Ask @ssippi:

Macht mich Ladendiebstahl zum Piraten oder erst die noble Intention dahinter?

ע
In der späten Bronzezeit wurde von "peiratai" im Mittelmeerraum berichtet, die den Handel zwischen den griechischen, ägyptischen und hethitischen Reichen störten und sich mit den erbeuteten Waren selbst bereicherten. Inwieweit damals schon Kaperfahrten, also legitimierte Seeräuberei im Auftrag einer Staatsmacht, üblich waren vermag ich ohne weitere Recherche gerade nicht zu sagen. Allerdings sind sie gewiss nicht auszuschließen.
Diese peiratai attackierten nun aus bestimmten Motiven antike Seefahrer - daher auch ihre Bezeichung, denn das altgriechische Wort "peiratés" bedeutet schlicht "Angreifer".
Jetzt kommen wir zur philosophischen Auslegung:
Durch den Ladendiebstahl attackierst du die wirtschaftsliberalistische Ideologie und die gesellschaftlichen Imperative von Besitz und Geldwirtschaft.
Gleichwohl attackierst du die Existenzgrundlage des Ladeninhabers.
Damit attackierst du wiederum die grundlegendste ethische Pflicht, nämlich die Kantsche "Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie allgemeines Gesetz werde." Immerhin willst du selbst auch nicht beklaut werden.
Immer, wenn du irgendwas angreifst, bist du also ein peiratés. Und das ist auch voll okay, denn manche Dinge - insbesondere unhinterfragte Gedankenkonstrukte - müssen angegriffen werden.
In dem Sinne:
"Yar har fiddle-dee-dee, being a pirate is alright with me!
Do what you want 'cause a pirate is free, you are a pirate!"
---
Disclaimer: Dies ist KEINE Aufforderung zum Ladendiebstahl.

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Gibst du einen kleinen Grund an, warum Philosophie ist eine schwierige Wissenschaft?

Blasius Mengkaka
Die moderne Philosophie kann sich kaum auf Evidenzen stützen. Sie erscheint weltfremd und ist scheinbar zu einer abstrakten Lehre der Meinungen geworden.
Früher war das anders. Früher befasste sich die Philosophie mit wahrnehmbaren Phänomenen.
Doch aus den empirisch erfassbaren Komponenten der vorsokratischen Naturphilosophie wurden Physik, Chemie und Biologie. Aus den empirisch erfassbaren Komponenten der Phänomenologie, Epistemologie, Dialogphilosophie und Ontologie wurden Psychologie und Soziologie. Und die philosophischen Staatstheorien von Platon, Cicero, Hobbes und Rousseau sind Basis unserer heutigen Politik.
Die Wissenschaften haben sich gewissermaßen das nützliche und beweisbare aus der Philosophie herausgepickt und nur das weltfremde und abgehobene züruckgelassen. Philosophie geht für viele an der pragmatischen Lebenswirklichkeit vorbei und erscheint oftmals wie eine Disziplin, die in den Elfenbeintürmen eines Wolkenkuckucksheims gepflegt wird.
Allerdings behält die Philosophie ihre Stellung als kritischer Fragesteller. Sie regt zum Nachdenken über die Richtigkeit der Auffassung und des Handelns an.
Und vielleicht macht gerade diese Tatsache die Philosophie so schwierig und unangenehm: Sie zwingt dich zur Hinterfragung deiner ganzen Weltsicht, kann aber keine konkreten Antworten auf die aufgeworfenen Fragen liefern.

