Ask @Schreibhaus:

Braucht man einen Schulabschluss, um Autor werden zu können?

Ich denke, zwei Jahre Grundschulbesuch müssten genügen. Dann kannst du lesen und schreiben - und vor allem schreiben. Und dann steht deinem Autorendasein nichts mehr im Wege. Einen Grundschulabschluss brauchst du nicht unbedingt und erst recht keine Gymnasialempfehlung oder so etwas. Du legst einfach los, sobald du schreiben kannst.

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Wozu genau dient dieser Account hier? Und gibst du Kritik zu Texten? Soll man sich melden, wenn man was vorlesen würde? Ich lese gerne vor.^^

Diesem Account liegt meine Literaturarbeit im Bereich kreativem Schreiben zugrunde, was ich vor fast zwei Jahrzehnten begonnen habe, in dem ich Workshops in kreativem Schreiben gab. Ich wollte, dass das literarische Schreiben nicht mehr dem Bild des einsam vor sich hin brütenden Genies verhaftet bleibt, sondern dass Kreativität und Dichtung auch viel mit Kommunikation zu tun haben können. Es ist nicht alles eine Sache des angeborenen Talents, sondern auch viel eine Sache, die man trainieren und sich aneignen und worin man sich auch verbessern kann. Ich sah Literatur durchaus sportlich sozusagen.
Aber die Szene des kreativen Schreibens entwickelte sich gar nicht so, dass ich mich dort weiter zu Hause fühlen konnte: es entstanden Ratgeber und Handbücher, die den "Interessierten" das Blaue vom Himmel versprachen - und zwar immer in Form von Rezepten. Halte diese und jene Regeln ein, und du wirst ein Schriftsteller und wirst die wunderbarsten Romane schreiben. Und leider Gottes kam zu dieser Zeit auch diese Harry Potter Legende auf, dass sich eine Autorin von der Sozialhilfe zur Millionärin geschrieben haben sollte, was ich noch immer nicht glaube. Es ist eben eine Legende wie vom Tellerwäscher zum Millionär - nur auf Literaten gemünzt.
Also begannen immer mehr Workshopteilnehmer von mir zu erwarten, dass ich ihnen Patentrezepte liefere. Jede Handlung braucht einen dramatischen Spannungsbogen. Dieser entsteht, wenn man unterschiedliche Charaktere einführt, die miteinander in einen Konflikt geraten usw. usf. Am Ende des Films ANTZ wird dieser Quatsch ganz gut auf die Schippe genommen.
Mir ist Literatur viel zu wichtig, als dass ich nur irgendwelche blöden oder weniger blöden Geschichten erzählen will. Es gibt so viele Formen und Möglichkeiten, sich literarisch auszudrücken. Das will ich doch nicht in eine Form gepresst haben. Und dann kam noch hinzu, dass ich natürlich offen und direkt kritisiere und nicht in Lobhudelei ausbreche: "Ei, das hast du aber schön geschrieben. Ich lobe dich und du lobst mich, okay?" Gute Leute brauchen gute Kritik; aber es gibt wenig gute Leute in der Szene. Und die ganze Fantasy-Literatur ist so phantasievoll nicht, wie sie gerne sein will. Und die meisten Leute, die ich kenne, haben überhaupt kein Durchhaltevermögen. Sie wollen mit dem ersten Text schon den besten ihres Lebens geschrieben haben, weil es zu weiteren Texten kaum reicht: keine Zeit, zu viel beruflicher oder schulischer Stress, Familie usw. usf. Der Hinderungsgründe gibt es ganz viele; die Hingabe zum Schreiben fehlt den meisten; kein Engagement, keine Leidenschaft, aber gut sein wollen. Dieses Profil aber zeigt, dass ich nicht bereit bin, die Hoffnung aufzugeben. Man kann mit mir alles über Literatur und Schreiben diskutieren und vieles auch realisieren.

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SchreibhausEffekte Teil 2...

Uri aus dem Schreibhaus
Eine Umfrage, wer sich mit Texten daran beteiligen möchte, habe ich unter meinen ask-Freunden bereits gestartet, und der Rücklauf ist etwa so, wie ich es erwartet habe. Von 30 Personen sind etwa ein Fünftel bereit, daran teilzunehmen. Das ist sehr schön und so kann eine Anthologie entstehen.
Was ist eine Anthologie?
Eine Sammlung von literarischen Texten in einem Buch von verschiedenen Autorinnen und Autoren. Selbstverständlich werden diese namentlich erwähnt, und es ist völlig eindeutig, welchen Text sie verfasst haben.
Eine Anthologie wird unter einem bestimmten Gesichtspunkt zusammengefasst: Z.B. Schreibende Ärzte bringen Gedichte oder auch Prosa zum einem bestimmten Thema heraus. Oder dass es sich bei den Autoren um schreibende Ärzte handelt, reicht schon als ein Gesichtspunkt für eine Anthologie aus.
Mein Gesichtspunkt, unter dem ich die Anthologie SchreibhausEffekte herausgeben möchte, ist: Junge literarische Talente präsentieren ihre Texte und diskutieren über diese mit dem Lektor, also mit mir in diesem Fall. Und der ideelle Gesamtrahmen ist in Teil 1 meines Beitrages beschrieben.
Ich kann euch dafür kein Honorar anbieten. Das heißt, ihr werdet zwar am Reingewinn des Buches, was für alle Autoren in Abrechnungen klar ersichtlich ist, beteiligt. Aber es gibt kein festes Honorar unabhängig von den Verkaufszahlen.
Ich selbst möchte von euch nur Diskussionsbereitschaft und Texte. Kein Geld spielt dabei eine Rolle. Die Texte können auch zuvor anderswo veröffentlicht worden sein; solange ihr die Verwertungs- und Urheberrechte habt, nehme ich alle eure Texte, die mir gefallen oder von denen ihr mich irgendwie überzeugt, dass sie in die Anthologie sollten. Also seid bereit und schickt mir Texte und diskutiert.
Zum technischen Verfahren: Ich nehme eure Texte auch gerne per Email: uri@schreibhaus.de. Aber wenn es zu einer Diskussion kommen sollte, dann lege ich eine Datei unter Google-Documents an, wozu nur der/die Autor/in und ich Zugang haben. Dort lektorieren wir, d.h. diskutieren Texte, ihre Stärken und Schwachstellen. Eventuell führt dann der Autor Änderungen durch und dann wird der Text veröffentlicht. Wenn es sehr interessante Diskussionen geben sollte, würde ich diese in einem Extrakapitel eventuell auch veröffentlichen - euer Einverständnis immer vorausgesetzt. Nicht passiert ohne eure Zustimmung.

