Antworten auf Fragen von @illusionblau - Teil 1 http://ask.fm/illusionblau/answer/113842043135 :

Uri aus dem Schreibhaus
Ich möchte mit dem Punkt 3:
Der Aktionsgedanke, einen weltweiten Text zu produzieren, ist wirklich amüsant und interessant. Ich habe die Versuchsanordnung nicht ganz verstanden. Wenn man fünf Sätze fünf Leuten vorgibt, sollen dann diese fünf Personen pro Kopf fünf Sätze dazu formulieren? In welcher Reihenfolge wird dann der Text zusammengefügt zu einem Ganzen? Dann hätten wir schon nach der ersten Runde entweder einen Text mit 30 Sätzen oder fünf Texte mit 10 Sätzen: 5 + 5 x 5 = 30 oder (5 + 5) x 5 = 50 Sätze in 5 Texten.
Wieviel Milliarden Menschen leben auf der Welt? Und darf jeder in seiner Sprache schreiben?
Selbst in einer globalisierten Welt bleibt doch einiges sehr zersplittert. Das tut aber der Idee eines Globaltextes keinen Abbruch. Wir kommen damit der Idee der klassischen Moderne (klassischer deutscher Idealismus) in der Person Hegels mit seiner Idee des Weltgeistes über die Schiene der Literatur näher. Ein Weltgeist, der sich in einem Globaltext, der aus einem Zusammenspiel von Zufall und Assoziation entstanden ist, manifestiert. Ich glaube, so würde sich der Weltgeist eher offenbaren als in einem Text, der von wem und wievielen auch immer zuvor geplant wäre.
In deinem Vorschlag wäre der Zufall Meister. Und wie sagt man so schön? Es gibt keine Zufälle. Man überlässt die Entstehung des Globaltextes der Natur der Assoziationen. Ein wirklich amüsanter Gedanke. Er hat etwas Anarchisches und Natürliches. Während die Variante eines geplanten Globaltextes immer auch an Institutionen und Machtfaktoren gekoppelt wäre: wer plant auf welche Weise diesen Globaltext? Und das würde zwangsläufig zu Machtkämpfen führen, was in deiner Idee vermieden wird.
Schön finde ich auch die Vorstellung, dass, wenn man das Verfahren mehrmals anwenden würde, auch mehrere Globaltexte mit Milliarden von Sätzen entstünden, die immer deutlicher den Weltgeist zum Vorschein brächten, wenn man sie wie Perlen an einer Kette aneinander Reihen und vergleichend lesen könnte. Vielleicht würden wir in diese Globaltexte den Weltgeist auch hineininterpretieren und man bekäme ganz viele Weltgeister zu Gesicht. Das aber widerspricht doch irgendwo auch wieder der Hegelschen Idee von einem Weltgeist, oder? Traditionell müsste der Weltgeist der Eine und Allesverbindende sein - also mit einem anderen Wort: GOTT. Vielleicht aber kann man sich auch ganz viele Weltgeister vorstellen - in einer totalen Anarchie. Als eine Epochen betrachtet, wäre diese Vorstellung allerdings nicht mehr modern, sondern POSTMODERN oder AVANTGARDISTISCH. Was natürlich kein Argument gegen diese Betrachtungsweise ist, sondern nur eine Feststellung. Das Durcheinander der Globaltexte wäre dann eben avantgardistisch - na und? Es macht Spaß, diesen Gedankenfaden weiter zu spinnen.
In einem kleinen assoziativen Gedankensprung komme ich auf die Frage, ob die größeren Religionen nicht mit dieser Idee eines Globaltextes oder mehrerer Globaltexte zu vergleichen wären.

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Katerina@illusionblau