@Klugdiarrhoe

Uri Bülbül

Ask @Klugdiarrhoe

Sort by:

LatestTop

Ist es folgerichtig, dass mit der Popularität der Smartphones und damit der ständigen Verfügbarkeit Festnetztelefonie an Bedeutung verliert? Und was für Auswirkungen hat dies auf under Sozialleben und die Gesellschaft?

DerBilal’s Profile PhotoJemand
«folgerichtig» ist ein Ausdruck aus dem logischen Diskurs. Dazu gehören mindestens zwei Aussagen, die in einen Zusammenhang gebracht werden, klassisch ist der Syllogismus mit drei Aussagen; zwei Voraussetzenden und dem daraus geschlossenen Folgesatz (Conclusio), was «folgerichtig» sein könnte; z.B.
1. Gott ist vollkommen;
2. Die Mindestbedingung der Vollkommenheit ist die Existenz;
3. Also existiert Gott (Also muss Gott existieren, wenn er vollkommen sein soll)
Da aber erkennt man den Zirkelschluss in der Klammer, weil der Schluss (3) die erste Voraussetzung (Prämisse) begründet. Genaugenommen ist also der Syllogismus oben nicht «folgerichtig», weil zirkulär!
In deiner Frage haben wir lediglich eine einzige Aussage, die eher aus der empirischen Sozialforschung stammen könnte: Mit der Zunahme der Popularität des Smartphones (und damit der ständigen [persönlichen] Verfügbarkeit [korrekterweise: «Erreichbarkeit» des Individuums] verliert die Festnetztelefonie an Bedeutung.
Eine einzelne Aussage kann, so schlimm das für deine Ohren klingen mag, nur «wahr» oder «falsch» sein. Die gedachte und in der Aussage behauptete Korrelation ist empirisch zu prüfen.
Festnetztelefone erlauben nur eine beschränkte soziale Kontrolle. Z.B. Ob jemand zuhause ist oder nicht. Aber auch das nur, wenn vorausgesetzt wird, dass jemand zuhause ist, immer ans Telefon geht, wenn es klingelt. Durch Abhören der Gespräche konnte man auch die Inhalte erfahren, was auch eine soziale Kontrolle bedeutet.
Die Smartphones sind nicht nur mobil, sie dienen auch einer vielschichtigen Kommunikation: Mit Google-Maps kann man navigieren und durch die Aktivierung der Standortanzeige, was zur Navigation notwendig ist, gibt man über Tage, Wochen und Monate sein Bewegungsprofil preis: «Sie haben im Juli 3 Städte besucht, 580 km mit dem Auto und 234 km zu Fuß zurückgelegt», meldet dann einem selbst Google zurück. Das ist nur ein Beispiel: Bewegungsprofil, Einkaufsprofil, Interessenprofil (welche Seiten man besucht hat, welche Stichworte man bei Google nachgeschlagen hat usw. usf.) erhöhen die Möglichkeiten der sozialen Kontrolle, was unter Social Engineering läuft, obwohl die neueste Wiki-Erklärung dieses Stichwort zur Spionage der Passwörter usw. reduziert.
Das Individuum wird berechenbar und beherrschbar, manipulierbar: gezielte Werbung ist eine ganz offene Form dieses Social Engineerings. Das Festnetztelefon bietet all diese Funktionen und Nutzungsweisen nur bedingt oder gar nicht und ist deswegen immer weniger interessant. Es erscheint mir dabei nur ein Nebeneffekt zu sein, dass ein Mensch in den unmöglichsten Situationen auch telefonisch erreichbar ist, z.B. beim Einkaufen an der Kasse. Der Spruch meines Physiker- und Informatikerfreundes sollte zu denken geben: Das Ziel des Algorithmus ist, zu wissen, wann du mit deiner Freundin Schluss machst, bevor du es selbst weißt und dich entschieden hast ;) Ich gebe die Frage an dich zurück: Welche Folgerungen ziehst du daraus?

View more

Liked by: Jemand

Wenn du wählen könntest zwischen Liebe oder Freiheit wofür würdest du dich entscheiden 🙉

Ohne Freiheit kann es keine Liebe geben. Das wäre wie Leben ohne Atmosphäre. Wer sich für die Liebe entscheidet, muss sich für Freiheit entschieden haben.
Liked by: Olli Wer?