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SchreibhausEffekte. Eine Anthologie aus dem Schreibhaus mit Lyrik und Prosa von jungen Autorinnen und Autoren

Uri aus dem Schreibhaus
Das Schreibhaus als literarische Talent- und Kaderschmiede, als eine Sportakademie der Sprachkunst, Verbalakrobatik, Poetik und Rhetorik - das wäre mein Traum. In einer Wohlfühlatmosphäre der Kollegialität wird gemeinsam und einzeln um gute Literatur gerungen. Nicht das zur Schau gestellte Ego zwischen zwei Buchdeckeln steht im Vordergrund, sondern wirklich das, was Schwarz auf Weiß gedruckt ist und Literatur ausmacht.
Jenseits der Kinderkrankheiten der Romantik, Vorurteilen wie, das literarische Schreiben sei nicht erlernbar, sondern eine reine Sache des Talents, es erfordere ein gewisses Genie, und die Literatur selbst enthalte quasi göttliche Botschaften aus den Normalsterblichen verborgenen Sphären, nur wahre Poeten könnten diese ergründen und wie Botschafter des Jenseits ins Diesseits der Menschen vermitteln -jenseits all solcher und ähnlicher genialischer Vorstellungen von Literatur gilt es eine Pragmatik für gute Literatur zu entwickeln:
Nicht jede verschlüsselte Botschaft in einem Text macht einen Schreiberling zum Dichter, nicht jede Weisheit ist originell und interessant oder gar durchdacht und mitteilungswürdig; nicht jedes Gleichnis zeugt von Tiefsinn. Sind all diese Vorurteile mal entlarvt und abgelegt, so die Hoffnung, kann entspannt, kollegial, freundschaftlich gar über Texte gesprochen und diskutiert werden. Dieser Diskurs erst mit seiner Prämisse, gute Literatur bedarf der Hinwendung zur Sprache, Welt und Sinnlichkeit kann sprachliche Kreativität freilegen und entfalten. Es geht aber nicht um das Autorenego im Text, um seine Identifizierung mit dem Geschriebenen: «Das habe ich aber so erlebt» oder «Das bin aber ich und das sind meine Gefühle», sondern es geht um eine sachliche Distanz zum Text, die Bereitschaft zur Analyse und zur Entwicklung der Kunstfertigkeit des Schreibens. Ja, dabei gibt es womöglich nicht nur eine Rhetorik der Sprache, sondern auch die der Phantasie.
So sei einmal die Schreibhaus-Philosophie kurz zusammengefasst. Und damit wende ich mich immer mal wieder und immer unermüdlich an Mitmenschen, mit mir gemeinsam, diesen Diskurs zu fördern und Texte zu produzieren, ihr eigenes Schreiben weiter zu entwickeln und ihrer Kreativität freien und kunstvollen, ästhetischen Lauf zu lassen. Nach 20 Jahren möchte ich eine zweite Anthologie herausgeben. Ja, solange ist es her, dass die ersten SchreibhausEffekte erschienen. Es wird Zeit für weitere SchreibhausEffekte.

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Bist du eine Puppe an Fäden?

Zeitspiel
Ja, meine Fäden sind unsichtbar. Zumindest als Fäden unsichtbar. Aber die Blicke der anderen, manchmal das Abwenden der Köpfe, das Wegsehen, oder in meine Augen Schauen, ihre Ignoranz, Gleichgültigkeit oder ihr Unverständnis und manchmal ihr Nicken, ihre Zustimmung, manchmal die Anerkennung. Manchmal meine Erinnerung an meine Eltern, und immer die Sprache, der Ton, die Bedeutung der Wörter, ihr Verschweigen. Manchmal das Ausbleiben der Antworten auf ungestellte und doch vorhandene Fragen, auf Fragezeichen, die wie Seifenblasen aus meinem Kopf steigen und nicht zerplatzen wollen, dafür aber umso bunter schimmern. Meistens meine Angst. Sie zieht und zerrt an mir. Wirklich unsichtbar und stets präsent DER TOD. Ich will nicht, dass mein Leben ein langer ruhiger Fluss auf einen Wasserfall ist, ein Fluss ohne Wiederkehr. Dieses «Ich will nicht» macht mich manchmal lenk- und leitbar. Die Zeit ist nicht zu vergessen im ganzen Puppenspiel. Auch sie zieht und zerrt an mir, lässt mich eilig werden, hektisch und fahrig. Die Nase wächst nicht von Lüge zu Lüge und dennoch lässt mich etwas immer wieder in den Spiegel sehen. Ich mache Pläne, bekomme Ideen wie Pickel, die ich durch Projekte auszudrücken versuche, damit ich eine glatte Haut hinterlassen kann, wenn das Fleisch darunter verfault. Bin ich das, der das alles will, was ich zu wollen glaube?

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Was ist ein Autodidakt?

Ein Autodidakt ist jemand, der Autos belehrt, wie sie schneller, besser und zugleich leiser fahren können. Er bringt ihnen auch Umweltschutz bei und wie sie bei hohen Drehzahlen des Motors weniger Schadstoffe ausstoßen.
Denn ein Didakt ist immer jemand, der weiß, wie man anderen etwas beibringt.
Also ist ein Autodidakt jemand, der Autos eben die oben genannten wichtigen Dinge lehrt.
Es gibt aber auch Leute, die behaupten mit den Autodidakten sei es so wie mit den Straßenverkäufern und Eisverkäufern oder Autoverkäufern. Aber das letztere Wort verkompliziert die Diskussion nur noch mehr. Denn Eisverkäufer verkaufen Eis, weshalb man sie Eisverkäufer nennt.
Straßenverkäufer aber verkaufen keine Straßen, sondern sie verkaufen ihre Waren auf der Straße und werden aus diesem Grunde «Straßenverkäufer» genannt. Was aber mache Autoverkäufer? Sie verkaufen wie Eisverkäufer Eis verkaufen Autos.
Aber Eisverkäufer sind häufig auch Straßenverkäufer, wie jedes Kind weiß, das auf den Eismann wartet. Denn er verkauft sein Eis auf der Straße.
Also gilt das Argument auch in analoger Weise für Autoverkäufer: sie verkaufen Autos auf der Straße. Sie sind sozusagen Auto- und Straßenverkäufer, wobei aber ein Straßenverkäufer niemals eine Straße verkauft, weil ihm keine Straße gehört.
Um jetzt nicht vom Thema abzukommen: Der Autodidakt ist, wie manche behaupten nicht jemand, der Autos belehrt, sondern jemand der andere über Autos belehrt, also quasi ein Fahrlehrer.
Ganz irrig hingegen liegen jene, die sagen, dass das Wort «Autodidakt» mit Autos so rein gar nichts zu tun habe. Dann könnte man doch genauso sagen, dass das Wort «Autodidakt» auch rein gar nichts mit «Didakt[ik]» zu tun habe, also überhaupt nicht mit Lehren und Belehren zusammenhängt.
Da es ja auch Teekesselwörter gibt, die zwei unterschiedliche Dinge bedeuten, glaube ich, dass Autodidakt sowohl «Fahrlehrer» als auch «Autolehrer» bedeutet, wie eben ein Sportlehrer Sport unterrichtet und ein Musiklehrer Musik. Sie alle sind Didakten.