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In mir ist immer Hoffnung, selten, dass ich sie ganz verliere, denn dann fühle ich mich komplett leer und hilflos. Warst du schonmal komplett hoffnungslos? Wie bist du damit umgegangen?

la petite Amélie
Hoffnung ist im Grunde das direkte Gegenteil der Angst und kann sie damit kompensieren. Angst ist die Furcht vor etwas Nicht-Definiertem, Hoffnung ist die Zuversicht auf etwas Nicht-Definiertes.
Furcht und Zuversicht richten sich stets auf etwas konkretes und greifbares, Angst und Hoffnung sind ungerichtete Grundmodi.
Und letztlich sind beide damit nicht rational, denn wir können nichts über die Qualität des Nicht-Definierten sagen. Es kann positiv oder negativ sein, wir wissen vorher nicht, ob Angst oder Hoffnung überhaupt angebracht sind.
Hoffnungslosigkeit ist also eine Übermacht der Angst, ein Hineingehaltensein in das Nichts. Dem kann man entgegenwirken, indem man diesem ängstigenden Nichts Formen und Farben gibt, es verbildlicht. Was ist die Ursache meiner Angst? Oder: Worauf projiziere ich meine ungerichtete Angst?
Dann wird aus der Angst eine spezifische Furcht, der man dann wiederum mit rationalem Verstand begegenen kann. Außerdem lassen sich aus einer konkret formulierten Furcht auch positive Aspekte und eine Zuversicht als Gegenposition konstruieren. Allein diese (konstruierte) Bezwingbarkeit der Angst erlaubt das Schöpfen neuer Hoffnung.

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Ist Produktpiraterie moralisch?

ע
Wie so oft ist die Frage nach der Moral auch hier von den Umständen abhängig.
In einem Laissez-Faire-Liberalismus ist die Produktpiraterie ein Ausdruck der inhärenten Freiheit und wahrscheinlich völlig okay.
In einer kommunistischen Planwirtschaft erübrigt sich die Frage, weil es ohne individuellen Besitz faktisch keine (Produkt-)Piraterie geben kann.
Und im neoliberalistischen Kapitalismus ist sie eine Todsünde, da ihm das geistige und materielle Eigentum (egal ob verdient oder nicht) heilig ist.
Welches dieser Systeme nun in sich selbst moralisch ist und sich eine ethische Wertung der Produktpiraterie erlauben darf, muss jeder auf Basis seiner eigenen Werte entscheiden.

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An welchen Zielen arbeitest du momentan?

Ich schreibe gerade ein Buch über Piraten und Philosophie, den "Tractatus piratico-philosophicus".
Darin gebe ich Seeräubergeschichten vom Seevölkersturm über Störtebeker, Bellamy und Blackbeard bis hin zu Felix von Luckner wieder und suche zu jedem ein irgendwie halbwegs passendes Thema mit philosophischem Bezug, um es am Beispiel der Piraterie aufzudröseln. Dazu zählen dann Themen wie Ideologie, Epistemologie, Liberalismus, Angst und Hoffnung.
Aus der anfangs eher vagen Idee ist nun bereits ein 30-seitiges Teilwerk mit nochmal so vielen Recherchenotizen und 16 potentiellen Kapiteln geworden, sodass Aussicht darauf besteht, dass ich sogar dran bleibe und das Ding irgendwann mal fertig wird. :|

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Wer ist der Typ in der unteren rechten Ecke?

Papiertiger.
Based Ludwig Wittgenstein.
Der stellte die gesamte Philosophie in Frage. Er behandelte in seinem Tractatus "die philosophischen Probleme und zeigt, [...] dass die Fragestellung dieser Probleme auf dem Missverständnis der Logik unserer Sprache beruht."
Das Denken und der Ausdruck der Gedanken seien durch die Sprache limitiert, die epistemologischen Möglichkeiten begrenzt. "Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen."
Damit hat er für einige seiner Anhänger, insbesondere für den "Wiener Kreis", die Philosophie grundlegend revolutioniert.

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+1 answer in: “Lese deine Antworten supergerne, vor allem auch wegen den vielen Querverweisen! ___ Wo holst du dir am liebsten deine tägliche Dosis Denk-Input?”

Wofür bist du dankbar?