Related users

Wie geht's dir heute wirklich? 💞

In3ss5’s Profile PhotoInes
Es geht mir immer wirklich. Nur erzähle ich dir nicht, wie! Du verstehst es sowieso nicht.

Was ist schlimmer: Scheitern oder niemals versuchen?

franzlee’s Profile PhotoRussische Babuschka
Niemals versuchen ist das Schlimmste. Wenn du siehst, dass du etwas versuchen könntest, solltest du dich entscheiden: ist der Versuch ein Quatsch oder erfolgversprechend, wenn auch unwahrscheinlich. Im letzteren Fall versuche es; denn Scheitern ist relativ. Vielleicht erreichst du das Unwahrscheinliche nicht, aber es eröffnen sich dir immer neue Horizonte und Erfahrungen sammelst du auch - das ist ein Gewinn. Lohnt sich auch dann, wenn das ursprüngliche Ziel nicht erreicht wird.

"Zeit heilt alle Wunden." Stimmt dieser Satz?

Ja, der Satz stimmt. Narben zählen nicht als Wunden. Tödliche Wunden zählen ebenfalls nicht, weil man tot der Zeit enthoben ist; bleiben also alle Wunden, die die Zeit heilt.

Warum ist alles so kompliziert?

Im Grunde ist alles viel einfacher als es ist. Aber das erkennt man nicht in der Verkomplizierung.

Leider bin ich vergeben, tut mir leid. 😇😇😇😇🥰🥰🥰

Warum jetzt «leider»? Und warum tut dir das leid? Warum kannst du nicht sagen: ich bin glücklich?

Wenn der Flugzeugmotor beim geistigen Höhenflug heideggert und die Frage ausspuckt: warum ist etwas? Und nicht vielmehr nichts? fliege ich mit @DerBilal an Bord noch etwas weiter...

Klugdiarrhoe’s Profile PhotoUri Bülbül
«Meine Position ist ja, dass wir irgendwie Organismen in einer großen weiten Leere sind, in der ich mir nicht vorstellen kann, dass es von Grund auf irgendwelche Regeln gibt.» @DerBilal
Auf Regeln und Reglementierung wird noch später einzugehen sein. Entscheidend ist ja hier die Formulierung «von Grund auf». Ich deute das so, dass es sich um nicht menschengemachte Regeln handeln soll. Denn eines ist klar: unsere Gesellschaft, unsere Welt, ist voll von menschengemachten Regeln, Gesetzen, Konventionen. Auch Moral und Sitte würden hierunter fallen, wenn sonst die große weite Leere um uns sein soll. Hier lehnst du dich sehr philosophisch gegen religiöse, theologische Begründungen von Sinn und Regeln des Lebens auf. Ein einzelner Herr und Schöpfer gebietet und der Mensch hat zu gehorchen! Dagegen betonst du die menschliche Freiheit und darin konkret deine persönliche! Unter diesem Aspekt bin ich vollkommen bei dir. Ich bin auch bei dir, wenn du rebellisch sagst: «Ich bin ich, weswegen nichts und niemand die höhere Macht besitzt, für mich zu entscheiden, was wahr ist». So ist es, das ist (d)ein Menschenrecht besonders im Kontext: was ist «richtiges» und was «falsches» Leben?
Diese rebellische Energie in dir, was gewiss aus deinem tiefen Inneren kommt und zu dir selbst gehört, könnte doch auch der Grund und Antrieb dafür sein, dass du mit mit weiter philosophierst! Diese Energie ist überhaupt ein guter Antrieb für das Philosophieren.
Bei alldem bin ich voll und ganz bei dir und würde sagen: das ist die Wirklichkeit deiner selbst! Und sobald du diese Wirklichkeit spürst, wächst auch deren Wirksamkeit! Das alles ist an sich und in sich richtig und bedarf keiner äußeren Entscheidung und Beurteilung. Wir reden aber an Adornos Gedanken vorbei, wenn wir darauf insistierend alles Weiterführende ausschließen und nicht betrachten wollen. Zum «richtigen» Leben gehört das Selbstbestimmungsrecht. Und es wird auch nicht eingeschränkt, wenn uns vor Augen geführt wird, dass wir bisher Illusionen erlegen sind. Vor Augen geführt heißt, dass nicht für uns entschieden wird, war richtig und falsch ist, sondern uns das Richtige einfach gezeigt. Jemand zeigt und wir erkennen. Nicht es wird entschieden! Entschieden wird etwas anderes und diese Entscheidung wird, denk nur an MATRIX, niemandem selbst abgenommen: «Nimmst DU die Blaue Pille? Oder die Rote Pille?» Und bei Platon: die Fesseln sind gelöst, du bis aus der Höhle gestiegen und kehrst wieder in die Höhle zurück. Nun kannst DU selbst entscheiden, was du machst! Die Erkenntnis einer Alternative hat deinen Entscheidungsfreiraum vergrößert. Der Hund aus dem Zwinger losgebunden kann im Kreis laufen oder geradeaus rennen! Diese Freiheit hatte er vorher nicht. Die MATRIX sagt noch: es wird nicht einfach, in die Illusionswelt (Matrix) zurückzukehren, wenn du nicht vergisst, was du erkannt hast! Und zu Heidegger sage ich: ist doch egal, WARUM etwas ist, wichtig ist, dass es IST und sein WILL, was es ist.