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Was für ein Schulabschluss hast du?

Was spielt das für eine Rolle? Möchtest du wissen, welche Legitimation ich habe, hier über Literatur zu schreiben? Es ist die der Meinungs- und künstlerischen Freiheit.
Möchtest du wissen, wie man so schreiben lernt wie ich? Da kann ich dir nur sagen, nicht indem man blöde nach Schulabschlüssen fragt und in der Frage auch noch einen Grammatikfehler hat.
Ich weiß, es wird immer und überall nach Abschlüssen gefragt und von Abschlüssen geredet. Die Schriftstellerei aber erfordert andere Qualifikationen als Schulabschlüsse. Und Bildung erreicht man nicht durch Schulabschluss - das ist eine große Lüge der Ausbeutergesellschaft, um Menschen gefügig zu machen: Bist du nicht brav, bekommst du keinen Schulabschluss und schon hast du keine Chance in dieser Gesellschaft.
Ich kann nur sagen: Lerne, was das Zeug hält, aber lass dich nicht betrügen.

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Was hältst du von @Klugdiarrhoe?

Puppenspieler
Jetzt muss ich mich aber selbst bewerten - ich nehme an, dass du genau das gewollt hast, du nobler Puppenspieler, den ich doch schon des öfteren mal auf dem Profil und im Visier hatte. Mein bester Kritiker bin ich womöglich nicht, obwohl ich mich gerne in meinem Selbstverständnis und Selbstbewusstsein als selbstkritisch einschätze. Ja, wer macht das eigentlich nicht? Wer will schon zugeben und sich nachsagen, dass er mit sich unkritisch umgeht. Aber mal ehrlich: Nicht jeder Selbstzweifel verdient den Namen „Kritik“.
Doch die Gelegenheit, einmal einen Blick von außen auf mich zu werfen, sollte ich ergreifen. Der Fortsetzungsroman entwickelt sich, obwohl er sehr wenig geherzt wird, ausgezeichnet und ist ein interessantes literarisches Experiment von beachtlichem Niveau. Die guten Herausforderungen von @MaulwurfKuchen, mit Absurditäten die Romanhandlung abzuschießen, hat @Klugdiarrhoe ebenso gut pariert. In diesem Zusammenhang kann ich nur auf die Antworten:
http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/116914003897
http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/117386670265
http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/117410000825
verweisen.
Es ist gut, ja, sogar sehr gut, dass sich @MaulwurfKuchen an diesem Roman beteiligt und sich engagiert. Besser wäre es aber, wenn auch andere Einwürfe machen und Herausforderungen formulieren würden. Aus ask.fm wollen zwar viele literarisch und sonstwie kreativ sein; aber tatsächlich kreativ zu sein, ist gar nicht einfach und schnell setzt man sich in der Öffentlichkeit auch Kritik aus. Man darf nicht vergessen, dass Plattformen wie facebook oder ask.fm einen öffentlichen Raum darstellen. Einige können dieser Tatsache nur durch Anonymität Rechnung tragen. Manche machen aus dieser Anonymität aber auch wirklich gute Profil- und Identitätskunst; einige schwanken zwischen Anonymität und Authentizität; und @Klugdiarrhoe setzt voll auf die Karte des authentischen Spiels. Siehe Antwort: http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/116957049273 Er spielt, aber er spielt mir großem Ernst und manchmal spielt er leider mit viel zu großem Ernst und kämpft mit zu harten Bandagen; siehe seine Antworten an @Gehirn_Zelle: http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/117411042745 Da schlägt er zu, bis das kleine graue Ding ausrastet: http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/117428690873 Da frage ich mich im Nachhinein: Muss das sein? Kann man als alter Sack nicht infantilen Rationalismus und Pseudointellektualismus nicht mal stehen lassen? Das kleine graue Ding will halt auch glänzen wie alle in der Öffentlichkeit des Netzes. Das Klugscheißerle mit Durchfall ja auch :)

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Was bedeutet Schreibaufgabe?

