#musikhören

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Wann haben dich das letzte Mal Emotionen überrumpelt und wieso?

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Oh ha - gestern. Ich bin beim Musikhören unvermittelt auf Elli Berlin gestoßen und mit dem ersten Song “F.ck you Hollywood” hatte sie mich. Frauenstimmen sind beim Gesang allgemein bisschen schwierig für mich bzw. sprechen mich da höchst selten welche an. Ihre aber … hell, ich bin verliebt. Mag mitunter an der Lyrik liegen, die mir teilweise extrem vertraut erscheint, aber auch insgesamt … das was sie transportiert … zwischen all den Nuancen liegt etwas, das mir echt mitten in die Seele geht, dort weiter schwingt, Bahnen zieht.
Neben dem gesamten Album “Lieb mich” habe ich mich dann noch in ihre Band “Null positiv” reingehört …dort rauer, teilweise rotzig (je nach Jahrgang des Albums) im gesamten Verlauf aber zunehmend weicher … und auch hier - ich ziehe für mich starke Parallelen raus. Die Stunden des Hörens hatten es in sich und zogen sich quer durch die Farbpalette meiner Emotionen.

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Der Musikwissenschaftler Shuhei Hosokawa spricht in seinem Essay über den Walkmaneffekt davon, dass das Musikhören mit Kopfhörern im öffentlichen Raum eine Art urbane Strategie der akustischen Isolation sie. Hörst du Musik im öffentlichen Raum? Warum? Was macht das mit deiner Wahrnehmung?

Sehr gute Frage. In der Öffentlichkeit benutze ich oft Kopfhörer, weil sie Nebengeräusche unterdrücken. Es fällt mir leichter, mich auf das Ziel zu konzentrieren. Wenn ich nicht alleine bin, benutze ich es natürlich nicht.
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Der Musikwissenschaftler Shuhei Hosokawa spricht in seinem Essay über den Walkmaneffekt davon, dass das Musikhören mit Kopfhörern im öffentlichen Raum eine Art urbane Strategie der akustischen Isolation sie. Hörst du Musik im öffentlichen Raum? Warum? Was macht das mit deiner Wahrnehmung?

Also der Annahme -sagen wir etwas moderner mal schlichtweg Kopfhörer- zur akustischen Isolation zu nutzen, stimme ich zu. Ich habe auf meinem täglichen Arbeitsweg, den ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück legen muss, immer geladene Kopfhörer dabei. Und nahezu täglich nutze ich diese auch. Meist höre ich Musik, seltener Podcasts.
Nun, zum einen ist Musik eine mir sehr zugängliche Kunstform. Ich schätze das Geschaffene, ich genieße sie, vermutlich macht sie mich ein Stück weit glücklich.
Zum anderen bin ich fast eine Stunde unterwegs, wenn man sich irgendwie beschäftigt, vergeht die Zeit schneller. Oft lese ich auch oder schreibe. Manchmal sitze ich nur so da und schaue nach draußen, versinke in Gedanken oder beobachte die anderen Fahrgäste. Damit möchte ich es aber nicht übertreiben, da ich immer befürchte, das könnte für die anderen Menschen irgendwie unangenehm sein. (Leuten ist ja immer alles irgendwie unangenehm.)
Oft ist es so, dass ich mit einem Lied im Ohr aus dem Haus gehe und mir vornehme das, und oft das dazu gehörige Album, gleich während der Fahrt zu hören, wenn ich dann aber eingestiegen bin, habe ich da gar keine Lust mehr drauf, sondern sitze lieber einfach so, nachdenklich da.
Keine Ahnung, wieso das so ist.
Natürlich schirme ich mich mit Kopfhörern irgendwie von der Außenwelt ab, aber ich mag es damit niemals so weit treiben, dass ich von dem um mich herum nichts mehr mit bekomme. Deswegen hasse ich auch noise cancelling. Damit kann ich überhaupt nichts anfangen und auch Leute, die auf so hoher Lautstärke hören, dass man es neben ihnen wahrnehmen kann, waren mir immer schon suspekt.
Ich persönlich würde mich einfach unwohl dabei fühlen, wenn ich gar nichts mehr mitbekommen würde, was um mich herum passiert. Ich höre da eher verhältnismäßig leise Musik.
Der Punkt mit der Einsamkeit in Großstädten trotz der Menschenmassen, ja mei… ich weiß nicht, ob nur das Nicht-mehr-Musikhören daran viel verändern würde. Wir trauen uns ja trotzdem nicht, jemand Fremdes einfach anzusprechen. Wir wollen das vielleicht selber nicht (angesprochen werden) und dadurch fehlen manchen dann soziale Kontakte, aber dieses Problem dürfte etwas weitreichender sein, als dass man es durch ein Kopfhörerverbot beheben könnte… naja.

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Der Musikwissenschaftler Shuhei Hosokawa spricht in seinem Essay über den Walkmaneffekt davon, dass das Musikhören mit Kopfhörern im öffentlichen Raum eine Art urbane Strategie der akustischen Isolation sie. Hörst du Musik im öffentlichen Raum? Warum? Was macht das mit deiner Wahrnehmung?