View more

Liked by: Jemand

«Meine Position ist ja, dass wir irgendwie Organismen in einer großen weiten Leere sind, in der ich mir nicht vorstellen kann, dass es von Grund auf irgendwelche Regeln gibt.» M.E. sind wir damit existenziell weitergekommen. Ich werde versuchen zu erklären, was ich meine, aber du kannst es parallel:

Klugdiarrhoe’s Profile PhotoUri Bülbül
Mein Lieber @DerBilal
Dein Engagement, deine Antworten, Gedanken, Überlegungen -das sei vorweg geschickt- sind höchst bemerkenswert und verlangen Respekt und Anerkennung. Davor ziehe ich auch mich höflichst und dankbar verbeugend den Hut.
Vergangenen Freitag war Vollmond und damit Zeit für mich, im Chancenraum 103 in Dortmund aufzutreten. Mit von der Partie war dieses Mal Funda Cinar, die Geschäftsführerin unseres Unternehmens Globalkultur Kunst und Kulturelle Bildung gGmbH, mit dem Ziel, die Gesellschaft und ihr Vorhaben den Menschen nahe zu bringen; ich nutzte die Gelegenheit, auch unseren Disput kurz zu erwähnen, weil wir nun gemeinsam philosophische Kreise ziehen.
Ich hoffe nicht, dass du zusammenzuckst und an dir zweifelst. «Um Himmels Willen! Worauf habe ich mich nur eingelassen!» Es sind Abenteuer der Ideen und wir sind Abenteurer und haben uns gemeinsam ins Gedankengetümmel gestürzt!
Das Thema also war und ist GLOBALKULTUR! Und Funda Cinar sagte: «Globalkultur ist eine Gesellschaft für Kunst und Kulturelle Bildung. Unser Anliegen darin: ein Teil kultureller Prozesse und Strömungen zu sein, die zur Öffnung der Institutionen beitragen, mehr Demokratie, mehr Gemeinschaft und eine innigere Verbindung zwischen Sozialem, Leben und Kunst hervorbringen, ästhetische Formen des Lernens, Forschens, der Kommunikation, der Transkulturalität und Vielfalt erproben, praktizieren und das Leben bereichern.
Globalkultur will das Rad nicht neu erfinden. Wir leben Harmonie und Ganzheitlichkeit gegen Hierarchie und Hegemonie. Mal schwimmen wir mit dem Strom, mal gegen den Strom, aber immer sind wir im lebendigen Kulturellen Fluss.»
Ich erwähnte die typische Bewegung des Denkens, und kaum hatte ich die Worte «Bewegung des Denkens» ausgesprochen, schon machte jemand im Zuschauerraum die nach oben sich drehende Spiralbewegung mit dem Zeigefinger!
Ich sage: wir sind nicht allein! In diesem Zusammenhang habe ich gestern Nacht einen großartigen Physiker gehört, auf dessen Philosophie ich dich noch hinweisen werde, und es ist nicht Newton :))) aber schön langsam jetzt!
Ich habe auch das Bedürfnis, die hier über die Shoutouts gestellte Frage nach dem Selbstbewusstsein, aufgrund deiner Äußerungen aufzugreifen: und zwar möchte ich hier nur eine Denkrichtung wie einen Wegweiser andeuten und den Gedankengang dir selbst überlassen; gewiss kreisen wir auch mal wieder hierüber und kommen auf das Thema zurück; unser Selbstbewusstsein entsteht und wächst nicht ausschließlich aus uns heraus, sondern ist ein Produkt vieler Faktoren sozialer, kultureller und ökonomischer Art um uns herum. Wir können auf uns schauen wie aus einem Alienraumschiff in weiter Ferne der Galaxie und uns «irgendwie» als «Organismen in einer großen weiten Leere» sehen, (Mikroben Gottes) oder unser Sein aus unserer Subjektivität wachsen sehen mit einem «ich denke, also bin ich»! Wie auch immer: wir sind nicht einsam als Organismen. Denn das Individuum kommt nicht aus dem Nichts!