Papiertiger.
Ein wichtige Frage, die man sich bestenfalls jeden Tag selbst stellen sollte. Gerade wenn man glaubt, einen Tiefpunkt erreicht zu haben.
Man wird merken, wie viele Selbstverständlichkeiten eigentlich gar nicht selbstverständlich sind und wie viel Grund zur Zufriedenheit man doch hat. Und auch wenn es den aktuellen Status nicht besser macht, so setzt es ihn doch zumindest in Relation zu einem Zustand des "es könnte noch schlechter sein".
Die Dankbarkeit fängt damit an, dass ich so viele verschiedene Musikinstrumente habe und sogar größtenteils spielen kann.
Dass ich eine Arbeit, ein Auto, flexiblen Urlaub und ein echtes Wochenende habe.
Dass ich Ahnung von Mathe und Informatik habe und selbst neben dem Hauptberuf einfachen Zugang zu Bildung habe.
Dass ich genug zu essen, zu trinken und eine warme Wohnung habe.
Dass meine wenigen echten Freunde und meine Eltern mir in der Not beistehen.
Und selbst die allertrivialsten Dinge haben Dankbarkeit verdient.
Ich kann gehen, sehen, hören und sprechen. Alle meine Glieder sind vollzählig und in performantem Zustand.
So kenne ich zum Beispiel einen Psychotherapeuten, der seinen Patienten in diesem Kontext die explizite Geschichte einer Lebensmittelvergiftung und der daraus resultierenden tiefen Dankbarkeit gegenüber dem Schließmuskel erzählt. Denn selbst dessen zuverlässige Arbeit ist nicht selbstverständlich und trägt gewiss zur Lebensqualität bei.
In dem Sinne vielen Dank für die Frage. Die musste mal wieder gestellt werden und ich fühle mich fast wieder gut.

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Lese deine Antworten supergerne, vor allem auch wegen den vielen Querverweisen! ___ Wo holst du dir am liebsten deine tägliche Dosis Denk-Input?

ע
Oh, vielen Dank :)
Der Input variiert je nach Motivation. Das meiste habe ich systematisch im Rahmen der Hausarbeiten fürs Fernstudium recherchiert.
Beim Pendeln höre ich gerne Hörbücher von Richard David Precht, Yuval Noah Harari, Yves Bossart, Sarah Bakewell, die philosophische Themen schön populärwissenschaftlich aufarbeiten.
Auch hier auf ask finden sich manchmal spannende Denkanstöße und manch eine Frage kann ebenso zu weiteren Recherchen verleiten.
Und eine niemals zu unterschätzende Quelle sind philosophy memes. Die haben mein Interesse für Zizek, Foucault und Wittgenstein erst so richtig angefeuert.

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Sind Laster eine Erfindung des Existentialismus?

ע
Laster sind so alt wie die menschliche Gesellschaft selbst. Man bedenke nur den exzessiven Prunk ägyptischer Pharaonen.
Insbesondere die antike Philosophie sah jedoch ein prinzipielles Gleichgewicht der Generaltugenden und damit die Vermeidung derartiger Laster als Basis für das gute Leben. Gerade die aristotelische Tugendethik, Epikurs Genügsamkeitsgebot und Plutarchs Moralia („Wenn du schlecht lebst, […] lass es die anderen sehen, lass dich zur Vernunft bringen“) kommen mir hier in den Sinn.
Der Existentialismus hingegen ist eine moderne Antwort auf den neuzeitlichen Nihilismus und zugleich eine Art cherry-pick aus kierkegaardscher Existenzphilosophie und husserl-heideggerscher Phänomenologie. Der Konsens zwischen den klassischen Existentialisten wie De Beauvoir, Sartre und Camus scheint dabei die Prämisse der absoluten Freiheit durch Sinnlosigkeit zu sein - wenn das Dasein keinen Zweck hat, sind wir absolut frei, ihn selbst zu konstruieren; wenn das Leben ein repetiver Akt der Sinnlosigkeit ist, sind wir frei, durch unser Tun und Handeln im Jetzt Erfüllung finden.
Damit scheint der Existentialismus das Laster als möglichen Auswuchs der freien Entscheidung sogar zu bejahen.

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Was haben wir gemeinsam?