Es ist lange her, als auch ich mal mit Kopfhörern durch die City lief. Ich finde, dass Musik eine sehr private Sache sein kann...da sie ein Stimmungs- wenn nicht Seelenspiegel ist. Entscheide ich mich bewusst dazu, Musik laut in der Öffentlichkeit zu hören, so gebe ich damit auch immer einen Teil meines Selbsts preis. Verstecke ich meine Lieder aber hinter Kopfhörern, so bleiben sie bei mir. Letztendlich veränderten sie draußen, über Kopfhörer gehört, auch mein Bewusstsein, mit dem ich das Außen wahrnahm. Zum einen durch die Musik selbst, aber auch durch die Weise, wie ich mich mit ihr verband, wie ich mich darauf konzentrierte.
Als ich früher Musik öffentlich mit 'nem Walkman hörte, gab mir das auch ein Stück weit das Gefühl von Isolation bzw. Teilabkopplung von der Außenwelt. Jedoch war das nicht mein Hauptgrund, draußen, für mich allein, Musik zu hören. Eher die Freude an meinem damals neuen Walkman und ein Ausprobieren bzw. Experimentieren mit dieser großartigen Möglichkeit, Musik überall bei mir haben zu können, womit beiläufig aber meist auch die 'schlechter klingende' Realität etwas aufgepeppt werden konnte.

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Der Musikwissenschaftler Shuhei Hosokawa spricht in seinem Essay über den Walkmaneffekt davon, dass das Musikhören mit Kopfhörern im öffentlichen Raum eine Art urbane Strategie der akustischen Isolation sei. Hörst du Musik im öffentlichen Raum? Warum? Was macht das mit deiner Wahrnehmung?

Das, was die mobile Begleitung einer musikalischen Untermalung so besonders macht, ist der permanente Zugang derselbigen - zu jeder Zeit und an jedem Ort, was die entsprechenden Rückzugsmöglichkeiten immerwährend erscheinen lässt. Vor der Zeit der tragbaren Abspielgeräte gab es nur stationäre Möglichkeiten, Musik zu hören, was in gewisser Hinsicht auch einen determinierten Raum angeboten hat. Man konnte sich nicht frei durch Kulissen bewegen, sondern war stets an das entsprechende Medium gebunden.
Nehmen wir als Beispiel das Grammophon: Ein archaischer Tonträger der besonderen Art. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand dieses Gerät unter den Arm geklemmt hat und damit unbeschwert über eine Straße in der Öffentlichkeit gelaufen ist. Tonträger dieser Art sind also starr auf eine spezifische Umgebung reduziert und die Akustik verteilt sich entsprechend über diesen spezifischen Raum. Man ist also zwangsläufig an eine gewisse Nähe gebunden, weil mit zunehmender Entfernung die Klangfarbe und Lautstärke anders wahrgenommen wird; entweder besonders ausgeprägt oder aber leise und kaum merklich. Bei mobilen Tonträgern ist dieser Bewegungsfaktor nicht zwingend gegeben. Die Lautstärke lässt sich beliebig modifizieren, sodass ich mich frei und ungebunden bewegen kann; es ändert nichts an der Zugänglichkeit des Mediums. Zudem ist es möglich, schnell zwischen verschiedenen Interpreten zu wechseln, was eine zusätzliche Autonomie in die Wege leitet.
Die These des Walkmaneffekts, eine akustische Isolation zu erzeugen, ist für mich sehr naheliegend, da ein direkter Zugang zu meinen auditiven Sinneseindrücken gelegt wird. Wenn wir In-Ear-Kopfhörer einmal außen vorlassen und uns Noise Cancelling On-Ear Exemplare vergegenwärtigen, ist bereits beim alleinigen Aufsetzen eine gewisse Distanz zu den Umgebungslauten garantiert. Wenn ich dann noch über die Lautstärke der abgespielten Tonmedien verfüge, kann ich mich und meine Umwelt zu großen Teilen ausblenden und mich intrinsisch zurückziehen. Die auditive Wahrnehmung ist, besonders bei reizüberflutenden Einwirkungen, ausgesprochen beeinflussend, was die eigene Stimmungsgrundlage anbelangt.
Ich selbst höre Musik im öffentlichen Raum, sei es aus Genuss, Langeweile, Tagtraumfantasie oder bewusste Rückzugsstrategie. Meine Wahrnehmung mit der Ausblendung der tatsächlichen Geräusche kreiert in gewisser Hinsicht eine entrückte, surreale Wahrnehmung der Umgebung, weil sie durch die Klangfarbe der eigenen Musik verändert wird. Dadurch wird in gewisser Hinsicht die Realität ummodelliert, zugunsten meines eigenen Wohlfühlempfindens oder meiner psychischen Sensibilität auf die tatsächliche, gegenwärtige Akustik. Es desensibilisiert in gewisser Hinsicht, erzeugt aber paradoxerweise eine ebenso prägnante Empfindlichkeit. Mir ist aufgefallen, dass wenn ich meine Kopfhörer nicht eingepackt habe, sich auch manchmal eine latente Unruhe anbahnt, zum Teil überfordernden Geräuschen ausgesetzt zu sein.

