Wärst du im Herbst lieber der Baum oder das Blatt?

Uri Bülbül
Wir spürten die Liebesspiele der zarten Brisen und ihre Streicheleien. Verspielt flüsterten sie in unser Ohr Geschichten von fremden schönen Weiten, ehe zum Abschied sie uns die Wangen lieblich küssten. Wir lauschten den Menschen, den Kindern und den Verliebten, wie sie in unserem Schatten schliefen und wie sie genossen. Und nach Licht und Wärme reckten wir uns und lächelten der Sonne zurück, die uns herzlich anstrahlte. Dann wurde Herbst. Das Leben entweicht uns nun langsam und der grauen Vergänglichkeit zum Trotz, um ein letztes Mal schön zu sein, werden wir gold und rot und braun. So fallen wir, während die Brisen, die uns küssten und liebten, uns nun mit sich nehmen. Gerne hätten wir den Winter gesehen. Ach, wie wären wir doch gerne Bäume gewesen und hätten den Winter gesehen.

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