Mit welcher Anrede möchtest du angesprochen werden und welches Pronomen soll verwendet werden, wenn man über dich spricht?

Das ist eine gute Frage!
Leider auch eine etwas deprimierende, denn die deutsche Sprache ist nicht sehr freundlich zu Menschen wie mir.
- Anrede
Es gibt schlicht und einfach keine brauchbare.
Bestellformulare kennen meistens nur "Frau" und "Herr". Manchmal gibt es noch "Firma", und manchmal kann man die Anrede leer lassen. Der Post ist das aber zum Glück egal, die stellt den Kram auch zu wenn die Anrede nicht zum Vornamen passt oder gar keine Anrede dasteht. Ich lasse es am liebsten leer, nehme sonst Firma, oder tippe im schlimmsten Fall blind.
Bei Briefen ist es schon schwieriger. "Sehr geehrter Mensch"? "Sehr geehrte Person"? Geht, klingt aber seltsam. Meistens weiche ich auf "Guten Tag" aus.
"Herr [Nachname]" und "Frau [Nachname]" lassen sich auch nicht geschlechtsneutral ausdrücken. Manche Menschen stellen mich scherzhaft mit "Eure Hoheit" vor, aber bevor ich einen Doktortitel habe wirds da wohl nichts brauchbares geben. Also am besten auch leer lassen oder halt auf [Vorname][Nachname] ausweichen. Im informelleren Umgang geht "Liebes [Vorname]", siehe unten.
Auf Englisch gibt es mittlerweile neben Mrs. und Mr. auch Mx. Aber auf Deutsch ist es leider nicht so einfach.
- Pronomen
Hier gibt es immerhin ein geschlechtsneutrales, nämlich "es", das du gerne für mich benutzen kannst.
Leider werden diese Pronomen im Alltag meist eher für Dinge benutzt, sie heissen ja auch "sächliche" Pronomen. Viele Leute empfinden sie deswegen als entmenschlichend und beleidigend, und möchten sie nicht für Personen benutzen. Mir geht es zwar nicht so, aber ich kann das nachvollziehen und möchte niemanden zwingen mich mit Beleidigungen zu betiteln. In dem Fall darfst du also für mich auch generische Feminina oder Maskulina verwenden, je nach dem was dir besser liegt. Das bedeutet, du sagst "er" zu mir, wenn du auch sagen würdest "jemand, der so etwas tut". Oder du sagst "sie" zu mir, wenn du auch sagen würdest "jemand, die so etwas tut". Mach das aber bitte nur wenn dir klar ist, dass das rein grammatikalische Begriffe sind, die mit meinem Geschlecht nichts zu tun haben. Sobald du versuchst, von "er" und "sie" auf bestimmte körperliche oder charakterliche Eigenschaften zu schliessen, haben wir ein Problem.
Ich finde es auch in Ordnung, wenn du zwischen "sie" und "er" wechselst, oder versuchst solche Wörter ganz zu vermeiden, zB indem du jedes Mal meinen Namen sagst. Konstrukte wie "si*er" oder "sie_er" oder "er/sie" - auch in der Anrede als "Liebe/r [Vorname]" - mag ich hingegen gar nicht.
Wenn du "es" sagst ist mir das definitiv am liebsten.
Aber Achtung, das gilt nur für mich! Viele andere Menschen die weder männlich noch weiblich sind, empfinden "es" als beleidigend und möchten nicht so betitelt werden!
Und auch hier ist man auf Englisch im Vorteil, da gibt es "they". Vielleicht etabliert sich auf Deutsch auch irgendwann etwas in die Richtung.
tl;dr - lass die Anrede weg und sag "es" wenn du über mich sprichst. Danke

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