View more

Liked by: Jemand

Über das existenzielle Existenzielle der Philosophie und die Ruhe, die man braucht... sie wird einem nicht geschenkt. Erkaufen ist illusorisch, erkämpfen zu aufreibend. Einfach nehmen geht, wenn Kairos einem wohlgesonnen scheint.

Klugdiarrhoe’s Profile PhotoUri Bülbül
Kairos, der Gott des rechten Augenblicks, der passenden Gelegenheit, des richtigen Moments, der Rechtzeitigkeit. Auf Wolken reitet er, kahlgeschoren sein Hinterkopf, vorne hat er einen Schopf. Diesen muss man packen, das ist die Gelegenheit, die man am Schopf ergreifen muss. Er hält eine Waage in der Hand und deutet mit der anderen darauf, weil wohl erwogen sein muss, wann der rechte Augenblick ist! Ruhe für eine philosophische Antwort! Ja, diese braucht man auf jeden Fall. Aber wann und wie bekommt man sie? Das muss man individuell und richtig entscheiden. Individuell nicht nur nach Person übrigens! Sondern bitte nach Situation! Jeder Mensch geht seinen Lebensweg. Aber wer ihn schon allein deshalb, weil er ihn persönlich geht, schon für individuell hält, hat etwas Wesentliches vom Leben nicht verstanden. Zwänge, Regeln, Verpflichtungen, Aufgaben, Lohnarbeit, Familie usw. usf. sind uns auferlegt und alle Menschen werden irgendwie in irgendwas eingespannt. Die Matrix will nicht, dass Menschen frei und entspannt anfangen, über sich, das Leben, die Welt oder Gott und die Welt nachzudenken. Sie sollen sich an Regeln halten, gehorchen, glauben und die ihnen von anderen gestellten Aufgaben lösen. Und darin wird ihnen eine gewisse Wahlfreiheit vorgegaukelt: einen Beruf muss jeder ergreifen, einen Ausbildungsweg jeder gehen. Nur welchen Beruf man ergreift, was man lernt und wozu man eine Ausbildung absolviert, scheint relativ frei. Das ist nicht neu, das war schon immer so und so erscheint es wie ein ehernes Naturgesetz! Für Hegel, Hölderlin, Nietzsche die Klosterschule in Maulbronn, spartanischer konnte es nicht zugehen. Nur keine Lebenslust aufkommen lassen. Müßiggang ist aller Laster Anfang, hieß es. Und für eine sichere Existenz sollten sie Pfarrer werden. Doch die Landesfürsten achteten sorgsam, dass kein Ungehorsam gepredigt wurde. Schon im Keim im Tübinger Stift sollte rebellischer Geist früh erkannt und sofort erstickt werden. Hegel, Schelling, Hölderlin lasen Immanuel Kant heimlich, weil es im Stift verboten war! Das ist die Geschichte des freien Geistes. Und schaut man auf das idealisierte Griechenland mit seiner Demokratie, konnten nur die freien Bürger philosophieren. Sie hatten für die notwendige Arbeit ihre Sklaven. Für Aristoteles war es selbstverständlich, dass ein Sklave nicht philosophieren konnte. Die Frage nach der Intelligenz wäre ihm absurd erschienen. Aristoteles wusste, dass Sklaven nicht dumm waren, es gab höchst gebildete Menschen, die versklavt wurden, weil ihre Städte Kriege verloren hatten, nun aber hatten sie keine Zeit und Ruhe mehr zum Philosophieren. Nicht umsonst nannte man die freien Künste so! Sie erforderten Muße. Wie aber finden wir heute die existenzielle Grundlage zum Philosophieren? Indem wir abwägen und Prioritäten setzen. Sonst sitzt man eben in Platons Höhle gefesselt und starrt auf die Höhlenwand oder liegt im gläsernen Sarg der Matrix. Ja, auch so kann man gewiss leben. Nimm dir eine blaue Pille- macht potent