Manche Menschen suchen Anlässe zum Schreiben; es können Themenvorschläge sein, Bilder und Fotos, zu denen sie Texte schreiben; es können Textfragmente sein, die fort- oder umgeschrieben werden; Anfänge von Geschichten, die sie fortsetzen können. Eigentlich sollte man hier in diesem Zusammenhang das Wort «Aufgabe» nicht zu eng und streng sehen; eine Aufgabe kann auch ein Anlass und eine Anregung sein, die das Schreiben zwar auslöst, dann aber der Autor / die Autorin ganz andere eigene Wege geht, als es sich vielleicht der Aufgabensteller gedacht hat. Streng genommen wäre dann die Aufgabe nicht gelöst, das Thema verfehlt oder ähnliches; aber das Schreibhaus ist doch keine Schule. Hier geht es um Anstöße für Kreativität; und Kreativität braucht zwar Kriterien -vor allem die Kritik der Ergebnisse bedarf der Kriterien- aber sie braucht bestimmt keine starren Regeln.
Im Schreibhaus bedeutet den Regeln zu folgen, sie im Wittgensteinschen Sinne anzuwenden. In jedem Satz, den wir bauen, folgen wir den Regeln der Grammatik; selbst in jedem Witz, den wir machen, folgen wir Regeln des Humors. Und Regeln verstehen heißt, sie individuell richtig anwenden zu können. Ich habe eine Regel dann richtig angewandt, wenn ich die Reaktion oder das Ergebnis erhalte, die bzw. das ich erhalten wollte. Wenn ich einen Witz mache, und damit bei allen ein Kopfschütteln ernte, ich aber ein Gelächter haben wollte, habe ich die Regeln nicht richtig angewandt. Es kann aber doch auch sein, dass ich genau Kopfschütteln haben wollte. Dann hätte ich alles richtig gemacht, da mein Witz zur Provokation dienen sollte und nicht zur Erheiterung. Und umgekehrt, wenn ich ein Gelächter dort erhalte, wo ich provozieren wollte, hätte ich auch etwas falsch gemacht.
Regeln sind also keine festen Kontext unabhängigen Elemente, sondern sie sind situations- und Kontext gebunden. Und so gibt es auch ästhetische und poetische Regeln der Literatur und des Schreibens. Wenn man diese aber wie Kochbuchzutaten behandelt: «man nehme zwei Figuren, die sich in Charakter und Typ unterscheiden; einen Konflikt usw.», hat man die Regeln der Poetik überhaupt nicht verstanden.
Diejenigen Handbücher für kreatives Schreiben, die solche und ähnliche Tipps geben, gehen einfach von konventionellen Standards beim Lesepublikum aus und denken, wenn dessen Gewohnheiten bedient werden, hat man als Autor größeren Erfolg. Aber selbst das konservativste Publikum möchte nicht einfach nur das Altbekannte, sondern auch etwas, wenn auch in vorsichtiger Dosierung, Neues, Unbekanntes, Innovatives.
Und noch eine Bemerkung zum Schluss: In der Kritik muss man Analytisches und Geschmacksurteile auseinander halten: Eine Kritik, die nur auf Geschmacksurteilen basiert, verfehlt ihren Begriff, da Geschmack weder normativ noch verallgemeinerbar ist. Kein Mensch muss Zwiebelsuppe mögen. Wenn jemand sagt: «Ich mag keine Zwiebelsuppe», ist es ein Geschmacksurteil; die Aussage: «Die Zwiebelsuppe ist versalzen» aber ein analytisches Urteil.

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Wie verhälst du dich in Frustrationssituationen?

Ein Fluchttier bin ich und weiche aus; meistens schon der geahnten Frustsituation. Ich bereite mich innerlich auf Erfolg vor, obwohl ich weder besonders erfolgreich bin noch gut Erfolg vertragen kann. Erfolg macht mich unsicher, ich komme mir vor wie ein Kaufhausdieb, der sich vor der Überwachungskamera und vor den Augen der Welt produziert. Ein Kleptomane, der unbedingt erwischt werden will und den Fähigkeiten des Kaufhausdetektivs nicht traut - wahrscheinlich schläft der Idiot vor den Überwachungsmonitoren, während ich hier das Regal unter meine Jacke stopfe.
Ich bin ein guter Verlierer - nach einem gelungenen Kampf, in dem alles bestens lief und ich die Gegner so richtig ins Schwitzen brachte und schon so führte, als sei der Sieg mir nicht mehr zu nehmen, wendet sich im letzten Viertel vor der Ziellinie das Blatt und ich verliere knapp, kann ich mich mit den Siegern freuen und es ist mir fast nach Jubeln zumute. Ich weiß, an Anerkennung wird es mir nun nicht fehlen und auch nicht an Respekt - wozu also sollte ich den Sieg nicht den anderen gönnen?
Freunde und Teamkollegen, die sich als falsche Hunde heraus stellen, feige und verräterisch im letzten Moment doch lieber mit dem Strom schwimmen als mit mir die Niederlage zu teilen, die ich mehr schätze als den Sieg, frustrieren mich zutiefst. Und ich muss sagen: ich verhalte mich ihnen gegenüber böse und kann mit dieser Frustration nicht richtig umgehen. Manche wollen einfach nur auf das Siegerpodest - egal wie. Mir ist das Wie des Kampfes immer wichtiger als das Resultat. Manchmal ist es ein einsames Geschäft.

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Welches Zitat lebst du aus?

Zeitspiel
Die Frage nach dem ausgelebten Zitat habe ich ja schon auf dem @Klugdiarrhoe -Account beantwortet: http://ask.fm/Klugdiarrhoe/answer/115741089721 Aber sie gefällt mir so gut, dass ich nur ein Account für ausgelebte Zitate einzurichten gedenke ;) Aber mal Spaß beiseite. Ich bin froh, dass ich auch auf diesen Account die Frage bekommen zu haben.
Ich präferiere immer mehr Diogenes von Sinope als meinen Lieblingsphilosophen mit seinem Spruch gegenüber Alexander dem Großen, der ihn besuchte und von ihm seine philosophischen Lehren hören wollte und ihm als Gegenzug einen Wunsch frei stellte. Darauf Diogenes nur: «Geh mir aus der Sonne!» Das verbindet alles, was ich zur Zeit schön finde: 1. Es ist mutig, unerschrocken und bis zur Despektierlichkeit anarchisch dem großen Herrscher mit einem solchen Imperativ zu begegnen; 2. er hätte sich einen Palast wünschen können für eine eigene große Akademie, um seine Philosophie zu institutionalisieren, seinen Schülern zu imponieren, um seine Lehren an repräsentative Immobilien zu binden und ihnen dadurch eine Respekt einflößende Ausstrahlung zu verleihen; er hätte eine neue Staatsphilosophie für die griechische Antike entwerfen können; er hätte zu diesem Palast sicherlich auch einen Garten wünschen können mit Kirsch-, Apfel-, Birn-, Maulbeer- und Feigenbäumen. Labyrinthe aus Johannisbeersträuchern und Rosenstöcken für Rosenmarmelade und Rosenöl. Er hätte ein Kloster der Lust entwickeln können, Gundel würde es wahrscheinlich Ashram nennen (@Heutebinich14) und er hätte von dort aus einen Sensualismus als Botschaft in die Welt schicken können, was vor Lebensfreude nur so gestrotzt hätte. Er hätte damit die Welt revolutionieren können in Richtung Friedfertigkeit und Hedonismus.
Er aber er sagt statt dessen: «Geh mir aus der Sonne!» Und ich? Ich bin heute noch damit beschäftigt zu ergründen, welch eine Voraussicht in diesem Mann steckte, der gewisslich diese Träume mit mir geteilt hätte, aber sehr genau wusste, dass sie nur Schäume gewesen wären und niemals ideell in Erfüllung gegangen.
Natürlich hätte er seinen Palast und all die Bäume bekommen, die Johannisbeersträucher und die Rosenstöcke für Marmelade und Öl, Pfirsichbäume obendrein; er hätte eine Bibliothek anlegen können und seine Lehren verschriftlichen und irgendwann hätte er feststellen können, dass seine Lehren nicht mehr seine wären; er würde nur noch für den Palast und den Garten schreiben, für die Macht und das Ansehen, für den Herrscher und seinen Staat, für ein Denkmal und ein verlogenes Versprechen der Ewigkeit. Was für ein Aufwand! Er sagte sich: «Ewigkeit? Ich muss nur sagen "Geh mir aus der Sonne" und darüber werden die Menschen in zweieinhalb Tausend Jahren noch nachdenken».

