Ask @LennartKollien:

Hast du eine schlechte Charaktereigenschaft? Wenn ja, welche wäre das?

Sicher, wir wären nicht wir, wenn wir perfekt wären.
Manchmal habe ich einen überwältigenden Wissensdurst, so dass ich mich für sehr lange Zeit am Stück nur auf eine Sache konzentriere und so viel wie möglich darüber lerne, während ich alles um mich herum ausblende.
Das passiert mir auch oft, wenn ich zeichne, mir etwas ausdenke oder ich über etwas grübeln muss.
Zudem verliere ich dann, nachdem ich alle Seiten gründlich beleuchtet habe, sehr schnell wieder das Interesse.
Das passiert leider auch mit Menschen, denn wenn eine andere Person mich nicht geistig fordert oder irgendwelche kindischen Spiele zu spielen versucht, stoße ich sie von mir.
Ich bin in Diskussionen oft etwas ungehalten, vertrete stur meinen Standpunkt, bis mir jemand bessere Gründe als meine eigenen liefert und nehme oft keine Rücksicht auf die Gefühle meines Gegenüber.
Es hat einen Grund, warum ich früher oft gefragt wurde, warum ich immer so böse, beziehungsweise arrogant gucke, nämlich die einfache Tatsache, dass ich selten offene Gefühle zeige. Zum Beispiel habe ich die letzte Träne vor über einem Jahr vergossen. Es braucht für mich auch immer erst etwas Zeit, um mit einem Menschen aufzutauen.
Das hat aber nichts mit Schüchternheit oder dergleichen zu tun, reden kann ich hervorragend, sondern mit einer gewissen Skepsis gegenüber dem Gesprächspartner.
Selten mal kommt eine Person in mein Leben, der ich dann etwas mehr von meiner Art zeigen kann, leider bereue ich das im Nachhinein aber auch.

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Ich beschreibe mal meinen Tag:
Frustration stieg in mir empor, denn für einen kurzen Augenblick verlor ich mich, wie schon unzählige Male zuvor, in Träumerei und phantastischen Gedanken.
Von Schweiß benetzt schien der haarlose Bereich auf meines Mitarbeiters Schädel zu schimmern, mir mit Lichtsignalen seinen ungesunden Lebensstil auszureden und zeitgleich von dessen störenden Worten abzulenken, denen ich sowieso kaum Beachtung schenken konnte.
Widerwillig entfernte ich einen der schwarzen Gummi-Stöpsel, so dass mir nur noch linksseitig die Stimme von Michael J. Diekmann die Biografie von Elon Musk, doch geschrieben von Ashlee Vance, ins Ohr säuselte.
Weitere Stunden sollte ich vor dem stählernen Ungetüm verbringen, im 20 - Sekunden-Takt dampfende, beinahe glühende Metallteile herausnehmen und mir beim Bruch jener, ganz egal wie sehr ich auch die Technik wechselte, meine Hände verbrannte.
Das was ich tat, empfand ich als trivial, Sisyphosarbeit und von Maschinen kontrollierte Fließbandschufterei an Wannen voll flüssigem Metall, welches gern in großen Tropfen Arbeitern entgegen schoß.
Unsanft wurde ich aus meinen trance-ähnlichen Tagträumen gerissen, zuvor phantasierte ich mir die Verwirklichung meiner unmöglich-wirkenden Ambitionen vor das geistige Auge, folgend war wieder nur Arbeit in meinem Kopf.

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