SchreibhausEffekte. Eine Anthologie aus dem Schreibhaus mit Lyrik und Prosa von jungen Autorinnen und Autoren

Uri aus dem Schreibhaus
Das Schreibhaus als literarische Talent- und Kaderschmiede, als eine Sportakademie der Sprachkunst, Verbalakrobatik, Poetik und Rhetorik - das wäre mein Traum. In einer Wohlfühlatmosphäre der Kollegialität wird gemeinsam und einzeln um gute Literatur gerungen. Nicht das zur Schau gestellte Ego zwischen zwei Buchdeckeln steht im Vordergrund, sondern wirklich das, was Schwarz auf Weiß gedruckt ist und Literatur ausmacht.
Jenseits der Kinderkrankheiten der Romantik, Vorurteilen wie, das literarische Schreiben sei nicht erlernbar, sondern eine reine Sache des Talents, es erfordere ein gewisses Genie, und die Literatur selbst enthalte quasi göttliche Botschaften aus den Normalsterblichen verborgenen Sphären, nur wahre Poeten könnten diese ergründen und wie Botschafter des Jenseits ins Diesseits der Menschen vermitteln -jenseits all solcher und ähnlicher genialischer Vorstellungen von Literatur gilt es eine Pragmatik für gute Literatur zu entwickeln:
Nicht jede verschlüsselte Botschaft in einem Text macht einen Schreiberling zum Dichter, nicht jede Weisheit ist originell und interessant oder gar durchdacht und mitteilungswürdig; nicht jedes Gleichnis zeugt von Tiefsinn. Sind all diese Vorurteile mal entlarvt und abgelegt, so die Hoffnung, kann entspannt, kollegial, freundschaftlich gar über Texte gesprochen und diskutiert werden. Dieser Diskurs erst mit seiner Prämisse, gute Literatur bedarf der Hinwendung zur Sprache, Welt und Sinnlichkeit kann sprachliche Kreativität freilegen und entfalten. Es geht aber nicht um das Autorenego im Text, um seine Identifizierung mit dem Geschriebenen: «Das habe ich aber so erlebt» oder «Das bin aber ich und das sind meine Gefühle», sondern es geht um eine sachliche Distanz zum Text, die Bereitschaft zur Analyse und zur Entwicklung der Kunstfertigkeit des Schreibens. Ja, dabei gibt es womöglich nicht nur eine Rhetorik der Sprache, sondern auch die der Phantasie.
So sei einmal die Schreibhaus-Philosophie kurz zusammengefasst. Und damit wende ich mich immer mal wieder und immer unermüdlich an Mitmenschen, mit mir gemeinsam, diesen Diskurs zu fördern und Texte zu produzieren, ihr eigenes Schreiben weiter zu entwickeln und ihrer Kreativität freien und kunstvollen, ästhetischen Lauf zu lassen. Nach 20 Jahren möchte ich eine zweite Anthologie herausgeben. Ja, solange ist es her, dass die ersten SchreibhausEffekte erschienen. Es wird Zeit für weitere SchreibhausEffekte.

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