Ich hoffe, du selbst bewältigst auch Schreibaufgaben: Kreiere einen Ritter, beschreibe ihn in seinen Gedanken, in seinem Verhalten, in seinem Aussehen. Natürlich darf man sich auch am Archetypus eines Ritters orientieren.

Puppenspieler
Nun ist diese Aufgabe schon einen Monat alt. Aber ich habe sie nie vergessen. Ich musste nur häufiger an andere Dinge denken und auf anderen Baustellen arbeiten. Ich liebe es auf hundert Baustellen zu sein. So wird es einem nie langweilig. Manche tanzen ja gerne auf vielen Hochzeiten, sagt man. Ich bin mehr der Bauarbeiter :) Und nun wird es Zeit, mich dieser Aufgabe anzunehmen und zu widmen.
Am liebsten möchte ich die Klischees etwas gegen den Strich bürsten, auch auf die Gefahr hin, dass wir so nicht ganz von ihnen loskommen. Ich nehme den Imperativ «kreiere einen Ritter» nicht ganz wörtlich; denn ich möchte 1. einen Ritter in der Gegenwart und 2. einen weiblichen Ritter. Die wunderbarte weibliche Heldenfigur erscheint mir Lara Croft zu sein. Allerdings ist mir ihre Weiblichkeit in erotischer Hinsicht zu überzeichnet. Idealmaße um die Taille und große Brüste, die mich eher an eine Silicon-Überraschung erinnern als an Erotik. Allerdings kann ich Angelina Jolie nicht ein gewisses Maß an Sinnlichkeit aufgrund ihrer Lippen und Augen absprechen; eine Ironie des Schicksals scheint es zu sein, dass ausgerechnet sie sich nach ihrer Rolle in den Tomb Raider Rilmen die Brüste amputieren ließ, um dem Krebsrisiko zu entgehen.
Aber das ist nicht der Punkt; der Punkt ist vielmehr, dass ich gerne Erotikverkitschungen vermeiden würde, ohne auf sinnliche Ausstrahlung für meine Heldin zu verzichten. Dann ist es auch ganz wichtig, dass stilistisch direkte oberflächliche Beschreibungen der Charaktere von Geschichten völlig abgegriffen und trivial sind. «Sie war 1.80 m groß, schlank, hatte brünettes, Schulter langes Haar und eine schmale Taille» ist doch völlig langweilig und klingt wie der Text auf einem Polizeisteckbrief.
Viel interessanter erscheint es mir, das oberflächliche Aussehen der Heldin der Phantasie des Publikums zu überlassen und den Charakter nur oder fast nur im Spiegel der Reaktionen der anderen Figuren zu zeigen: «Als Red Laura» schüchtern der Raum betrat, bemerkte sie zunächst niemand. Sie war so leise und unauffällig, dass nur der routinierte Blick des Barmanns sie registrierte. Aber in diesem Blick entflammte etwas, was auch dem Gast, der mit dem Rücken zum Eingang saß, unmöglich entgehen konnte. Unmittelbar wandte er sich um und wurde von der selben Flamme angesteckt...»
«Red Laura» ist natürlich kein schöner Name und kann unmöglich für meine Ritterin bleiben. Wichtiger ist mir aber im Moment, dass sie Motorrad fährt: Harley Davidson, aber nicht mit einem langen Chopper-Lenker, sondern einem kurzen, ein Modell ohne viel Chrom, sondern überwiegend in Schwarz. Eine schwere Maschine, eigentlich viel zu schwer für meine etwas zierlich wirkende Heldin, die ihre Kräfte nicht auf dem ersten Blick entfaltet, sondern auch gerne unterschätzt wird. Damit verbunden neige ich dazu, ihr den Namen Laura Süßkind zu geben. Sie hat ein großes Kämpferherz in ihrer Brust und ein äußerst helles Köpfchen auf ihrem Hals.
Und nun müssten wir zu ihren Wohnver...

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