Bist du eine Puppe an Fäden?

Zeitspiel
Ja, meine Fäden sind unsichtbar. Zumindest als Fäden unsichtbar. Aber die Blicke der anderen, manchmal das Abwenden der Köpfe, das Wegsehen, oder in meine Augen Schauen, ihre Ignoranz, Gleichgültigkeit oder ihr Unverständnis und manchmal ihr Nicken, ihre Zustimmung, manchmal die Anerkennung. Manchmal meine Erinnerung an meine Eltern, und immer die Sprache, der Ton, die Bedeutung der Wörter, ihr Verschweigen. Manchmal das Ausbleiben der Antworten auf ungestellte und doch vorhandene Fragen, auf Fragezeichen, die wie Seifenblasen aus meinem Kopf steigen und nicht zerplatzen wollen, dafür aber umso bunter schimmern. Meistens meine Angst. Sie zieht und zerrt an mir. Wirklich unsichtbar und stets präsent DER TOD. Ich will nicht, dass mein Leben ein langer ruhiger Fluss auf einen Wasserfall ist, ein Fluss ohne Wiederkehr. Dieses «Ich will nicht» macht mich manchmal lenk- und leitbar. Die Zeit ist nicht zu vergessen im ganzen Puppenspiel. Auch sie zieht und zerrt an mir, lässt mich eilig werden, hektisch und fahrig. Die Nase wächst nicht von Lüge zu Lüge und dennoch lässt mich etwas immer wieder in den Spiegel sehen. Ich mache Pläne, bekomme Ideen wie Pickel, die ich durch Projekte auszudrücken versuche, damit ich eine glatte Haut hinterlassen kann, wenn das Fleisch darunter verfault. Bin ich das, der das alles will, was ich zu wollen glaube?

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