View more

Über das existenzielle Existenzielle der Philosophie und die Ruhe die man
Liked by: Jemand

Ich werde auf deine Frage noch eingehen. Dazu möchte ich mir Zeit nehmen, in der ich Ruhe habe und versuchen kann, dir eine adäquate Antwort zu geben. Momentan passt es leider nicht

DerBilal’s Profile PhotoJemand
Diese Äußerung bezieht sich auf diese meine Frage und ist nicht nur ideell existenziell, sondern existenziell existenziell! Wo bekommt man die richtigen Lebensbedingungen zum Philosophieren?
«Meine Position ist ja, dass wir irgendwie Organismen in einer großen weiten Leere sind, in der ich mir nicht vorstellen kann, dass es von Grund auf irgendwelche Regeln gibt.» M.E. sind wir damit existenziell weitergekommen. Ich werde versuchen zu erklären, was ich meine, aber du kannst es parallel:
Wie du schon richtig sagtest, ich beschäftige mich mit philosophischen Fragen 24/7, Tag und Nacht, wie es sich für einen selbsternannten und selbstbestimmten Philosophen gehört. Niemand kann mir in dieser Hinsicht Vorschriften machen. Ich denke, wann ich will, was ich will und worüber ich denken will, ich schreibe, wann, wo und wie ich will. Das ist keinesfalls für Philosophen selbstverständlich! Professoren an der Universität, die einen langen und beschwerlichen Weg bis zu ihrer Position hinter sich haben, Themenzwang, Publikationsdruck, Veranstaltungen, die sie obligatorisch anbieten, Klausuren und Hausarbeiten, die sie gezwungenermaßen stellen und korrigieren müssen, der Weg der akademischen Laufbahn ist lang und mühselig. Es wird niemandem etwas geschenkt, natürlich werden manchmal auch manche unfair bevorzugt, andere unfair benachteiligt. Es geht nicht immer mit rechten Dingen zu. Aber es ist wie in der Fußballbundesliga: um dort gefoult und unfair behandelt zu werden, musst du schon sehr gute Leistungen erbracht haben. Und so musst du dich als Philosoph über einen langen beschwerlichen und sehr viel Selbstdisziplin erfordernden Weg der Laufbahn gequält haben, um endlich irgendwann, wenn du alles bestens überstanden hast, als einen der höchsten deutschen Beamten philosophisch äußern zu können. Ob die Laufbahn aber, die du gegangen bist, durchlaufen hast, dich unbeschadet an Person und Geist, sowie Seele dort ankommen lässt, wohin du ursprünglich wolltest, darf auch nochmal bezweifelt werden. Ein Martin Heidegger, Hans-Georg Gadamer und einige weitere dürfen sich mit Fug und Recht Philosophen nennen, viele Professoren aber sind verbeamtete Geschichts- und Textverwalter, Wissensbürokraten, die in der Laufbahn ihre Seele verloren haben, wenn sie überhaupt eine Philosophenseele hatten, als sie aufbrachen. Viele haben schon das Wiederkäuen für Philosophie gehalten und kamen auf der Karriereleiter weiter, höher und viele andere aber dümpeln als akademisches Prekariat vor sich hin, verfallen dem Rotwein, den sie anfangs für ihre Kreativität und zur Auflockerung brauchten und unbemerkt irgendwann nur noch seiner selbst Willen brauchen und das schreibende Denken nur noch eine Attitüde ist. Da bin ich einer, der intuitionsgeleitet früh ausgestiegen ist, ohne akademische Abschlüsse, Titel, Grade, Preise, nur mit dem, was er als Rüstzeug tragen konnte. Aus dem Prekären kommt man so nicht raus, lernt es bestenfalls auszuhalten. Aber die Liebe zum Denken bleibt.