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Der Musikwissenschaftler Shuhei Hosokawa spricht in seinem Essay über den Walkmaneffekt davon, dass das Musikhören mit Kopfhörern im öffentlichen Raum eine Art urbane Strategie der akustischen Isolation sei. Hörst du Musik im öffentlichen Raum? Warum? Was macht das mit deiner Wahrnehmung?

Ja, da gehe ich ganz d'accord. Ich bin kein Freund von dieser Praxis mehr; natürlich nicht ausschließlich, aber wenn das die Norm ist, schadet das der Gesellschaft (und tut es auch). Davon bin ich überzeugt. Nenn mich Steppenwolf, aber dieses ständige Hören von Playlists, Durchskippen, und dabei alle anderen Umweltgeräusche ausblenden, das ist auf eine komische Art und Weise krank.
Früher habe ich das gemacht. Morgens rein, Schulstart raus. In den Pausen, nach der Schule. Unterwegs halt. Dann auch zuhause. War auch schön, intim irgendwie, aber es war vor allem auch ein Coping-Mechanismus für meine verdammte Einsamkeit und damals überwältigende Sozialphobie.
Klar, lange Fahrt mal, oder einfach mal Bock, ab und zu was zu hören. Aber was passiert in dieser Welt, wo jeder immer Kopfhörer aufhat und eh schon so tut, als wären alle Umstehenden inexistent, während doch jeder zweite sich wünscht, mehr mit coolen Menschen verbunden zu sein, jeder dritte einfach Angst davor hat. (don't google these stats)
Es mutet so an, als wäre die neue Religion des Westens der "unfreiwillige Solipsismus". Das ist eine fiese Spirale in die Einsamkeit, und natürlich ist Musik per se nicht der Übeltäter, sondern dicke Konglomerate, die uns den mobilen Pleasure-Knopf der Ratten gesteckt haben in Form von Smartphones (und Trash-Essen).
Lass mich gar nicht erst von dieser Zombie-Reizflutssucht anfangen, der sich so viele unterwerfen und dabei noch deep fühlen. Da verspüre ich keine Romantik. "Ich liebe Musik so sehr, sie ist ein Teil von mir." Ja, ich auch, genau deshalb höre ich sie nicht mehr ununterbrochen, schon gar nicht immer so passiv. Manchmal, wie gesagt, ja ja ja ja, IMMER manchmal, aber wenn du dich umsiehst, siehst du Menschen, die ihre Blase mit Stahl verstärkt haben, eine Gesellschaft, in der Leute dich IGNORIEREN, schnell wegguckst, wenn du ihnen noch beim Vorbeigehen bei zufälligem Blickkontakt zulächelst. Kann man nicht mal festhalten, wie abgefvckt das ist? Wie kann man nachhause gehen und sich denken, dass heute nichts Ungewöhnliches passiert ist?
Ich mache immer alles mal zu viel. Musik war keine Ausnahme, manchmal kommt's auch noch vor, da ich halt ein unzufriedener semiimpulsiver Lappen sein kann. Aber meine neue Musik ist auch der Wind, das manchmal fast schon lustige Gesinge der Krähen am Bahnhof, Freunde im Gespräch, ein weinendes Kind und die Blätter, auf die ich trete. Oft ist die schönste Musik die Ruhe, in der nichts zu hören ist außer das Flüstern der Bäume im Wind. Seitdem habe ich nicht nur mit dem Hören, sondern auch mit allen anderen Sinnen einen viel größeren Zugang zur Welt bekommen. Natürlich bin ich aber eine Anomalie, eine unwillkommene Aufdringlichkeit, da ich die Existenz anderer nicht nur anerkenne, sondern mir auch noch wünsche, dass sie dem gleichtun. Mikroaktivismus - Leute wahrnehmen. Da ist der mir ähnlichste fiktive Charakter Elliot von Mr. Robot, und gleichzeitig bin ich sein komplettes Gegenteil. Passt wohl.

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Liked by: Pheline Papiertiger.

Wo findest du Inspiration?

Unterschiedlich. Mal beim Bummeln durch die Stadt, mal beim durchstöbern des www's. Mal bei Spaziergängen in der Natur, mal beim Musikhören. Aber auch durch Einwurfe meiner Mitmenschen. Manchmal bedarf es einfach einem Geistesblitz, den andere auslösen können.

Was ist das Beste an deinem Beruf?

Alaunt’s Profile PhotoHolger Hofmann
Das Headset. Es sitzt so schön auf dem Kopf :))
Ah, das erinnert mich gerade an etwas: Ich setze mir gerne beim Musikhören Kopfhörer auf. Vorteil: Man kann auch mal etwas lauter hören ohne andere damit zu nerven. Nachteil: Durch den dicken Bügel wird immer die Frisur zerstört. Wer kennt's? 😀 Gut, heute kein Thema mehr bei mir 😜

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