimme des Hausmeisters klang alles andere als bedrohlich. Der Riese suchte eher Hilfe und Rat. Das wurde Ben nun schlagartig klar. Dem Hausmeister wuchs die Not über den Kopf.