View more

Wenn Superkleber wirklich überall klebt, warum bleibt er dann nicht auf der Innenseite der Tube kleben?

Sonicexe’s Profile PhotoLexi Doller
Der Alleskleber ist immer der dritte im Bunde. Tube und er sind nur zwei. Kannst du nicht bis drei zählen?

In welcher Fantasieweltf(egal ob buch, film oder eigene gedanken) würdest du am liebsten einen Tag verbringen?

sxsxia_bln’s Profile Photosxsxia_bln
Es müsste schon sehr gewährleistet sein, dass ich da wieder herauskomme und nicht darin hängen bleibe. Es gibt da eine Welt, die ich mir gerne ansehen und vor allem mit den Leuten reden würde: In der MATRIX im Raumschiff des Morpheus: Nebuchadnezzar, sie wird als ein Raumschiff, eine Hovercraft des Widerstandes, bezeichnet. Die Sache ist die, dass ich selbst in einem fantastischen Raumschiff des Widerstandes sitze - diese Kulturlaube heißt, sich in einem Kleingarten befindet und zugleich Abenteuer der Ideen und Ruhe und Kraft als Hochburg der seelischen Energie ist. Ich bin angekommen, obwohl man sich das kaum einzugestehen und dann auch noch offen auszusprechen traut. Man tabuisiert das Gute, das einem selbst widerfährt bzw. das in mir über lange Jahre, Jahrzehnte des sehnsüchtigen Suchens und Strebens, Irrens und Verirrens widerfahren ist! Meine eigene Hovercraft des Widerstandes, meine Nebuchadnezzar heißt Kulturlaube! Darin habe ich mich mit meinem besten Freund und Begleiter und seinem Wahlbruder als Gast verschanzt und operiere von hier aus, soweit meine seelischen Kräfte reichen. Das ist momentan meine seelisch-ontologische Situation. Rückzugsort und Operationsbasis zugleich ist mein Raumschiff die Kulturlaube. Das ist fantastischer als fantastisch, weil für mich absolut real. Mich willst du nun mit dieser Frage, die ja nicht persönlich gemeint ist, sondern in die Matrix gepostet wurde, aus meiner Burg in eine Welt locken, die nur aus der Sicht der in der Matrix Lebenden eine Fantasiewelt ist. Aber natürlich kann man nur locken, wo auch eine Verlockung ist! Und etwas verlockend ist es schon, Kapitän Morpheus kennenzulernen und sich seine Klapperkiste des Widerstandes anzuschauen. Was aber, wenn ich von dort aus nicht mehr in mein eigenes Schiff des Widerstandes zurückkehren kann? Ich denke seit gut zwei Wochen ständig und inständigst über die Matrix und die beiden Pillen nach: Nimmst du die blaue Pille, kehrst du in deine Illusionshöhle der Sklaverei zurück und hast vergessen, was du je zuvor erlebt hast: dass die Höhle nicht die wahre Realität ist und du um dein Leben beschissen wirst! Denn wer einmal außerhalb der Höhle war, außerhalb der Matrix also, kann nicht mehr in der Matrix leben, als habe er alles andere nicht gesehen und erlebt. Es sei denn, es wird ihm vergessen gemacht - durch die blaue Pille.
Was aber bietet einem nun die rote Pille des Kapitän Morpheus auf Nebuchadnezzar? Du bleibst in der Welt des Widerstands, bar der Illusionen und des vorgegaukelten heilen Lebens und kämpfst, und kämpfst und kämpfst um deine Freiheit. Und die rote Pille ist wie eine Vitamin- oder Adrenalinspritze, damit du durchhältst! Es kann dich Diskriminierung, Verhaftung, Folter, Gefängnis, Tod erwarten. Das ist der Preis der Freiheit, würde wahrscheinlich Morpheus sagen. Er ist ja auch ein Filmheld! Ich hingegen in der vollen Wirklichkeit des Lebens zurückgezogen auf mein Raumschiff Kleingarten!

