Meine Fragen zum Thema Regelnlernen.. 1) Wessen Regeln bist du bereit zu lernen? 2) Wenn du merkst, dass du eine Regel nicht lernen kannst bzw. diese Regel nicht befolgen kannst, lernst du weiterhin, dass du es womöglich doch schaffst? 3) Lernst du diese Regeln bloß oder bist du gewillt, diese Re

Die Philosophie des Regellernens bedeutet mir sehr viel; denn es geht nicht um Vorschriften! Das ist sehr wichtig: Regeln und Vorschriften sind zwei ganz unterschiedliche Dinge. Vorschriften sind von außen und meistens von oben also hierarchisch vorgegebene Verhaltens"regeln". Sie müssen deswegen eingehalten werden, weil diejenigen, die diese Vorschriften machen auch für ihre Einhaltung sorgen können, und wenn es nur durch Sanktionen ist, womit sie die Einhaltung der Vorschriften durchsetzen. Gäbe es aber diese Vorschriften nicht, würden sich die Menschen ihrer Natur folgend anders verhalten und es würde trotzdem funktionieren, vielleicht wären die Dinge sogar besser, schöner, erträglicher.
Vorschriften und Gesetze des Steuerrechts zum Beispiel sind solche hierarchischen Gegebenheiten: der Staat erhebt mittels seiner Möglichkeiten (letztendlich Polizeigewalt und Justiz) Steuern und treibt diese ein; es gibt auch Vorschriften für Steuerbegünstigungen und Steuernachlässe usw. immer geht es darum, den Bürgern Abgaben abzupressen und sie mit Sanktionen zu bedrohen. Kein Mensch zahlt freiwillig Steuern. Aber heißt das, der Mensch ist ein bösartiges, egoistisches Wesen? Ist Steuerkriminalität wirklich asozial? Das würde ja voraussetzen, dass alles, was der Staat macht sozial ist. Das allerdings darf allen Ernstes bezweifelt werden.
Kriege zu führen, teure Waffensysteme zu kaufen, einen riesigen und teuren Beamtenapparat in Ministerien zu unterhalten, wobei viele Staatssekretäre zum Beispiel auf Kosten der Steuerzahler aus politischen Gründen ihrer Ämter enthoben bzw. in den Ruhestand geschickt werden, ist auch alles andere als sozial. Aber eigentlich kann angeblich in einer Demokratie die Bevölkerung mitbestimmen, was der Staat machen soll. Aber wie ist das möglich, wenn die Politiker nur ihrem Gewissen Rechenschaft schuldig sind und sich in der Regel durch Biegsamkeit dieses Gewissens auszeichnen?
Regeln hingegen entspringen nicht menschlicher Willkür und Machtbesessenheit. Sie entspringen der Sache, die sie regeln. Bauern zum Beispiel müssen sich an bestimmte Regeln halten, wenn die Ernte ertragreich werden soll. Es gibt Regeln einer guten Partnerschaft, Freundschaft, Regeln des Flirtens, Regeln der Zusammenarbeit und des schönen Zusammenlebens; sie leiten sich aus der Natur dieser Dinge und Verhältnisse ab und sind nicht einfach Menschen gemachte Vorschriften. Ich bin bereit, alle Regeln eines Spiels zu lernen, wenn mich das Spiel interessiert. Ich versuche, diese Regeln zu befolgen, weil ich erfolgreich sein will; und ich lerne diese Regeln nicht nur auswendig, sondern inwendig, damit ich sie auch souverän und kreativ anwenden kann. Vorschriften kann man aus eigenem Interesse umgehen; Regeln sollte man aus eigenem Interesse einhalten.

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Regenkind.@saka_yoshi