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Erläutere die Aufgabe «Stell dir vor...» - Liebesbrief(e) an eine fiktive Person? Auch noch an eine, die man selbst erfunden hat?

Uri aus dem Schreibhaus
Die Aufgabe fängt mit den Worten an «Stell dir vor...» Das Wesentliche also gleich vorneweg; es geht nicht darum, dass sich jemand tatsächlich in eine Figur verliebt, die er sich ausdenkt. Es ist ein Appell an die Vorstellungskraft des Autors. Die Aufgabe verdoppelt die Autorschaft: «Stell dir vor...» du bist ein Autor; und schon geht es überhaupt nicht um dich und mich als realen Autor, sondern um die Vorstellung eines Autors von einem Autor. Damit sollte die Phantasie herausgefordert werden.
Die nächste Schwierigkeit wäre dann aber an sich schon wirklich schwer genug, nun aber erschwert durch die erste Verschachtelung der Autoren. Sie bezieht sich auf die Liebeserklärung des fiktiven Autors oder der fiktiven Autorin, die es zu formulieren gilt - und zwar so elegant und ansprechend wie möglich. Denn ein einfaches Zettelchen zum Ankreuzen mit «Willst du mit mir gehen? Ja [] Nein [] Vielleicht []» wäre doch wirklich Kinderkram und Grundschulniveau.
Nicht viel besser ist es um den Stil gestellt, wenn man der geliebten Person sofort das Hindernis der Liebe vor den Latz knallt: «Hey, ich habe mich in dich verliebt, aber du bist eine Negerin und ich ein Nazi!» So charmant wie ein Furz! Wie brav in der Schule gelernt oder eben verinnerlicht, weil richtig eingetrichtert bekommen, wird die Aufgabenstellung in der Antwort indirekt oder direkt wiederholt. Schließlich will der Lehrer den Beweis, ob du überhaupt die Aufgabe verstanden hast und diese soll lauten: schreibe einen Liebesbrief an eine von dir ausgedachte Person!
Wirklich? Das ist eine ganz andere Aufgabe in einem ganz anderen Kontext. Das hat mit dem Schreibhaus überhaupt nichts zu tun. Das ist die Aufgabe: Schieß dich zum Mond und angle Fische!
Meine Aufgabe war eine andere gewesen: «Stell dir vor...» Und dann wurde die Situation vorgestellt, was man sich ungefähr vorstellen sollte: «du willst einen Roman schreiben und denkst dir eine Hauptfigur aus». Nun gilt es, sich genau dies vorzustellen. Hast du schon Erfahrungen mit dem Schreiben eines Romans? Hast du den einen oder anderen schon angefangen und nie zu Ende geführt? Woran lag es? Oder hast du gar tatsächlich schon einen Roman geschrieben? Wie hast du angefangen? DU - NICHT DER ROMAN! Den Anfang des Romans kann man ja nachlesen; aber was hast du als ersten Schritt getan? Folgtest du einem spontanen Einfall? Oder hast du lange geplant und zuvor recherchiert? Hast du mit dir gehadert? Oder wusstest du sofort, was du willst?
Und wenn du noch gar keinen Roman geschrieben hast, wird es noch intensiver mit der Vorstellungskraft: wie könnte dein fiktiver Autor, dein fiktives alter Ego, anfangen einen Roman zu schreiben? Einige Hinweise auf Möglichkeiten findest du ja auch in der Frage. Und dann entwickelt sich etwas zwischen deinem fiktiven du und der Figur. Ich hätte auch schreiben können: stell dir irgendeinen Autor vor. Das hätte ebenso gut funktionieren können. Aber ich wollte die Schwierigkeit nicht unnötig erhöhen. Ich dachte, ...

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Erläutere die Aufgabe «Stell dir vor...» Teil 2:

