Was ist «kreatives Schreiben?»

Uri aus dem Schreibhaus
Es gibt einige Fragen, die ich mir selbst stelle und auf die ich selbst in dem Moment, in dem ich sie stelle, noch keine rechte ausformulierte Antwort habe. Ich folge hier dem Fluss der Gedanken und Worte und hoffe, dass ich eine Antwort finde, die mich und natürlich auch andere so zufrieden stellt, dass mir die Herzen zufliegen :)
Allgemein ist eigentlich jedes Schreiben kreativ, da es zumindest einen Text kreiert. Im banalsten Fall ist es eine Einkaufsliste. Im Falle einer wissenschaftlichen Arbeit kann es eine Abhandlung, Analyse etc. werden, eine Magisterschrift, eine Dissertation oder gar, was umfangreicher und auf das Forscherleben insgesamt gerichtet eine Habilitation sein kann, die einen zum Professor qualifiziert.
Natürlich ist das Erschaffen von allen möglichen Texten kreativ im Unterschied zu einem Diktat, in dem man eben das aufschreibt, was ein anderer diktiert und als Text zuvor erschaffen hat. Es ist also nicht kreativ, einen Text aufs Papier oder in den elektronischen Speicher zu bringen, sondern der geistige Prozess, der zum Erschaffen eines Textes führt, macht erst die Kreativität aus.
Damit aber ist das «kreative Schreiben» keinesfalls erschöpfend definiert. Denn das kreative Schreiben bezieht sich nicht allgemein auf jedwede Textschöpfung, sondern ist spezieller gefasst und meint eigentlich das geistige Schöpfen von fiktiven Welten, Personen, Ereignissen, das Erschaffen von poetischen, lyrischen, dramatischen oder epischen Texten. Kurzum: das kreative Schreiben bezieht sich auf eine besondere Textsorte, nämlich die der Kunsttexte, die man «Literatur» nennt. Egal, in welcher literarischen Gattung man schreibt, dieses Schreiben nennt man «kreativ», obwohl natürlich auch das Verfassen von nicht-fiktionalen, also faktualen Texten (Sachtexten) auch kreativ ist.
Die Argumentationslinie des Geistigen wird weiter gezogen als bis zum Erschaffen von Sachtexten: Ein Diktat erschafft geistig keinen neuen Text (also unkreativ), das Schreiben von Sachtexten ist durchaus kreativ, weil man sich dabei selbst etwas denken und das Gedachte formulieren muss, man aber auch auf andere Dinge Rücksicht zu nehmen hat und sich nicht alles Mögliche ausdenken kann; also wirkt dies weniger kreativ als das völlige Erschaffen eigener Inhalte, wobei man sich schier alles selbst ausdenken kann. So entsteht Literatur im engeren Sinne, worauf sich der Ausdruck «kreatives Schreiben» bezieht.
Mit dieser Definition lösen sich nicht sämtliche Probleme rund um das Schreiben in Luft auf, sondern rücken vielmehr ins Blickfeld und können dargestellt und erörtert werden: kreatives Schreiben ist also das Schreiben von fiktionalen, poetischen oder lyrischen Texten.

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