Erläutere die Aufgabe «Stell dir vor...» - Liebesbrief(e) an eine fiktive Person? Auch noch an eine, die man selbst erfunden hat?

Uri aus dem Schreibhaus
Die Aufgabe fängt mit den Worten an «Stell dir vor...» Das Wesentliche also gleich vorneweg; es geht nicht darum, dass sich jemand tatsächlich in eine Figur verliebt, die er sich ausdenkt. Es ist ein Appell an die Vorstellungskraft des Autors. Die Aufgabe verdoppelt die Autorschaft: «Stell dir vor...» du bist ein Autor; und schon geht es überhaupt nicht um dich und mich als realen Autor, sondern um die Vorstellung eines Autors von einem Autor. Damit sollte die Phantasie herausgefordert werden.
Die nächste Schwierigkeit wäre dann aber an sich schon wirklich schwer genug, nun aber erschwert durch die erste Verschachtelung der Autoren. Sie bezieht sich auf die Liebeserklärung des fiktiven Autors oder der fiktiven Autorin, die es zu formulieren gilt - und zwar so elegant und ansprechend wie möglich. Denn ein einfaches Zettelchen zum Ankreuzen mit «Willst du mit mir gehen? Ja [] Nein [] Vielleicht []» wäre doch wirklich Kinderkram und Grundschulniveau.
Nicht viel besser ist es um den Stil gestellt, wenn man der geliebten Person sofort das Hindernis der Liebe vor den Latz knallt: «Hey, ich habe mich in dich verliebt, aber du bist eine Negerin und ich ein Nazi!» So charmant wie ein Furz! Wie brav in der Schule gelernt oder eben verinnerlicht, weil richtig eingetrichtert bekommen, wird die Aufgabenstellung in der Antwort indirekt oder direkt wiederholt. Schließlich will der Lehrer den Beweis, ob du überhaupt die Aufgabe verstanden hast und diese soll lauten: schreibe einen Liebesbrief an eine von dir ausgedachte Person!
Wirklich? Das ist eine ganz andere Aufgabe in einem ganz anderen Kontext. Das hat mit dem Schreibhaus überhaupt nichts zu tun. Das ist die Aufgabe: Schieß dich zum Mond und angle Fische!
Meine Aufgabe war eine andere gewesen: «Stell dir vor...» Und dann wurde die Situation vorgestellt, was man sich ungefähr vorstellen sollte: «du willst einen Roman schreiben und denkst dir eine Hauptfigur aus». Nun gilt es, sich genau dies vorzustellen. Hast du schon Erfahrungen mit dem Schreiben eines Romans? Hast du den einen oder anderen schon angefangen und nie zu Ende geführt? Woran lag es? Oder hast du gar tatsächlich schon einen Roman geschrieben? Wie hast du angefangen? DU - NICHT DER ROMAN! Den Anfang des Romans kann man ja nachlesen; aber was hast du als ersten Schritt getan? Folgtest du einem spontanen Einfall? Oder hast du lange geplant und zuvor recherchiert? Hast du mit dir gehadert? Oder wusstest du sofort, was du willst?
Und wenn du noch gar keinen Roman geschrieben hast, wird es noch intensiver mit der Vorstellungskraft: wie könnte dein fiktiver Autor, dein fiktives alter Ego, anfangen einen Roman zu schreiben? Einige Hinweise auf Möglichkeiten findest du ja auch in der Frage. Und dann entwickelt sich etwas zwischen deinem fiktiven du und der Figur. Ich hätte auch schreiben können: stell dir irgendeinen Autor vor. Das hätte ebenso gut funktionieren können. Aber ich wollte die Schwierigkeit nicht unnötig erhöhen. Ich dachte, ...

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