Uri aus dem Schreibhaus
es wäre leichter, wenn man sich selbst in einer ausgedachten Situation handelnd denkt. Aber vielleicht habe ich damit auch ungewollt eine Falle gestellt und es wäre wirklich leichter gewesen, wenn ich geschrieben hätte: «denk dir einen Autor aus und stell dir vor...»
Wir sollten uns ohnehin in die Tätigkeit der Schriftstellerei bewusst hinein phantasieren. Irgendwie malt sich jeder schreibinteressierte Mensch, wie es wäre, wenn er Schriftsteller wäre. Würde er mit seinem Notizblock am Strand sitzen und schreiben, im Wald spazieren gehen? Oder würde er sich in seinem stillem Kämmerlein Wochen lang einschließen und keinen Schritt mehr vor die Tür setzen, bis sein Text fertig ist. Würde er mit der Hand schreiben oder mit dem Computer? Wie würde er seine Texte überarbeiten? Und wie würde er auf seine Ideen und Einfälle kommen?
Nun wird es aber ganz schwierig. Das alles lässt sich doch niemals in einem Brief niederschreiben. Tatsächlich wäre das schier unmöglich und war auch nicht in dieser Form Bestandteil der Aufgabe, sondern vielmehr ist solch ein phantasievolles Ausmalen wichtig, um den Grund und Boden für diesen einen Brief zu bilden. Je mehr Hintergrund existiert, desto fülliger kann der Brief geschrieben werden.
«Liebe Katja,
wie du sicherlich auch schon über mich gehört haben wirst, wird mir ein schwieriges Verhältnis zu Frauen nachgesagt. Vor über einem Jahrzehnt hatte schon ein guter Freund meinen Darstellungsstil bemängelt und mir gesagt, ich gäbe mir mit meinen Frauenfiguren überhaupt keine Mühe. Aber Menschen können sich ändern...»
Das könnte nun autobiographisch sein oder auch erfunden. Das spielt überhaupt keine Rolle. Vielleicht hat mir ein Freund diesbezüglich etwas gesagt, vielleicht aber auch nicht. In dem Brief jedenfalls scheine ich mit einem ganz anderen Problem anzufangen als die Aufgabe vorgibt. Aber das täuscht. Mit einem kleinen Satz bin ich bei der Sache: «Durch dich, liebe Katja, hat sich mein Verhältnis zu meinen Frauenfiguren in meinen Erzählungen und Romanen verändert.»
So werde ich meiner Geliebten immer mehr Honig um den Mund schmieren, ohne sofort mit der Tür ins Haus zu fallen. Schließlich will ich sie für mich gewinnen und nicht durch mein Getrampel in die Flucht schlagen. Und wenn jetzt jemand meint, es sei doch egal, denn sie sei ja mein Geschöpf also auch in meiner Hand, der hat von der Liebe nichts begriffen. Es entsteht durch die Liebe meines literarischen Ichs zu seiner Geliebten eine paradoxe Situation: sie verselbständigt sich in gewisser Weise. Gut geschriebene Romanfiguren sollten das auf jeden Fall; sie entwickeln eine Eigendynamik.
Und in zwei Antworten wirkt diese Eigendynamik wieder auf das verliebte Ich zurück - und zwar in Form von Eifersucht. Das fand ich besonders einfallsreich, um mal das Wort genial für andere Fälle in Zukunft aufzuheben. In einem Roman nur aus Briefen und nicht nur in einem einzigen Brief könnte man nun eine ganze Welt von Konflikten und Personen schaffen und am Ende...

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Welche Zukunft hat das Schreibhaus überhaupt? Teil 3...

Uri aus dem Schreibhaus
schnell, erfolgreich einen oder mehrere Romane auf den Markt zu bringen. Als Orientierungshilfe und Vorbild diente ihnen «Harry Potter». Selbst der letzte Workshop vor einem Jahr hatte eine Teilnehmerin, die mit der entsprechenden Fachliteratur für Creative Writing das Patentrezept des Schreibens gefunden zu haben glaubte und die anderen drei Teilnehmer mit ihrer mit Löffeln gefressenen Weisheit penetrierte. Alle eingesandten Texte zu einem ausgeschriebenen Wettbewerb, aus dem die Autoren zu einem Workshop eingeladen wurden, erfüllten nicht meine Erwartungen an eine halbwegs ordentliche Literatur. Und aus dem Workshop selbst erwuchs auch nichts Gescheites. So hätte man das Kapitel des kreativen Schreibens schließen können. Klappe zu, Affe tot.
Aber irgendwie lässt mich die Vision, was man alles machen könnte und eigentlich auch müsste, nicht in Ruhe. Selbst in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts mussten wir, obwohl das Schreibhaus online ging und eine virtuelle Schreibakademie eröffnete, um Workshops im kreativen Schreiben zu verwirklichen und auch das Schreiben im Team zu versuchen, was wir auch ohne das Internet schon ausprobiert hatten, mit einer Mischung aus Genieästhetik, Unterhaltungsästhetik und Erwartungen an ein Patentrezept für schriftstellerischen Erfolg kämpfen.
Auch wenn sich die technischen Möglichkeiten mit Web 2.0 und Socialmedia sehr erweitert haben, hat sich die Stadt «Kreatives Schreiben» nicht wesentlich verändert. Der Geist der Schriftstellerei bleibt hinter den technischen Möglichkeiten weit zurück im Sumpf romantischer Mythen stecken. Und meine Vision bleibt Sehnsucht nach einem Team von Autorinnen und Autoren, die ästhetisch und poetisch eigene Wege beschreiten, weder an die Genieästhetik glauben noch an die Botschaftsträchtigkeit ihrer Texte, die sowohl teamfähig sind als auch individuell virtuos in ihrer Sprache und Fabulierkunst, die Experimente wagen, Neues ausprobieren und nicht sofort nach Erfolg und herrschenden Klischees schielen. Selbst bei dem Versuch, ein Theaterstück zu zweit zu schreiben, sind wir vor einigen Wochen kläglich gescheitert und haben uns zerstritten. Ich schöpfe meinen derzeitigen Optmismus aus der Idee und aus dem Jazz im Theater, in dem ich arbeite, da ich sehen kann, dass individuelle Virtuosen sehr wohl improvisierend und alte Themen und Standards aufgreifend sehr erfolgreich (was das ästhetische Niveau anbelangt) arbeiten können.
Mir wurde die Möglichkeit eingeräumt, mich experimentell durch Rezitationen einzubringen. Meine Hoffnung speise ich also derzeit gar nicht aus der Realität der Literatur, sondern der Musik. Aber zaghafte kleine Pflänzchen tun sich auch in der Literatur auf - so zum einen im SOKRATES und zum andern vielleicht durch weitere Autor/innen auf ask.

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warum schreibst du immer so lange Texte

Ich schreibe gerne und viel; habe Spaß meine Gedanken zu entfalten und Dinge ausführlich darzulegen, die mir durch den Kopf gehen und dennoch muss natürlich eine gewisse Verhältnismäßigkeit von Inhalt und Textlänge gewahrt bleiben und es darf nicht in Geschwafel ausarten. Habe ich jetzt schon wieder zu lange geschrieben?

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ich will so ne Schreibaufgabe haben, aber ohne Bild, weil zu Bildern fällt mir nie was ein :D

«so ne Schreibaufgabe»? Geht's noch? Fangen wir gleich mal mit der ersten Aufgabe an: formuliere bitte eine grammatisch und stilistisch ordentliche wie für mich halbwegs interessante Frage, so dass ich das Gefühl bekomme, es lohnt sich, mich weiter mit dem Fragesteller zu beschäftigen. Stell dir dazu vor: du bist nicht beim Metzger an der Theke, sondern in einer Literaturakademie. Danach kommt der zweite Schritt.

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Zur Vorgehensweise auf diesem Profil...