View more

Liked by: sxsxia_bln

«Irgendwie hänge ich beim verfassen dieser Antwort fest und komme immer wieder zum selben Punkt: Ich bin ich, weswegen nichts und niemand die höhere Macht besitzt, für mich zu entscheiden, was wahr ist», schreibt @DerBilal und ich frage mich nicht: was ist Aufklärung? Sondern...

Klugdiarrhoe’s Profile PhotoUri Bülbül
...was sind die neuralgischen Punkte der Aufklärung? Bei Platon ist alles so voller Selbstverständlichkeiten: das Gleichnis der Höhle evoziert schon alles - eine ganze Metaphysik. Die Menschen sind unter Tage und Licht bekommen sie nur von einem Feuer, und es ist doch so klar, dass das Licht des Feuers niemals so schön und strahlend sein kann wie das Licht der Sonne. Und natürlich ist der freie Himmel voller Sterne in der Nacht und bei Tag blau und klar und mit Sonnenschein der Höhlendecke vorzuziehen. Alles spricht für sich. Und genau das ist die größte Anti-Aufklärung, die Platon betreiben kann und betreibt. Er suggeriert eine ganz natürliche und selbstverständliche Ordnung, worin die Wahrheit liegt. Diese Ordnung ist wahr und wahrhaftig. Und darin sind die Menschen als erkennende Subjekte unterschiedlich positioniert. Aber selbst diese unterschiedliche Positionierung wird nicht thematisiert. Erstens ist die Suggestivkraft des Höhlengleichnisses ein Riesenproblem und neuralgischer Punkt; zweitens die unterschiedlichen Positionen: wer bewacht und schürt das Feuer? Wer hat die Mauer gebaut oder bauen lassen? Wer sind die Träger der Gegenstände? Was ist ihr Selbstbewusstsein? Höchstwahrscheinlich wissen sie gar nichts von den Menschen jenseits der Mauer weiter unten in der Höhle, die mit dem Rücken zu ihnen gefesselt sitzen und auf die Höhlenwand zu schauen gezwungen sind. Drittens: warum lösen sich bei einigen wenigen Menschen die Fesseln, so dass sie sich umdrehen und dann auch aus der Höhle hinaus klettern können? Diese Punkte würden den Verfasser der "Politeia" zu tatsächlich politischen Fragen führen. Platon zieht es hingegen selbst vor, in seinem Höhlengleichnis in der Höhle zu bleiben. Er spricht von Aufklärung, betreibt aber keine Aufklärung! Viertens wir müssen unser Verständnis von "Aufklärung" reflektieren. D.h. wir müssen nicht einfach nur essenziell fragen: was ist Aufklärung? Sondern einmal konkret: meinen wir mit "Aufklärung" eine Epoche, die historisch begrenzt ist und damit auch hinter uns liegen und liegen gelassen werden kann? Oder meinen wir mit Aufklärung das Versetztwerden in einen neuen Bewusstseinszustand von gesellschaftlicher und politischer Tragweite? Ein Bewusstseinszustand, der uns in ganz neue Erkenntnisprozesse führt und in uns eine ganz neue Erkenntnisatmosphäre schafft? Darin können wir uns wieder gut an Platons Gleichnis anlehnen: wer einmal gesehen und erlebt hat, was es außer der Höhle noch alles gibt, wird das schwerlich vergessen können und wieder so leben, als habe er das alles gar nicht zur Kenntnis genommen. Dazu braucht er eben wie in der MATRIX, dem Film, die blaue Pille des Vergessens. «Du nimmst die blaue Pille, und es hat für dich nie etwas anderes gegeben als das Sein in der Höhle mit den an der Wand vorbeiziehenden Schatten.» Aber eigentlich wird, was wahr ist bzw. als wahr erkannt wird, nicht vorgeschrieben oder entschieden, sondern eben einzig und allein erkannt.

View more

Liked by: Kidaxx.

Das Einzige, was du in diesem Leben brauchst, ist verstanden zu werden und eine gute Liebe wie ich 😘

Wir müssen diesen Satz umformulieren, damit er an Realitätsgehalt gewinnt: Was du im Leben gut brauchen kannst, ist liebevolles Verständnis.
Alles andere ist dogmatischer («Das Einzige, was...»; «in diesem Leben») oder egomanischer Nonsens («eine gute Liebe wie [m]ich»).
Liked by: Kidaxx.

Next

Language: English