Fe
Uff, du kannst Fragen stellen. ^^
Wie kennen beide nur unsere gegenseitige Präsenz auf dieser Plattform und die ist zwangsläufig einem Filter unterworfen. Ich präsentiere mich zum Beispiel gerne als prätentiöser Sophist und schmeiße mit pseudo-intellektuellen Termini um mich, was meinem eigentlichen Wesen nur bedingt gerecht wird. Es ist aber eben die Rolle, in die ich hier gerne schlüpfe.
Um diese Frage also wirklich beantworten zu können, müssten wir auf irgendeine Weise Zeit miteinander verbringen und uns im direkten Dialog austauschen.
Allerdings wage ich auf Basis der Eindrücke durch Antworten und Fragen Parallelen wie Nachdenklichkeit, Hang zum grüblerischen Tiefgang, eine gewisse Ruhebedürftigkeit und Zurückhaltung zu ziehen.
Im Falle einer Fehleinschätzung, fühle dich frei mich zu rügen. 🤷‍♂️

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Bist du Opportunist_in?

ע
Opportunismus ist im Grunde eine derjenigen Eigenschaft, die den Menschen in seiner Position als "Mängelwesen" überhaupt lebensfähig macht. Der Mensch hat nur wenige Instinkte, weder Fell noch Krallen etc - er ist in seiner biologischen Grundausstattung benachteiligt und muss seine Umgebung und die Gegebenheiten genauestens beobachten, um einen bestmöglichen Vorteil aus jeder Gelegenheit zu ziehen.
Der "homo oeconomicus" ist ein Nutzenoptimierer und das Ausnutzen einer für ihn günstigen Situation liegt in seinen Wesen.
Mit dem gemeinschaftlichen Zusammenleben kamen jedoch Ethik und Tugend als Konterpart ins Spiel: Nutzenoptimierung ist okay - aber nur, wenn sie der Gemeinschaft nützt oder zumindest nicht schadet (so messen Adam Smith, John Locke und Mandevilles Bienenfabel auch dem Egoismus und dem Laster eine gewisse Bedeutung bei, wenn sie den Fortschritt begünstigen).
Allerdings ist der Opportunismus gemäß Definition eine bedingungslose Ausnutzung günstiger Situationen - das trifft nun nicht wirklich auf mich zu. Zugegeben, wenn ich 10 Euros auf der Straße finde, behalte ich die schon mal. Aber bei einen gefundenen Portemonnaie würde ich auf irgendeine Weise dafür sorgen wollen, dass es seinen Eigentümer wiederfindet. Alleine aus Empathie und dem Gedanken "Was wäre, wenn ich in dieser Situation wäre."
Und insbesondere Loyalität hat für mich einen deutlich höheren Stellenwert als Eigennutz und Opportunismus. Ich würde niemals Vorteile auf Kosten von Freunden annehmen können.
... behaupte ich jetzt zumindest, aber hat nicht jeder Mensch seinen Preis? Ich kann mir zwar gerade keinen Vorteil vorstellen, der mich zu einem solchen Verrat bewegen könnte, aber GERADE deshalb ist eine absolute Aussage a la "Ich würde niemals..." kritisch zu sehen. Oder nicht? 🤔

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Wäre die Welt einfacher, wenn sie weißer und schwärzer und viel weniger Grau wäre?

Fe
Einfacher - ja.
Nicht umsonst versucht der menschliche Verstand, seine sinnlichen Eindrücke in derartige schwarz-weiße Denkmuster einzuordnen.
Vorurteile und Stereotypen, Traditionen und Gewohnheiten scheinen dem Menschen das apriorische Bewerten eines Individuums und das Handeln nach bewährten Verhaltensmustern zu erlauben. Sie konstruieren ein Gefühl der Sicherheit in einer schwer durchschaubaren Welt.
Aber ist die eigentliche Einteilung in schwarz und weiß, gut und schlecht, nicht ohnehin ein rein menschliches Konstrukt? Die Welt und die Natur kennen nur ihre inhärenten Prozesse und Kausalketten. So wie der blinde Idiotengott Azathoth bei Lovecraft die Geschicke des Universums ohne Sinn und Verstand steuert, so agiert auch die Natur ohne jegliches Ziel.
Eine ästhetische und qualitative Wertung ihrer Vorgänge erfolgt erst durch den Menschen.
Dadurch IST die Welt (für das nicht-reflektierende Subjekt) doch letztlich immer schwarz und weiß, oder? 🤔

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Dieses Gefühl hattest du demnach nie?