Uri aus dem Schreibhaus
Es geht darum, hier literarische Texte aller Art und Gattungen auch Experimentelles, vorzustellen und zu diskutieren, zu kritisieren und analysieren. Ein Vorschlag für die Vorgehensweise ist: ihr stellt den in Frage kommenden Text auf eurem Profil ins Netz und verlinkt ihn in eurer Frage auf diesem Profil. So kann ich den Text hier kommentieren und euch auch Gegenfragen auf euerem Profil stellen.
Wer möchte, kann auch Schreibaufgaben von mir erhalten oder mir welche stellen.
Ich möchte auch gerne Gemeinschaftsprojekte kollaborativen Schreibens mit Interessierten ausprobieren. Dazu können wir Google-Drive benutzen. Wenn ihr einen Abschnitt in einem Dokument geschrieben habt, setzt ihr eine Fußnote mit eurem Ask-Namen. Fragen und Diskussionen gibt es dann wieder auf ask und kleinere Kommentare im Drive-Dokument selbst.
Hier ein Experimentierbeispiel: https://docs.google.com/document/d/1aWdrQkfHRmuH4cVRwKhknACjPXT5UwHw_oTMjoZ5HSI/edit?usp=sharing
Nun könnte man diesen Text weiter schreiben, umschreiben oder kommentieren; Geschichten dazu ausdenken, weitere Personen und auch Frage dazu stellen: Um wen handelt es sich? Was ist sein Problem? Was ist geschehen?
Ihr könnt auch selbst Google-Drive-Dokumente einrichten und Kommentare oder die Möglichkeit zum Editieren zulassen.
Ich bin gespannt.

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15.10.14: Wissen Dumme, dass sie dumm sind? (Frei interpretierbar)

just me
Nein, gewisslich nicht. Denn dieses Wissen würde ihre Sphäre der Dummheit erheblich stören. Nur Sokrates wusste, dass er nichts wusste und war damit der weiseste unter den Menschen. Wir hingegen, sind weit davon entfernt, als läge Athen auf einem anderen Stern.

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Ich habe deine Frage bezüglich der Anthologie erhalten und möchte nochmals sagen, dass ich sehr gerne mitmachen würde. Am liebsten würde ich den Text (dann, wann er fällig ist), hier auf meiner ask-Seite zeigen, oder dir ansonsten eine E-Mail schicken, wenn´s okay ist.

Zücho
Ja, das ist völlig okay. Du kannst, wenn der Text in die Antwortfelder von ask passt, es so handhaben, dass du mir einfach eine Frage-Message schickst und den Link deines Textes. Es können auch mehrere kürzere Texte sein. Insgesamt will ich, dass die Anthologie unter 300 Seiten bleibt. Das würde aber zur Zeit für jede/n Teilnehmer/in an die 60 Seiten bedeuten. Also Platz ist vorhanden im Schreibhaus, ha, ha. Mir fehlen gute Texte. Und wie schon gesagt: Ich bin nicht unkritisch bei der Auswahl, aber auch nicht so engherzig. Schließlich gehe ich mit meinen eigenen Fehlern auch locker um und mache eine Menge, wenn man mein Spontangetipse noch einmal durchliest, findet man immer kleine Klöpse. Aber liefere mir trotzdem keinen Klops.

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Du kannst nur 1000 Wörter sagen, danach stirbst du. Wen würdest du alles deine letzten Worte richten?

Zeitspiel
Die genialste Antwort darauf hat schon Doc Parranoia gegeben. http://ask.fm/DoctorParranoia/answer/116637524801 Wie klug von ihm, einfach nichts mehr zu sagen, weil es ihn unsterblich machen würde! Ich würde seinem Beispiel folgend auch nichts mehr sagen und nur noch schreiben. Aber ich habe dein «sagen» in deiner Frage nicht so wörtlich genommen und dachte, auch das Schreiben gehörte dazu. Und auch wenn man nichts sagte, würde man irgendwann in Bälde sterben. Dann hätte ich meine letzte kurze Rede einfach ins Internet gestellt und wäre über den Jordan gegangen. So aber gehe ich lieber ins Irrenhaus von @DoctorParranoia , von dem man einiges lernen kann.

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http://ask.fm/Schreibhaus/answer/116034261581 Uri ich versuche deinen langen und ausschweifenden Text zu verstehen, aber ich schaffe es nicht. Worum handelt es?

Zeitspiel
Ich finde den Text weder ausschweifend noch unverständlich. Worum handelt es sich bei diesem Account? Oder «wozu genau dient dieser Account hier?» lautete die Frage. Ich ging in die Vergangenheit, holte aus, um mein Anliegen darzustellen: Literaturproduktion in Gemeinschaft mit anderen, Diskussion über Literatur, Literaturkritik und Geschmack.
Ich bin enttäuscht, weil sich die Szene, die sich damals überhaupt neu formierte, sich so entwickelte, dass ich mich darin unmöglich zu Hause fühlen konnte. Der 2. Absatz beschäftigt sich genau damit. Kurz: Alle wollen ein Kochbuch, ein Rezept für einen "guten" Text. Ich will mit anderen kreativ handeln, agieren, agierend lernen, spielen, spielend besser werden. Jeder auf seine Art und keiner nach einem festen vorgefertigten Rezept.
Alle aber geben in der Szene mit vorgefertigten Rezepten an. Dann kommt meine Kritik an den Leuten, die angeblich gerne schreiben wollen, aber tausend Gründe (er)finden, warum es im Moment nicht geht.
Warum hast du eigentlich auf SOKRATES keine Lust mehr gehabt? Zu viel Arbeit? Zu viel andere Dinge zu tun? Es fing mal vielversprechend an.

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Und was ist mit meinen restlichen Fragen? Ich finde es aber gut, was du gemacht hast und schätze auch ehrliche Kritik, nach der man heutzutage leider wirklich manchmal lange suchen muss.

Mit dem Vorlesen ist es so eine Sache. Da ist die Vorleserin - mit einer schönen Vorlesestimme, aber einer furchtbaren Technik und Leserhetorik - kann's einfach noch nicht. Ich selbst traue mir in Sachen Rhetorik und Lesetechnik einiges zu, habe auch Erfahrung, aber auch eine furchtbare Stimme, die ich nicht ausstehen kann. Da man ja seine Stimme nicht gegen eine andere austauschen oder nur in der Demokratie abgeben kann, aber nicht in der Literatur, bin ich dafür, dass die Vorleserin sich durch mich Technik aneignet.
Einen weiteren schwierigen Fall kann ich im Moment nicht verkraften. Aber schick doch mal trotzdem einen Link auf eine Audiodatei mit deiner Vorlesekunst. Dann sehen wir weiter. Textkritik kannst du natürlich immer bekommen, wenn du mir den Text bzw. den Link zum Text schickst.

