Wie viel Geld verdient man als Autor? Kann man davon so richtig leben oder muss man nebenbei noch was anderes arbeiten?

Ja, das ist nicht nur eine spannende, sondern auch eine höchst diffizile Frage. Man kann es nicht pauschalisieren. Das heißt, es gibt Autoren, die sehr reich damit geworden sind; dann gibt es Autoren, die davon leben können, dann gibt es welche, die nebenbei andere Dinge schreiben oder in einem anderen Job arbeiten müssen; und ich gehöre zu denjenigen, die vollkommen glücklich damit sind, dass sie ganz vielseitig und unterschiedliche Texte verfassen können und dennoch nicht richtig davon leben :-( Aber wie gesagt: Geld bedeutet mir nicht sehr viel. Wer wie ein Beamter oder ein Handwerker mit festem Lohn/Gehalt rechnen will, in seinem Leben, ist in künstlerischen Berufen allesamt falsch.
Neben Kreativität und guten technischen Fähigkeiten, ob man nun Musik macht und sein Instrument genial beherrscht, malt, Theater spielt oder schreibt, ist Phantasie gefragt, Sozialkompetenz, gute Nerven, um sich durchs Leben zu schlagen und Leidenschaft, um der Kunst viele andere Dinge unter zu ordnen - auch häufig Privatleben.
Eine Partnerin, ein Partner, der/die ein geregeltes bürgerliches Leben erwartet und einen damit unter Druck setzt, ist vollkommen schädlich und die Diskussionen irgendwann zermürbend. Zwei Künstler in einer Partnerschaft vertragen sich allerdings auch nicht immer, obwohl ich in meinem Bekanntenkreis mindestens zwei erfolgreiche Paare kenne, die sich sehr gut durchs Künstlerleben schlagen; aber die überwiegende Mehrheit schafft es nicht, weil zu allen üblichen Belastungen auch noch der Konkurrenzgedanke in der Beziehung kommt.
In der modernen Welt kommt es ohnehin darauf an, dass man gut und intensiv lernt, sich durchs Leben zu schlagen, lenrbereit, flexibel und kreativ ist, ganz egal, was man machen will. Im Grunde überleben nur die Künstler gut, weil sie alles, was sie anpacken mit Kreativität, Phantasie und Leidenschaft machen. Halbherzigkeiten sind nirgends gern gesehen und erfolgreich. Da macht es keinen Unterschied, ob du Schriftsteller oder Autohändler oder Mechaniker bist, Maler, Musiker oder Elektriker. Wer ein einfaches Lebensschema sucht, macht sich schnell zum Sklaven, weil dir diese Einfachheit jemand bieten muss. Und niemand macht das, ohne eigene Vorteile für sich daraus zu ziehen. Wenn du einen «sicheren Arbeitsplatz» hast, dann frage dich immer auch: Wem nützt das noch außer mir? Und wie groß ist der Nutzen? Dann erkennt man häufig auch, wie brüchig solche Sicherheiten sein können - die «Schlecker»-Frauen wurden zum Sinnbild einer solchen Brüchigkeit. Für mich das beste Beispiel.
Dann würde ich auch einmal an deiner Stelle hinterfragen, was es bedeutet, wenn du so flott mal in deiner Frage, von «richtig leben» sprichst. Wer führt denn ein richtiges und wer ein falsches Leben?

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