Fe
Zumindest den Begriff der Liebe habe ich nur zwei nicht-blutsverwandten Menschen gegenüber geäußert.
Das erste Mal stellte sich allerdings als Irrtum heraus, was meine Aversion gegen die ganze Thematik so ein bisschen schürte. Zwar manifestierte sich darin eben die erotische Definition der Liebe, die Platon beschrieb: Zuneigung zum Zwecke des Mängelausgleiches. Im Gegensatz zu meiner ruhigen, bedachten, stoischen Art war sie impulsiv und imstande, mich mitzureißen. Die Fähigkeit, den Fels in der Brandung so anzustoßen, dass er zum rollenden Stein wurde.
Allerdings wurde daraus eine Abhängigkeitsbeziehung, welche die Gegenseite zum eigenen Vorteil auszunutzen wusste.
Das zweite Mal nahm ich dieses Wort gegenüber meiner liebsten Freundin in den Mund. Und hier habe ich das Gefühl, der wahren Essenz des Ganzen zumindest näher gekommen zu sein. Unsere Wesenszüge und musikalischen Ambitionen ergänzen sich und wir scheinen uns durch die bloße Anwesenheit des jeweils anderen wohler zu fühlen. Und das wird auch nicht durch die Tatsache geschmälert, dass trotz dieser Basis niemals eine Beziehung möglich sein wird. Doch vielleicht ist es gerade diese Tatsache, die eine gewisse Bedingungslosigkeit und Unabhängigkeit mit sich bringt, welche mit der klassisch verklärten Form der Liebe einhergeht.
Andererseits gibt es ein paar sehr gute Freunde, die dieses Wort wahrscheinlich ebenfalls verdient hätten. Doch auch wenn es nur ein Wort ist, so fällt es mir schwer es auf zwischenmenschliche Konstellationen zu applizieren - ganz gleich wie unheimlich hoch ich die entsprechende Person schätze.
Das korrespondierende Gefühl kommt irgendwo aus dem tiefsten Innern meiner Gedärme und äußert sich spontan. Und braucht manchmal vielleicht mehr Zeit. 🤷‍♂️

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+5 answers in: “Würdet ihr euch von eurem/r Partner/in alles in der Beziehung verbieten lassen oder ist das zu "ungesund" für die Beziehung?”

Hattest du mal das Gefühl von „Oh, das ist wohl diese ‚große Liebe‘ von der alle sprechen?“

Fe
Liebe wird schon bei Platon als Resultat eines Mangels charakterisiert, den man durch einen anderen Menschen zu kompensieren glaubt. Knappe 2400 Jahre später postulierte Jacques Lacan mit seinem objet petit a jedoch, dass dieser Mangel unaufhebbar sei.
Der andere Mensch wird somit als Projektionsfläche der angestrebten Mängelkompensation fetischisiert und zur bloßen agalma degradiert, zu einem Götzenbild des Puzzleteils, das zur eigenen Vervollkommnung fehlt.
Was ist unter dieser Prämisse nun die "Große Liebe"?
Sie ist das dir fehlende Element. Sie ist das eine Legoteil, das bei deiner Schöpfung unter den Tisch gefallen und nicht mehr aufzufinden ist.
Geht man nun aber mit Lacan, dann existiert das Teil überhaupt gar nicht - Mutti hat den Staubsauger angeschmissen und den ach so wichtigen Legostein aufgesaugt.
Also wühlen wir in der Legokiste und setzen Stein um Stein in unser unvollständiges Bauwerk ein, aber es wird nie perfekt.
Und damit müssen wir leben. Wir müssen unser Nicht-mit-uns-fertig-Sein und die Tatsache, dass das fehlende Stück nur angenähert werden aber nie gefunden werden kann, akzeptieren.
Fazit: Lego ist Liebe <3

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+5 answers in: “Würdet ihr euch von eurem/r Partner/in alles in der Beziehung verbieten lassen oder ist das zu "ungesund" für die Beziehung?”
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