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Antworten auf Fragen von @illusionblau Teil 2 http://ask.fm/illusionblau/answer/113842043135 Thema fehlender Freiraum in einem Gedicht und Qualität eines literarischen Kunstwerks (Frage 1):

Uri aus dem Schreibhaus
Es ist zweifelsohne eines der komplexesten Themen der Ästhetik, wenn es um die Qualität von Kunstwerken geht. Was ist gut? Was ist schlecht? Was ist Geschmackssache? Kann es objektive Kriterien geben? Wie verbindlich sind sie? Was sagen sie aus? Was ist dem Belieben der subjektiven Betrachtung überlassen? Kann nicht jeder in einem Kunstwerk sehen, was er will? Warum muss Kunst überhaupt beurteilt werden? Und was ist Kunst? Wird der Geschmack auch gesellschaftlich (z.B. durch Bildung, anerkannte Statussymbole) und psychosozial beeinflusst (z.B. durch Eltern, Clique, Menschen, die man als Leitfiguren akzeptiert)?
Deine Frage nach dem Freiraum und der Qualität eines Gedichtes oder allgemeiner eines literarischen Werkes, ist mit vielen anderen wichtigen ästhetischen Fragen verknüpft. Ich verstehe hier unter «Ästhetik» die philosophische Disziplin, die sich mit der Kunst beschäftigt. Man muss sich tatsächlich in vielen Fragen der Ästhetik Rede und Antwort stehen, wenn man schreibt. Denn diese Fragen, wenn man sie sich nicht bewusst stellt, holen den Literaten wieder ein in all den Implikationen (stillschweigenden Voraussetzungen) seines Schreibens. Sie begegnen einem in der Literaturkritik an den eigenen Werken, sie begegnen einem als Publikumsreaktion oder durch Äußerungen anderer Kollegen. Plötzlich steht man beispielsweise vor einer Äußerung wie «deine Geschichte ist zu trivial».
Wenn man sich aber nie Gedanken über den Begriff der Trivialliteratur gemacht hat, wird man die Aussage nicht ganz verstehen, sondern sie ausschließlich als Angriff auffassen. Wüsste man aber mehr über die Ästhetik der eigenen Kunst, könnte man vielleicht mit Kritik auch produktiv umgehen, das kritisierte Werk verteidigen oder verbessern.
Die Leerstellentheorie ist ein Teil der Rezeptionsästhetik und gründet ihren Urteilsmaßstab auf die Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit von Kunstwerken; je mehr Raum für Interpretation das Kunstwerk dem Rezipienten lässt (Leerstellen), desto hochwertiger ist es. Ein Lehrgedicht oder ein Merkvers ist aus rezeptionsästhetischer Sicht ein weniger wertvolles Kunstwerk, weil es per se so wenig wie möglich Leerstellen lassen will, da ja sonst jeder irgend etwas verstehen und den Lehrgehalt des Gedichtes verzerren oder untergehen lassen könnte. Wer also Lehrgedichte schreibt, kann dem Vorwurf der Rezeptionsästhetik gelassen begegnen und sagen: «Nun ja, meine Kunst ist näher an der Gebrauchsliteratur als an der Kunstliteratur. Aber genau das ist auch beabsichtigt.» Man sollte aber das Argument «genau so ist es beabsichtigt» nicht überstrapazieren, wie ein Kind, das beim Laufen hingefallen und sich das Knie aufgeschürft hat und dann behauptet «Genau so habe ich es beabsichtigt»!
Weder sind Literaturkritiker allesamt Idioten noch Schriftsteller und Dichter allesamt unantastbare Genies. Wer ein für sich selbst halbwegs befriedigendes literarisches Werk geschaffen hat, sollte bei aller Freude darüber den Bodenkontakt nicht verlieren.

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Erläutere die Aufgabe «Stell dir vor...» Teil 3:

Uri aus dem Schreibhaus
...den letzten Brief, auch ohne mit der Tür ins Haus zu fallen, den Autor ins Jenseits schreiben lassen, weil er aus Eifersucht seine Figur erstochen und zerstückelt hat und nun steht er da vor seiner Bluttat, es tut ihm Leid, es schmerzt ihn so sehr, aber vielleicht bereut er es auch gar nicht oder nicht wirklich. Vielleicht bereut es ein Teil von ihm und ein anderer eben nicht. Und vielleicht schwingt in diesem letzten Brief auch irgendwo die versteckte Hoffnung mit, er könne die geliebte Person wieder ins Leben zurück schreiben. Ist er nicht Autor? Hat er nicht Gott gleich die Macht über seine Figuren? Er hat sie erschaffen, kann er sie nicht wieder zum Leben erwecken, nachdem er sie getötet hat?
Kurzum: in der gemeinsamen Arbeit mit euch, durch meine Frage und durch eure Antworten ist nun eine neue Idee geboren. Das Schreibhaus fängt so an zu leben. Ich hoffe auf noch viele weitere produktive und kreative Ideen und Momente und freue mich darauf, dass wir so tatsächlich auch Werke in die Welt setzen.
So interessant die Gattung «Briefroman» ist, so schwierig ist er auch, vor allem dann, wenn er nicht auf einem Briefwechsel beruht, sondern konsequent immer nur eine Person die Briefe schreibt und in die Welt schickt.
Ich poste euch auch die Links der eingegangenen Antworten, so dass ihr selbst mit den anderen in Kommunikation treten könnt. Und nun auf zu neuen Ideen und Taten :)
http://ask.fm/MaskenmitMasken/answer/115024046207
http://ask.fm/LandinSicht/answer/113738861625
http://ask.fm/DoctorParranoia/answer/114067421761
http://ask.fm/LeannaCordis/answer/115480889487
http://ask.fm/Pizzaboote/answer/114884127102
http://ask.fm/illusionblau/answer/113860883711
Ich hoffe noch auf weitere interessante Texte; ihr könnt auch eure Kreativität ungezügelt einsetzen und mir dann die Links für Kritik und Kommentare schicken.
Viel Freude beim Schreiben und Lesen
:)

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